Wohnungsbau bedroht das Grün in der Stadt

BUND: „Bäume brauchen Platz“

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Martin Rode (l), Bremer Geschäftsführer des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, und der Stadtökologe und Landschaftsplaner Gunnar Oertel.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Kein Bauen auf der grünen Wiese.“ Das sagt Martin Rode, Bremer Geschäftsführer des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Es gelte, den Konflikt zwischen dem Bedarf an Wohnbauflächen und dem Grün in der Stadt zu „entschärfen“ – etwa durch frühzeitige Eingriffe in Planungen und durch Lückenbebauung.

„Bäume brauchen Platz“, sagt Gunnar Oertel, Stadtökologe und Landschaftsplaner beim BUND. „Oft aber wird die Bebauung viel zu dicht an Bäume herangesetzt.“ Nun kann eine Stadt nicht grenzenlos wachsen. Und nicht zuletzt der Zuzug von Flüchtlingen hat die Stadtplaner unter Zugzwang gesetzt.

Inzwischen werden mehr als 2 000 Baugenehmigungen pro Jahr erteilt. Eine Zahl, die noch vor kurzer Zeit kaum für möglich gehalten wurde, heißt es beim BUND. Es folgt ein Angriff auf den roten (und größeren) Teil der rot-grünen Koalition, ein Angriff auf die SPD. Denn „dem roten Koalitionspartner“ genüge das Erreichte nicht. „Jetzt sollen es deutlich mehr als 2 000 Baugenehmigungen pro Jahr sein und dafür bitteschön auch auf die grüne Wiese gehen. Der BUND lehnt die Rückkehr zum Bauen auf der grünen Wiese entschieden ab.“

Grünverlust sorgt für Konflikte

Der Grünverlust durch Bebauung ist ein Konfliktthema, das wissen die Naturschützer. Dennoch sagen sie: „Städtisches Grün ist für die Lebensqualität in den Quartieren von großer Bedeutung. Zu den Funktionen von Stadtgrün gehören Naherholung, Freizeitsport, Gesundheitsvorsorge, stadtklimatischer Ausgleich, Biodiversität, Spielraum und Treffpunkt für die Quartiersbevölkerung.“ Bei jeder Baufläche müsse deshalb „genau hingeschaut“ werden. Zum Beispiel auf die Flächennutzungspläne.

Das Wohnbauflächenprogramm des (grünen) Bauressorts umfasst mehr als 100 „Potenzialflächen“. Die meisten davon hält der BUND für „relativ unproblematisch“. Manche aber auch nicht.

Hierzu zählen die Naturschützer die Flächen an der Huchtinger Heerstraße (nördlich des Sodenmattsees) und an der Wendeschleife an der H.-H.-Meier-Allee (Schwachhausen/Horn). Den größten „Verlust innerstädtischen Altbaumbestandes“ bringe das Neue Hulsberg-Quartier auf dem Areal des Klinikums Bremen-Mitte mit sich – „ausgerechnet in der hochgradig verdichteten Östlichen Vorstadt“.

Alte Bäume besonders betroffen

Der Klinik-Park werde „weitgehend“ verlorengehen. Besonders alte Bäume seien betroffen. Auch bei Projekten wie dem „Jacobs-Park“ an der Schwachhauser Heerstraße (Höhe Focke-Museum“ sei schon „dramatisch“ viel Grün verlorengegangen, so Oertel.

Im Wohnbauflächenprogramm des Ressorts gebe eine Reihe von Flächen, bei denen eine Bebauung „sehr sorgsam und vorsichtig mit den vorhandenen Grünfunktionen auszutarieren“ sei. Oertel: „Eine Totalbebauung kommt in solchen Bereichen nicht in Frage.“ Dazu zählten beispielsweise die Flächen An der Brakkuhle in Oslebshausen, Am Geestkamp in Grambke und „Große Laake“ in Osterholz.

Was aber tun? Es muss ja auch gebaut werden. . . BUND-Geschäftsführer Rode verweist darauf, dass „10 000 Wohneinheiten in Baulücken“ möglich seien. Und dann gebe es noch die eine oder andere Parkfläche, die sich anders nutzen lasse – in Habenhausen zum Beispiel und in Kattenturm. Und an der „Waterfront“ in Gröpelingen, wo Autos gleichsam mit Weserblick parken. Nein, die Parkplätze sollen nicht weg, so die BUND-Vertreter. Aber vielleicht in Tiefgaragen verlegt oder überbaut werden.

www.bund-bremen.net

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