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Autos, Petticoats und Haartollen

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Wolfgang und Ruth Pauly aus Dreye sind seit vielen Jahrzehnten große USA-Fans. ·
Wolfgang und Ruth Pauly aus Dreye sind seit vielen Jahrzehnten große USA-Fans. · © Foto: Seegers

Bremen - Von Nina Seegers. Schnittige Rennwagen, protzige Pick-ups, lange, wuchtige Limousinen und viele historische Fahrzeuge in edlem Design faszinierten am Wochenende mehrere tausend Besucher auf dem großen Platz an der „Waterfront“ in Gröpelingen. Auf dem „US-Car-Treffen“ präsentierten Liebhaber amerikanischer Autos etwa 1 500 Karossen aus sieben Jahrzehnten.

Unter dem Motto „Born to drive“ setzten die vielen Fahrzeughalter aus ganz Norddeutschland stolz ihre Prachtexemplare in Szene. „Boah, guck mal, ein DeLorean!“ Das rief ein Junge seinem Vater zu und zeigte auf einen grauen Wagen mit geöffneten Flügeltüren, der durch den Film „Zurück in die Zukunft“ in den 80er Jahren berühmt geworden ist. Als der Junge ehrfürchtig ins Innere des Wagens schaute, war seine Freude über den eingebauten Fluxkompensator noch größer.

Ein älterer Herr hatte hingegen nur Blicke für einen mintgrünen Cadillac-Oldtimer. „Wenn ich viel Geld hätte, würde ich den sofort kaufen“, sagte er lächelnd, ging ein paar Mal um das Auto herum und bestaunte den glänzenden Lack und den blitzenden Chrom.

Bei der großen Autoschau, die der Verein „US- Car-Stammtisch“ aus Bremen zum sechsten Mal in Folge organisiert hat, ging es allerdings um mehr als nur um Autos.

Auf dem weiten Platz flatterten US-Flaggen im Wind, ein Elvis-Imitator gab auf einer Bühne die größten Hits des „King of Rock‘n‘Roll“ zum Besten, Frauen in gepunkteten Petticoats, Männer mit Koteletten und Haartolle sowie texanisches Chili – all das versetzte die Besucher in die 50er und 60er Jahre zurück und vermittelte ein amerikanisches Lebensgefühl.

Der 80-jährige Wolfgang Pauly und seine Frau Ruth (74) aus Dreye saßen vor ihrem Chevrolet Astro GMC auf Klappstühlen an einem kleinen Campingtisch, ließen sich die Sonne auf den Pelz scheinen und beobachteten freudig das bunte Treiben. Sie seien beide große USA-Fans, erzählten sie. Ruth trug ein Amulett mit einem Elvis-Porträt um den Hals, Wolfgang eine dicke goldene Kette mit einem Adler. „Das ist das Wahrzeichen der USA“, erklärte er.

Mit seinem Jeanshemd, den Tätowierungen auf dem Arm und dem Hut auf dem Kopf hätte er glatt als waschechter Texaner durchgehen können. „Ich bin viele Jahrzehnte lang als Trucker durch die ganze Welt und schon in den frühen 60er Jahren durch die USA gefahren“, sagte der 80-Jährige. Da habe er sich in das Land, die Kultur und die Menschen verliebt.

Mario Padrella und seine Freundin Gabi Kristner aus Schwanewede präsentierten ein paar Meter weiter einen blauen Buick Regal aus dem Jahr 1976. Ein Kumpel, der LKW-Fahrer ist, habe ihm den Wagen vor ein paar Jahren für 400 Dollar aus den USA mitgebracht, erzählte Padrella. Daraufhin habe er noch ein paar tausend Euro in den Wagen gesteckt und unter anderem Schläuche, Bremsen sowie das Getriebe erneuert. „Amerikanische Autos haben einen besonderen Flair, jedes einzelne hat seinen ganz eigenen Charakter“, sagte Padrella. Vor allem der sonore Sound des V8-Motors hat es dem Buick-Besitzer angetan: „Der blubbert so schön.“

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