Die Legende kehrt zurück

Borgward kauft Gelände im Bremer Güterverkehrszentrum

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Das Grundstück der Borgward Group im GVZ Bremen. 

Bremen - Die Rückkehr einer Bremer Legende ist jetzt wieder einen Schritt nähergerückt. Der Automobilbauer Borgward, inzwischen mit Sitz in Stuttgart und Produktionsstätte in China, will auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums im Bremer Westen ein 140.000 Quadratmeter großes Gelände erwerben.

Ein entsprechendes „Memorandum of Understanding“ unterzeichneten die Borgward-Gruppe und die Wirtschaftsförderung Bremen. „Mit dem Kauf des Areals gehen wir konsequent den nächsten Schritt in unserer globalen Wachstumsstrategie“, sagte Ulrich Walker, Vorstandsvorsitzender der Borgward Group AG. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Borgward plant, bis zum Anfang des Jahres 2018 mit dem Bau zu beginnen. Anfang 2019 soll mit der Vorserienproduktion der Elektroversion des BX 7 begonnen werden.

Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), der gerne betont, dass Bremen „Auto im Blut“ habe, sagt: „Wir freuen uns außerordentlich über die Standortentscheidung von Borgward. Das Land Bremen verfügt über eine große Kompetenz in der Automobilbranche und gewinnt mit Borgward eine starke Marke mit Ambitionen hinzu.“

In Bremen sollen Autos zusammengebaut werden 

Auf dem Areal im Güterverkehrszentrum ist in der ersten Baustufe eine sogenannte Semi-Knocked-Down (SKD)-Fertigung für bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr geplant. Das heißt: Im neuen Werk werden keine Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge gebaut. Vielmehr werden halbfertige Fahrzeuge und Teilmodule aus China nach Deutschland geschickt und hier zusammengebaut

Batterie, Elektromotor, Stoßfänger und Scheinwerfer sollen aus deutscher und europäischer Produktion stammen. Ziel sei es, dass je nach Bedarf und Nachfrage die Produktion von der SKD-Fertigung in eine Vollproduktion umgewandelt werden kann. Neben der Fertigung sind auf dem Gelände eine Teststrecke, ein Auslieferungszentrum sowie ein Brand-Studio geplant. Die WFB beginnt bereits im Mai mit den Sandaufschüttungen für das Grundstück, das für die Erstinvestition benötigt wird.

Ende Oktober 2016 hatte Borgward seine Rückkehr ins Land Bremen angekündigt. „Die Rückkehr nach Bremen ist ein unglaublich emotionaler Moment“, sagte Ulrich Walker. Und weiter: „Die Rückkehr ist aber auch strategisch ein bedeutsamer Augenblick.“ Und Christian Borgward, Aufsichtsratschef der Borgward-Gruppe und Enkel des legendären Automobilproduzenten Carl F. W. Borgward („Isabella“, „Goliath“, „Lloyd“), sagte: „Borgward und Bremen haben die einmalige Chance, einen Neuanfang zu starten“.

Und weiter: „Zu sehen, dass Träume sich erfüllen können und ich das Lebenswerk meines Großvaters fortführen kann, übertrifft meine kühnsten Erwartungen.“ Borgward ist in chinesischer Hand. Einziger Aktionär ist derzeit der chinesische Lkw-Hersteller Foton. 

Kehrt Borgward heim?

In Bremerhaven ist man enttäuscht über die Nachricht, dass Borgward sein Fertigungszentrum in Bremen bauen will, denn die Seestadt war ebenfalls im Gespräch und machte sich große Hoffnungen auf die Ansiedlung des Autobauers. 

Trotz der Enttäuschung sieht Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) auch die „gute Nachricht für das Bundesland Bremen“. Die Wirtschaftsförderer hätten sich „sehr für den Standort Bremerhaven engagiert“ und überzeugende Angebote abgegeben. Grantz: „Doch gegen den Mythos Borgward, der konkret mit der Stadt Bremen verbunden ist, hatte Bremerhaven letztlich keine Chance. Das zeigt einmal mehr, dass allein Fakten nicht die alles entscheidende Rolle spielen, sondern auch Psychologie und Tradition den Ausschlag für eine solche Entscheidung spielen können.“ Bremerhavens Oberbürgermeister gratulierte der Stadt Bremen zu der in Aussicht stehenden Ansiedlung und wünschte der Firma Borgward viel Erfolg.

je/gn

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