Auswandererhaus zeigt syrische Fluchtgeschichte

Das Leben einer Familie

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Das Foto aus dem Jahr 2003 zeigt Khalil Koto in seinem Heimatort Karagoule bei Afrin im Nordwesten Syriens.

Bremerhaven - Das Auswandererhaus in Bremerhaven zeigt ab morgen, Freitag, in seiner Dauerausstellung die Lebensgeschichte einer kurdischen Familie, die 2014 aus Syrien nach Deutschland geflohen ist. Diese neue Geschichte ist in denjenigen Ausstellungsteil integriert worden, in dem 300 Jahre Zuwanderungsgeschichte nach Deutschland gezeigt werden.

Damit will das Migrationsmuseum (DAH) seinen Besuchern die persönlichen und politischen Hintergründe einer Flucht nach Deutschland zeigen – stellvertretend für viele Fluchtgeschichten. „Die Einwanderungs- und Integrationsdebatte wird im Moment extrem kontrovers geführt und spiegelt so auch die Haltung unserer Gesellschaft wider. Es gibt eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, aber nach wie vor auch viele Ängste und Vorurteile“, erklärt Direktorin Dr. Simone Eick. „Wir erzählen zum ersten Mal eine zeitgenössische, aktuelle Geschichte – eine Geschichte, deren Ausgang wir selber noch nicht kennen“, sagt Eick.

Die neue Familiengeschichte stammt aus dem aktuellen Projekt des Auswandererhauses, das Anfang 2015 über die Kreuzkirche Bremerhaven zustandekam. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Lena Jung führte Interviews mit syrischen und afghanischen Bürgerkriegsflüchtlingen. Der aus Syrien stammende Kurde Khalil Koto lebt seit November 2014 mit seiner Frau und den vier Kindern in Bremerhaven. Als 2011 der Bürgerkrieg in Syrien begann, lebte Familie Koto in Afrin im Nordwesten Syriens, wo der Elektroingenieur eine Zweigstelle des Energieministeriums leitete. Bald mündeten die friedlichen Demonstrationen gegen das Assad-Regime in blutige Kämpfe zwischen Aufständischen und der Regierung. Immer mehr Menschen wurden getötet, Hunderttausende entscheiden sich seitdem zur Flucht.

Im April 2014 beschloss auch Familie Koto, ihre Heimat zu verlassen. In Afrin gab es kaum noch Lebensmittel, Wasser oder Strom. Zudem hatte Koto vor mehr als einem Jahr seine Arbeit verloren. Zunächst ging die Familie in die Türkei zu Kotos Mutter, die in Istanbul lebt. Doch auch dort fand Koto keine Arbeit, und so beschloss die Familie im Juli, nach Deutschland zu gehen. Sein bereits in Europa lebender Bruder habe ihm gesagt, Deutschland wäre gut für die Familie, Koto würde vielleicht einen Job finden. Über Bulgarien kam die Familie nach Dortmund, dann nach Bremen. Seit November 2014 lebt sie in Bremerhaven. Die Kinder besuchen die Schule, Khalil und seine Frau Hamida lernen Deutsch. Koto hofft, bald Arbeit zu finden.
gn

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