Müll im Hafenmuseum?

Ausstellung „Use-less“: Nachdenken über Verschwendung bei Kleidung

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Erst zelegt, dann Avantgarde: Professorin Martina Glomb (v. l.) und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Beatrix Landsbek und Maria Silies an zwei Werken hergestellt aus alten hessischen Trachten. 

Zwei hessische Trachten aus Großmutters Zeiten hängen auf Bügeln. Gegenüber: echte Avantgarde-Kleidung. Alte Kleidung wird zu Müll, wenn wir sie dazu erklären. Das ist eine der Aussagen der Ausstellung „Use-less – Gegen Verschwendung und hässliche Kleidung“ von Studenten des Studiengangs Modedesign an der Hochschule Hannover, die seit Freitag im Hafenmuseum zu sehen ist.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Ausstellung informiert darüber, wie unsere Kleidung entsteht und gibt Positivbeispiele, wie man Verschwendung vermeidet. „Designer sollen Altkleider als Material sehen“, sagt Initiatorin der Ausstellung Martina Glomb (58), Professorin für Modedesign an der Hochschule Hannover. „Use-less“ ist Frage und Antwort zugleich. Es heißt „nutzlos“ oder „benutze es weniger“.

Zwei Werke aus Trachten sind das Ergebnis einer Kooperation des hannoverschen Designfachbereichs und dem Land Hessen. Studentin Juliana Martejevs hat weggeworfene Trachten aus Hessen zerlegt und aus den Teilen moderne Avantgarde gemacht. Die entstandenen Kleidungsstücke fassen die Elemente der Traditionskleidung wie eine Collage zusammen: schwarzes Tuch an der Schulter, ein Rautengeflecht aus dunklen Stoffen, helle Ärmel von Trachtenhemden. Alt wird edel.

Wolle wird oft verbrannt oder weggeworfen

Auch ein Thema: Wolle. Felle und Kleidung stehen nebeneinander. Unbearbeitete Wolle liegt neben anderen Materialien zum Betasten aus. Wolle fällt in Norddeutschland massenweise an, wird aber oft verbrannt oder weggeworfen. Ist sie nutzlos? Wolle aus Neuseeland wird bevorzugt. Wolle ist auch einer der Gründe, warum die Ausstellung gut ins Hafenmuseum passt. Bremen war eine Drehscheibe Europas für Wolle. „Deren Import war der Grund, den Überseehafen und den Speicher XI zu bauen“, sagt die Ausstellungskuratorin Anne Schweisfurth vom Hafenmuseum. Demnach kamen 1908 noch 555.000 Tonnen Wolle in Bremen an. Sie wurden bis in die Türkei geliefert, so die 56-Jährige.

Eine Jacke aus Filz ist ausgestellt, in 3 D direkt am Körper gefilzt. Keine Wegwerfware, sie kann mitwachsen oder mitschrumpfen, wenn der Besitzer ab- oder auch zunimmt. Mit Wasser und Lauge durchnässt, verfilzen die Fasern. Man kann sie dann auch enger zusammendrücken oder weiter auseinanderziehen.

Ein ungleiches Paar? Ein Holzpuzzle auf einem Tisch und ein Mantel haben die gleichen Muster. Alles auf dem Puzzle entspricht Teilen des Mantels. Die 2 D-Planung kann ohne Verschnitt in das Kleidungsstück übertragen werden. „Zero Waste“ (kein Abfall), dieses Prinzip ist in der Textilindustrie alles andere als selbstverständlich. Glomb schätzt den durchschnittlichen Verschnitt auf 20 Prozent.

Patchwork aus alten Herrenhemden

Beatrix Landsbek (39), wissenschaftliche Mitarbeiterin, hat alte Herrenhemden aufgetrennt als Patchwork wieder zusammengenäht. „Ich habe die Fläche dann spiralförmig ausgeschnitten und so einen Streifen aus Stoff gewonnen“, erklärt Landsbek weiter. Der Streifen ist ein Teil für neue Kleider. Man sieht nicht auf den ersten Blick, dass sie aus Recycling-Material bestehen. Bei näherem Hinsehen fallen dann aber auch alte Knopflöcher an untypischen Stellen auf.

Die Ausstellung lädt zum Mitmachen ein, etwa am „Wollator“, einer fahrenden Strickmaschine. Die Maschen sind bei dieser nicht an einer Nadel aufgereiht, sondern an einer Reihe kleiner Haken. Ein beweglicher Schlitten, der entfernt an ein Bügeleisen erinnert, zieht den Faden durch die Maschen. Ein Tutorium zum Gebrauch läuft auf einem Bildschirm. „Use-less“ ist bis 20. Oktober im Hafenmuseum (Am Speicher XI 1) zu sehen, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag (11 bis 18 Uhr). Eintritt: fünf Euro. Führung am 31. März, 15 Uhr (acht Euro).

Weitere Infos auf www.hafenmuseum-speicherelf.de

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