Ausstellung in der Kulturkirche: Der Bremer Künstler Herwig Gillerke zeigt die Not von Flüchtlingen

Die Spuren der Ertrunkenen am Strand

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„Crushed by the Wheels...“ – diese Arbeit von Herwig Gillerke zitiert einen „Heaven-17“-Song aus den 80er Jahren.

Bremen - Von Dieter Sell. Begegnungen mit Flüchtlingen sind die Grundlage für eine Ausstellung des Malers, Fotografen und Performance-Künstlers Herwig Gillerke in der Kulturkirche St. Stephani (Faulenquartier). Die Flüchtlingstragödie vor der italienischen Insel Lampedusa, bei der im Oktober 2013 mehr als 400 Menschen starben, nahm der kirchliche Kunststipendiat zum Anlass, sich mit dem Thema Flucht zu beschäftigen.

Gillerke zeige, wie dunkel das Leben der Flüchtlinge sei, sagte Kulturpastorin Diemut Meyer. In der Ausstellung mit dem Titel „Homeland/Heimat“ sind teils großformatige Acrylbilder und Fotografien zu sehen, unter ihnen ein Motiv mit dem Titel „Nächtliche Erscheinung“: Die Idee dazu kam Gillerke nach einer Erzählung eines Afrikaners, der dem Künstler berichtete, er sehe nachts die Ertrunkenen am Strand spazierengehen, nehme aber nur ihre Fußspuren wahr. „Ob Aberglaube oder Fiktion: Das ist eine ebenso traurige wie künstlerische Vorstellung des Traums vom gelobten Land, der als Alptraum endet“, sagte Meyer.

Gillerke traf sich mit Flüchtlingen, die in diesem und im vergangenen Jahr in Bremen ankamen. In dieser Zeit ist er auch in afrikanische und arabische Länder gereist. Seit Jahrzehnten setze er sich mit dem Phänomen des Anders- und Fremdseins auseinander, so die Kulturpastorin. Biblisch gesehen, greife er mit Flucht und Migration ein uraltes Thema auf. „Die Bibel selbst ist ein Buch über Flüchtlinge. Von Anfang an geht es um Wanderung, um Bewegung und um den Schutz von Fremden.“

Die Globalisierung mache zwar weltweite Wetten auf Rohstoffe und Lebensmittel möglich. Aber die Verlierer der Zockerei seien nirgendwo erwünscht. Sie seien eher ein Ärgernis, ein „Kollateralschaden“ der globalen Finanz- und Ausbeutergesellschaften. Das zeige Gillerke auch in seinen Arbeiten. „Angst und Vorurteile kommen immer wieder zum Vorschein, wenn es darum geht, ein Flüchtlingsheim in der Nachbarschaft zu akzeptieren.“

Der 1963 gebürtige Gillerke hat im vergangenen Jahr das vierte Kunststipendium der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) bekommen (wir berichteten). Das Stipendium ist mit insgesamt 12000 Euro dotiert.

Die Ausstellung „Homeland/Heimat“ von Herwig Gillerke dauert bis zum 26. Juni. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

epd

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