Ausstellung: Karikaturisten kommentieren 25 Jahre deutsche Einheit

Nicht ins Leere gezeichnet

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Der Karikaturist Dieter Hanitzsch erklärt beim Gang durch die Ausstellung die Karikatur eines Kollegen. Rechts im Bild: Ralf Altenhof (Konrad-Adenauer-Stiftung).

Und Dieter Sell - Von Ralf Sussek. Der Tag der Deutschen Einheit jährt sich zum 25. Mal, und was könnte da besser passen als Bilanz zu ziehen? Die Bilanz eines einmaligen Projekts der Geschichte, eines Projekts, das es bis dahin nicht gab und das es vermutlich nie mehr in dieser Art geben wird.

Das tut die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung mit einer Ausstellung von 100 Karikaturen. Prominente Karikaturisten wie Dieter Hanitzsch, Horst Haitzinger und Til Mette zeigen in der Ausstellung ihren Blick auf die Geschichte – nicht aus heutiger Sicht und in der Rückschau, sondern es sind auch Karikaturen aus der Zeit, als Geschichte geschrieben wurde. Als es darum ging, nach dem Fall der Mauer in vielen Köpfen eine Mauer zu errichten, als es darum ging, auch diese Mauer einzureißen – oder zumindest damit zu beginnen.

„Eine Karikatur sagt mehr als 1000 Sätze – 25 Jahre deutsche Einheit im Spiegel der Karikatur“ ist der Titel der Ausstellung im Bremer Swissôtel. Mehr als 30 Zeichner stellten 100 Werke zur Verfügung, einer von ihnen war gestern zur Eröffnung vor Ort.

Die Karikatur „muss alles dürfen“, sagte Dieter Hanitzsch (82), der unter anderem für die „Süddeutsche Zeitung“, die „Berliner Morgenpost“, den „Focus“ und den „Bonner General-Anzeiger“ arbeitet. Mit spitzer Feder kommentieren die Zeichner zum Beispiel das geflügelte Wort des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) von den „blühenden Landschaften“. Väter der Einheit werden genauso wie Gegner und Skeptiker karikiert. Auch die Hauptstadtfrage, der Blick des Auslands auf die Einheit, die Aufarbeitung der Geschichte der Staatssicherheit und der Stand der inneren Einheit beschäftigen die Zeichner. Schautafeln, Lesestationen und Filme ergänzen die Karikaturen. Workshops in Schulen und Gespräche mit Zeitzeugen begleiten die Schau, die bis zum 4. Oktober läuft.

Hanitzsch ist mit seiner Karikatur „DIE Krone bleibt ihm“ (1989) vertreten. Sie zeigt Helmut Kohl mit Krone, darauf die Aufschrift „Kanzler der Einheit“. Barbara Henniger, eine der wenigen Karikaturistinnen, zeichnete einen Mann von hinten, der eine Mauer einreißt – dahinter tut sich ein riesiges Labyrinth auf (1989). 2009 veröffentlichten Greser & Lenz die Karikatur einer hässlichen Stadtansicht von Gelsenkirchen. Ein Mann, gerade aus seinem Wagen mit Dresdener Kennzeichen ausgestiegen, sagt zu seinem Jungen: „Das wollte ich Dir einmal zeigen, damit Du eine Vorstellung bekommst, wie es im Osten vor der Wende ausgesehen hat.“

Der Karikaturist verstärke, was in den Texten zu lesen sei, betonte Hanitzsch. Der Zeichner brauche die schreibenden Kollegen, die im Umfeld deutlich werden ließen, worum es gehe: „Sonst würden wir ins Leere zeichnen.“ Einige Werke kommen aus Großbritannien, den USA und Dänemark. „Karikaturisten deuten und interpretieren“, betonte Ausstellungs-Organisator Ralf Altenhof von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie zeigten aber auch historische Zusammenhänge. So spiegele die Schau das Zusammenwachsen der Deutschen aus Ost und West.

Die Ausstellung ist bis 4. Oktober im Swissôtel (Hillmannplatz 20) zu sehen; Führungen für Schulen sind möglich. Der Eintritt ist frei.

eb/epd

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