„Galerie im Park“ zeigt Werke Julius Klingebiels

Ausbruch in die Kunst

„Zelle 117“ war Mittelpunkt des Schaffens von Julius Klingebiel. Die „Galerie im Park“ zeigt den Nachbau der Zelle als fotografische Rauminstallation.

Er war ein Außenseiter: Julius Klingebiel (1904–1965)erkrankte mit 35 Jahren an einer Schizophrenie und lebte fortan ganz am Rande der Gesellschaft. Im „Verwahrhaus Göttingen“ verbrachte er den Rest seines Daseins. Und ebendort entstand sein bis heute unbekanntes künstlerisches Werk. Mittelpunkt seines Schaffens war seine Einzelzelle, die Zelle 117, die er von 1951 bis 1963 mit Tierfiguren, Menschen und Symbolen zu einem bedeutenden Raumkunstwerk verwandelte.

Die Ausstellung „Ausbruch in die Kunst. Julius Klingebiel: Zelle 117“, die gestern eröffnet wurde und bis Sonntag, 4. September, in der „Galerie im Park“ auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost zu sehen ist, zeigt den Nachbau dieser unter Denkmalschutz stehenden Zelle als fotografische Rauminstallation. „Hinzu kommen unbekannte, nie ausgestellte Bilder Klingebiels“, sagt Stefanie Beckröge, Sprecherin der „Kulturambulanz“ am Klinikum Ost.

In einer parallelen Kabinett-Präsentation zeigt die Galerie Skulpturen und Plastiken von Gefangenen aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremen, von Patienten aus der Klinik für forensische Psychiatrie und des Bildhauers und Mitbegründers der Bildhauerwerkstatt an der JVA Bremen, Prof. Siegfried Neuenhausen aus Hannover.

„Die Auseinandersetzung mit der eigenen Situation als Kranker bzeiheungsweise Gefangener verbindet alle beteiligten Künstler mit Julius Klingebiel, der vermutlich ohne seine unfreiwillige Gefangenschaft im Maßregelvollzug nie zur Kunst gelangt wäre“, sagt Achim Tischer, Kurator der Ausstellung und Leiter der Kulturambulanz. Und weiter: „Die Kunst befähigte Klingebiel, überhaupt in dieser Zwangswelt überleben zu können.“

Mit seiner Lebensgeschichte ist Julius Klingebiel auch ein Opfer und Überlebender des Nationalsozialismus. Somit verweise diese Schau bewusst schon auf die Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus““, die ab Anfang August in der Unteren Rathaushalle zu sehen ist.

Die Ausstellung „Ausbruch in die Kunst“ ist bis zum 4.  September zu sehen. Öffentliche Führungen gibt es am Sonntag, 17. Juli, und am Sonntag, 14. August, jeweils um 16 Uhr. Am Sonntag, 28.  August, bieten die „Galerie im Park“ und Krankenhaus-Museum einen „Tag der offenen Tür“ mit kostenlosen Gesprächen und Führungen in beiden Ausstellungen an. Die letzte öffentliche Führung findet am Sonntag, 4. September, um 16 Uhr statt.

Die „Galerie im Park“ und das Krankenhaus-Museum sind mittwochs bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier Euro.

www.kulturambulanz.de

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