Bremen 1860 reagiert mit kreativen Lösungen auf Corona-Vorschriften

Aus der Stube auf die Insel

Bremen - Von Martin Kowalewski. Zackig gehen die jungen Leute nach vorn in den Ausfallschritt und stoßen mit einem Arm voran. Fechter des Sportvereins Bremen 1860 in Schwachhausen trainieren auf einer Wiese. Zwischen ihnen ist viel Platz. Jeder steht auf seiner „Insel“ und die hat auch jeweils einen Namen, zum Beispiel Usedom oder Sylt. Auf dem 7 000 Quadratmeter großem Rugby-Feld sind 28 „Inseln“ mit Kreide abgegrenzt, jede 54 Quadratmeter groß. Viel Platz für Sportler in der Corona-Zeit.

Es wäre Platz für mehr Inseln gewesen. „28 reichen“, sagt Geschäftsführer Sebastian Stern (39). Man wolle keine Schlangenbildung. Schon vier Wochen finden hier zumindest Fitness-Programme für verschiedene Sportarten statt. Beim Eltern-und-Kind-Training gehen Eltern mit ihren Kindern auf die „Inseln“.

Bremen 1860 zählt stolze 6 000 Mitglieder. Doch auch Nicht-Mitglieder nutzen Angebote des Vereins, darunter Senioren. In Normalzeiten bewege der Verein 10 000 Menschen, auch von außerhalb des Stadtteils. In der Pandemie ist es anders. „Wir sind froh, wenn wir 1 000 pro Woche schaffen“, sagt Stern.

Jetzt hat der Verein auch den Innen-Bereich geöffnet, allerdings nur einen Teil seiner Hallen. In der großen Halle sind 20 „Inseln“ mit Hilfe farbiger Hütchen abgegrenzt. Eine Gruppe von Kindern aus dem Bereich Leichtathletik trainiert. Zunächst steht eine Minute Seilspringen auf dem Programm.

Auch beim Taekwondo in einer Nachbarhalle ist der Boden klar mit Hütchen eingeteilt. Die Kinder trainieren in drei Reihen. Jedes bleibt im Bereich seiner „Insel“. Die Kinder gehen Bewegungsläufe durch, sogenannte Poomsae. Schnell stoßen sie mit ihren Armen und Beinen vor und drehen sich. Susanne Albers (59) unter anderem Taekwondo- und Pilates-Trainerin bei Bremen 1860, blickt durch die Tür, während ihr Mann Wolfgang Albers (65) die Trainingsanweisungen gibt. „Die Leute sagen: Hauptsache, es findet Training statt.“ Die Taekwondo-Schüler können Selbstverteidigung mit Hilfe ihrer Phantasie üben, etwa einen Schockstoß mit einem Bein, wenn ein imaginärer Gegner die Hand gepackt hat.

„Wir haben schon vor Jahren beschlossen, dass wir keinen Freikampf mit Vollkontakt machen. Bei dem Training geht es um Disziplin“, sagt Susanne Albers. Beim Training würden sonst Schlagpolster eingesetzt. Albers schätzt, dass in Sachen Fitness aktuell etwa 90 Prozent der Trainingsleistung erreicht werden, beim technischen Level etwa 65 Prozent. Eine Halle weiter trainieren Grundschulkinder Rhythmische Sportgymnastik. Vier große Teppiche sind in der Halle ausgelegt. Bälle und Bänder liegen neben den Turnerinnen. Die Kinder tänzeln, werfen sich auf den Rücken, um sogleich wieder in den Stand zu springen. Stern weist auf die hohe Decke hin. „Es wird immer nach den Quadratmetern geguckt. Aber je mehr Volumen da ist, desto weniger Luftkonzentration kann sich aufbauen“, sagt er. Die Fenster und Türen stehen offen.

„Wir gucken, wie die Pandemie sich verhält, wir haben für jedes Szenario ein Konzept“, sagt Stern. Im Konferenzraum der Vereinszentrale ist ein provisorisches Studio eingerichtet. Im April wurden hier 66 Trainingsvideos aufgenommen. Danach gab es ein Live-Programm. Projektleiterin Meentje Otto (25), die zusammen mit Stern und Susanne Albers das Inselkonzept entwickelt hat, saß während der Produktionen am Rechner. Sie organisiert auch die Ferienbetreuung. „Normal kommen wöchentlich 200 Kinder. Das wird in diesem Jahr in diesem Umfang nicht möglich sein“, sagt sie. „Es ist unklar, wie die Lage sich entwickelt.“

Bei Usedom: Sebastian Stern steht auf dem Rugby-Feld vor einer als Insel markierten Sportfläche.
Im Studio: Projektleiterin Meentje Otto sitzt im Konferenzraum des Vereins Bremen 1860.

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