„40 aufwärts. Prosecco, Pop & Paranoia“ feiert Premiere auf dem Theaterschiff

Wechselbad der Gefühle

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Astrid Schulz (von oben nach unten), Leena Fahje, Martina Flügge und Sema Mutlu spielen im Stück „40 aufwärts. Prosecco, Pop & Paranoia“ auf dem Theaterschiff.

Bremen - Von Isabel Niesmann. Johanna (Martina Flügge) ist Rechtsanwältin, spezialisiert auf Pferderecht. Status: Dauersingle. Hobby: Reiten. Die Frau im schicken Business-Outfit und mit schlimmer Platzangst stolpert schwer atmend in den Fahrstuhl. Für sie ist jede Fahrt eine Herausforderung.

Schon in der ersten Minute wechselt sie deshalb hektisch zwischen Panikattacken, Atemnot und Schreianfällen hin und her und versprüht „Aura-Spray“ zur Beruhigung. Dass diese Fahrt länger als gewöhnlich dauern wird, ahnt sie hier noch nicht.

Denn Johanna ist eine von vier Frauen, die in dem Stück „40 aufwärts. Prosecco, Pop & Paranoia“ in eben diesem Aufzug steckenbleiben wird. Am Donnerstagabend feierte die amüsante Komödie unter Regie von Craig Simmons und nach dem Drehbuch von Astrid Schulz auf dem Theaterschiff Premiere.

Völlig verschieden, aber alle über 40 sind die Frauen, die sich so unfreiwillig auf engstem Raum kennenlernen. Zu Johanna gesellt sich zunächst Cindy (Sema Mutlu) im türkisblauen Nici-Jogginganzug. Zu Udo Jürgens „Aber bitte mit Sahne“ schwärmt die liebenswerte, etwas trottelige und füllige Frau für Süßes. Reporterin Karoline (Leena Fahje), der eben der Backenzahn gezogen wurde, nuschelt. Das hält sie aber nicht davon ab, frei nach Lady Gagas „Paparazzi“ über ihren Beruf zu singen. Die Industriellengattin Amanda (Astrid Schulz) in rotem Abendkleid und mit goldener Glitzertasche fällt durch zynische Kommentare und ihren Alkoholpegel auf. Ihre Version von „Er gehört zu mir“ von Marianne Rosenberg wird zur Hommage an ihren Flachmann.

In den zwei Stunden im Aufzug erleben die vier ein Wechselbad der Gefühle. Sie teilen nicht nur den engen Raum, sondern auch Gedanken und Gefühle. Es entstehen ehrliche Gespräche, Frustration, Streit und viele witzige Momente. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit finden sie viele Gemeinsamkeiten. Besonders lustig: Der Anruf in der Notrufzentrale. Hier lallen, nuscheln oder wimmern die Frauen wahlweise in den Hörer. „Wir haben alles im Griff“, versichern die begriffsstutzigen Wartungsangestellten. Daraufhin sind sich die Frauen sicher: „Wir sind verloren!“

Trotzdem ist die Stimmung ausgelassen und harmonisch, schlägt aber auch schnell um, zwischenzeitlich eskaliert sie. Und irgendwann sind alle fertig mit den Nerven und wollen nur noch eins: raus aus dem Fahrstuhl. Die Lösung scheint ein aus Umzugskisten gebauter Turm zu sein, um mit dessen Hilfe in den Aufzugsschacht zu klettern. Bei Freeclimberin Karoline werden da Erinnerungen wach, und sie fängt fröhlich an zu jodeln. Ob die Frauen sich so wirklich aus dem Aufzug befreien können, das erfährt nur, wer selbst ins Theater geht. Es lohnt sich! Die Darstellerinnen überzeugen in einer komischen und authentischen Geschichte voller witziger Dialoge mit Gesang, Schauspiel und Tanz.

Noch bis Juli steht „40 aufwärts“ auf dem Spielplan des Theaterschiffes.

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