Handwerk ohne Kompromisse

Bremerin fertigt Schuhe für den Auftritt nach Maß

Cäcilie Becker bearbeitet einen Leisten an der Schleifmaschine.
+
Maßarbeit: Cäcilie Becker bearbeitet einen Leisten an der Schleifmaschine.

Cäcilie Becker fertigt in ihrer Werkstatt Maßschuhe. In jedem Paar stecken 3000 Arbeitsschritte und 40 Stunden Arbeit.

  • Kunden brauchen in der „Maßschuhwerkstatt Cäcilie Becker“ Geduld.
  • Die Füße landen in der Werkstatt am Rembertiring auf einem Scanner.
  • Der Prototyp landet anschließend in einer Leistenfabrik.

Bremen – „Die erste Frage lautet, warum?“, sagt Cäcilie Becker (64). Eine ungewöhnliche Frage gegenüber einem Kunden, der ein Paar Schuhe will. Doch die Frage ist wichtig und lohnend für Kunden, die sich auf den Weg in ihre „Maßschuhwerkstatt Cäcilie Becker“ nahe dem Rembertiring im Fedelhören machen.

In einem solchen Paar Schuh stecken etwa 300 Arbeitsschritte und 40 Stunden Arbeit, sagt Becker. Ein bis zwei Zwischenbesuche des Kunden seien nötig. Der Aufwand koste natürlich entsprechend Geld, je nach Einzelfall im Schnitt 2 000 Euro. Billiger wird es, wenn schon ein Paar Leisten aus einem vorherigen Auftrag da sind. Die Kunden brauchen Geduld. Es gebe eine Warteliste. Becker und ihre zwei Mitarbeiterinnen produzieren acht Paar Schuhe im Monat, manchmal auch weniger.

Warum kommen die Kunden zu ihr? „Der überwiegende Teil sagt, ich möchte keine Kompromisse mehr machen, ich will das Gefühl erleben, einen passenden Schuh zu haben.“ Manche Menschen hätten zum Beispiel sehr unterschiedliche Maße an Ferse und Vorfuß. Das werde in der Massenfertigung nicht berücksichtigt.

Unterschiedliche Maße an Ferse und Vorderfuß

Becker zeigt ein Fußskelett. „Der Fuß hat 26 Knochen“, erklärt sie. Darunter sind auch ganz kleine. Nur weil die Knochen sehr beweglich sind, lassen sich schlecht passende Schuhe überhaupt tragen, so Becker. Sie erzählt von einem Paar mit Tanzleidenschaft, das bei ihr Maßschuhe kaufte. Der Mann habe gesagt, es sei schwer, in seiner Größe Tanzschuhe zu bekommen, und er wolle möglichst lange tanzen. „Man kann mit meinen Schuhen deshalb lange trainieren, weil sie den Füßen gerecht werden“, sagt Becker.

Letztlich gehe es bei Maßschuhen um Lebensqualität. Sie erzählt von einem Mann, der trotz Gelenkproblemen trainieren konnte. „Wenn jemand mir sagt, dass er mit unseren Schuhen doppelt soweit laufen kann, dann ist das ein Zugewinn an Lebensqualität“, sagt Becker. „Der Hauptansatz ist die Funktionalität der Schuhe.“ Aber für manche Kunden sei eben auch eine gewünschte Optik der Anlass zu kommen.

Hauptansatz: Funktionalität

Becker arbeitet eher traditionell. Dennoch landen die Füße der Kunden auf einem Scanner, eingelassen in den Boden. Den habe sie bereits seit 20 Jahren. Becker zeigt Aufnahmen. Einige Stellen der Füße sind nahezu natürlich rosafarben abgebildet. Der Fuß übe hier keinen Druck aus, sagt die 64-Jährige. Andere Stellen sind heller. Dort erkenne man den unterschiedlich starken Andruck anhand der Farbe. Becker macht zudem Fotos von den Füßen und nimmt natürlich Maß. Trotz des technischen Fortschritts komme es auf Wissen und das Handwerk an.

Schuhe nach Maß fertigt Cäcilie Becker in ihrer Werkstatt in Bremen.

Die Meisterin gibt weitere Einblicke in die Arbeit. Mit einer Schleifmaschine stellt sie einen ersten Leisten, ein Formstück aus Holz, her. Diesen Prototyp schickt sie in eine Leistenfabrik und bekommt ein Paar Leisten sowie den Prototyp zurück. Sie erklärt, wie mit den Leisten und ihrem Vakuum-Tiefziehgerät ein Paar Probeschuhe hergestellt werden. Eine erhitzte Kunststofffolie wird über die Leisten gelegt, die Luft abgesaugt. Die Folie legt sich eng an die Leisten und kühlt ab. Dann schneidet sie die Folie auf und setzt sie zu einem Probeschuh zusammen. Der Kunde probiert. Becker zeigt bearbeitete Leisten. Sie hat etwas Kork aufgetragen, um diese genauer anzupassen. „Die Leisten müssen dem Fuß und dem Modell gerecht werden. Ein Reißverschluss braucht beispielsweise Platz. Das ist anders als bei geschnürten Schuhen“, sagt sie. Letzte Designfragen werden geklärt, dann die Schuhe an den fertigen Leisten gearbeitet. Das Leder wird fest mit dem Futter verbunden. Ledersohlen werden meist festgenäht, Gummisohlen geklebt, so die Meisterin.

Aus Berlin nach Bremen

Becker stammt ursprünglich aus dem Rheinland und zog 1983 von Berlin nach Bremen für eine Umschulung zur Schuhmacherin. 1991 gründete sie als Meisterin ihren Betrieb. Warum sie Maßschuhe fertigt? Nun, schon als Kind habe sie Probleme gehabt, passende Schuhe zu finden. „In den 80ern habe ich erstmals Schuhe gefunden, die mir gefielen und passten.“ Mehr als 700 Leistenpaare lagert Becker heute in ihrem Betrieb in der Straße Fedelhören (www.massschuhe-bremen.de).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain

Meistgelesene Artikel

Dramatischer Unfall: Stromschlag tötet Mann – Kinder in Gefahr

Dramatischer Unfall: Stromschlag tötet Mann – Kinder in Gefahr

Dramatischer Unfall: Stromschlag tötet Mann – Kinder in Gefahr
Konzert von Iron Maiden in Bremen: Nächste Enttäuschung für Fans

Konzert von Iron Maiden in Bremen: Nächste Enttäuschung für Fans

Konzert von Iron Maiden in Bremen: Nächste Enttäuschung für Fans
Baby-Glück im Tiergehege des Bremer Bürgerparks

Baby-Glück im Tiergehege des Bremer Bürgerparks

Baby-Glück im Tiergehege des Bremer Bürgerparks
Corona: 20 Prozent geimpft

Corona: 20 Prozent geimpft

Corona: 20 Prozent geimpft

Kommentare