Ein Stück Bremer Wirtschaftsgeschichte

Borgward: Aufstieg und Fall eines Autobauers

Bremen - Borgward ist ein Mythos. Ein Bremer Mythos. Der Aufstieg und Fall des genialen Tüftlers und Autobauers Carl F. W. Borgward markiert ein wichtiges Stück Bremer Geschichte. Bremer Wirtschaftsgeschichte.

Carl F. W. Borgward, geboren 1890 in Hamburg-Altona, setzte in den 20er Jahren mit dem Bau des Lieferdreirads „Blitzkarrens“ erste Akzente in der noch jungen Bremer Automobilindustrie. In den 30er Jahren übernahm Borgward die Hansa-Lloyd AG und produzierte in Hastedt Kleinwagen. 1936 kaufte Borgward ein 223 000 Quadratmeter großes Grundstück in Sebaldsbrück und ließ mehrere Produktionshallen bauen. Wegen seiner Position als Wehrwirtschaftsführer in der NS-Kriegswirtschaft wurde er nach dem Krieg neun Monate von der amerikanischen Besatzungsmacht interniert. Bis Ende 1948 dauerte die Entnazifizierung, Borgward wurde als „Mitläufer“ eingestuft. 1949 startete „der Tüftler“ wieder durch, legte den Grundstein für ein Automobilimperium aus den drei Einzelfirmen Borgward, Goliath und Lloyd. Der Kleinwagen Lloyd LP 300 („Leukoplastbomber“) wurde zum Verkaufsschlager.

„Isabella“ trifft den Zeitgeist

1949 startete „der Tüftler“ wieder durch, legte den Grundstein für ein Automobilimperium aus den drei Einzelfirmen Borgward, Goliath und Lloyd. Der Kleinwagen Lloyd LP 300 („Leukoplastbomber“) wurde zum Verkaufsschlager. 1954 stellte Borgward die „Isabella“ vor. „Der Entwurf traf den Zeitgeist“, hieß es. Die „Isabella“ wurde zum Symbol der Wirtschaftswunderzeit. Das Geschäft brummte, Borgward wurde zum größten Arbeitgeber in Bremen mit bis zu 23 000 Arbeitsplätzen. Doch Ende der 50er Jahre stagnierte das Geschäft, der Kleinwagen „Arabella“ floppte, Borgward schrieb rote Zahlen. Dann zog der Bremer Senat im Januar 1961 die nötige Bürgschaftserklärung über weitere zehn Millionen Euro Kredit zurück. Borgward musste sein Imperium an das Land Bremen verkaufen. Der Senat engagierte den BMW-Mann Johannes Semler als Aufsichtsratschef und fuhr das Imperium gegen die Wand. Borgward musste Konkurs anmelden. Die noch knapp 18 000 Bremer Arbeitnehmer in den Bremer Werken verloren ihre Jobs. Verschwörungstheorien halten sich bis heute. Schließlich hatten vier Jahre nach dem Ende der Firma alle Gläubiger ihr Geld zurückerhalten. Carl F. W. Borgward hat den Niedergang seiner Firma nicht verkraftet. Er starb 1963 in Bremen an Herzversagen.

je

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

Sandhausen und Düsseldorf klettern nach oben

Sandhausen und Düsseldorf klettern nach oben

Spur der Verwüstung: So sah das Chiemsee-Summer-Festival nach dem Unwetter aus

Spur der Verwüstung: So sah das Chiemsee-Summer-Festival nach dem Unwetter aus

Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

Meistgelesene Artikel

„Summer Sounds“: Technobässe, Jazz und Lichterketten

„Summer Sounds“: Technobässe, Jazz und Lichterketten

Zeremonie für Friedenssymbol des Dalai Lama in der Botanika

Zeremonie für Friedenssymbol des Dalai Lama in der Botanika

Mann versprüht Reizgas in Bremer Diskothek - mehrere Verletzte

Mann versprüht Reizgas in Bremer Diskothek - mehrere Verletzte

„Sommer in Lesmona“: „Blauer Himmel – fast wie hier“

„Sommer in Lesmona“: „Blauer Himmel – fast wie hier“

Kommentare