Keime im Klinikum Mitte: Drittes Baby betroffen / Wiedereröffnung voreilig?

Aufnahmestopp für Frühchen

Trotz aller Hygienevorschriften sind auf der Frühchen-Station am Klinikum Bremen-Mitte wieder drei Babys mit resistenten Darmkeimen in Kontakt gekommen. ·
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Trotz aller Hygienevorschriften sind auf der Frühchen-Station am Klinikum Bremen-Mitte wieder drei Babys mit resistenten Darmkeimen in Kontakt gekommen. ·

Bremen - Von Jörg EsserAuf der Frühchen-Station am Klinikum Bremen-Mitte sind bei einem drittem Baby multiresistente ESBL-Keime entdeckt worden. Die Geschäftsführung hat gestern aus Sicherheitsgründen in Abstimmung mit Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) einen vorübergehenden Aufnahmestopp für die Frühgeborenen-Intensivstation verhängt.

„Auch der Befund beim dritten Kind war leider positiv“, sagte Klinik-Sprecher Daniel Goerke auf Nachfrage. Dem „sehr kleinen“ Frühchen gehe es soweit gut. Es sei „nur besiedelt, nicht infiziert“ – wie die zwei vor 13 und neun Tagen auf der Neonatologie geborenen Frühchen, bei denen bereits am Donnerstag bei einer Routineuntersuchung die resistenten Klebsiella-Keime entdeckt worden waren.

Alle anderen sieben Frühchen auf der Station seien negativ getestet worden. Die vom Keim befallenen Babys sind auf der Station isoliert worden. Woher die Bakterien stammen, ist unklar. „Der erneute Ausbruch hat uns sehr überrascht“, so Goerke.

Im Klinikum Bremen-Mitte gab es im vergangenen Jahr mehrere Todesfälle bei Frühgeborenen. Seit April 2011 waren mindestens 25 Frühchen mit einem multiresistenten Darmkeim in Kontakt gekommen. Im August und Oktober 2011 starben drei Babys an einer Infektion.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt insgesamt wegen sechs Todesfällen. Zudem hat die Bremische Bürgerschaft einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingesetzt, der die Vorfälle klären soll. Der Chef der Kinderklinik wurde fristlos entlassen, die Frühchen-Station geschlossen und komplett erneuert. Sie ist erst seit Januar wieder geöffnet.

In einem Speziallabor in Bochum wird derzeit untersucht, ob es sich jetzt um den gleichen Erregerstamm handelt. „Das wäre fatal“, sagt der Klinik-Sprecher. Ein Ergebnis soll in etwa drei Wochen vorliegen.

„Wir werden weiterhin die höchsten Sicherheitsmaßnahmen einhalten, um alle theoretisch denkbaren Möglichkeiten einer Ausbreitung auszuschließen“, sagt Dr. Diethelm Hansen, Chef der kommunalen Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno), zu der das Klinikum Mitte gehört. Die Geno hat Experten des Hygienezentrums Freiburg ins Haus geholt. Das Gesundheitsressort hat die Experten vom Berliner Robert-Koch-Institut erneut angefordert. Ein fünfköpfiges Team traf am Abend in Bremen ein.

„Das Klinikum nimmt durch die neuen Fälle zweifellos weiteren Schaden“, sagte gestern Rainer Bensch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Schon jetzt stellt sich die Frage, ob die Wiedereröffnung der Frühgeborenen-Station voreilig war und wer dafür die Verantwortung trägt.“ Claudia Bernhard von den Linken sagt, dass das Hygienemanagement nicht ausreiche, sei offensichtlich. Und weiter: „Ob die schnelle Wiedereröffnung eine leichtfertige Entscheidung war, wird zu klären sein.“

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