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„Santiano“ in Bremen auf großer Eis-Fahrt

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Von: Martin Kowalewski

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„Santiano“ auf der Bühne, Frontmann Björn Both auf der Leinwand.
Eisige Atmosphäre, beeindruckende Show: „Santiano“ auf der Bühne, groß auf der Leinwand ist Frontmann Björn Both zu sehen. © Kowalewski

Die Bands kehren auf die Bühnen zurück. Live. In der Bremer ÖVB-Arena gastierten jetzt die Seemanns-Rocker von „Santiano“. Und zogen rund 6000 Zuschauer in ihren Bann.

Bremen – Das ist mehr als eine steife Brise aus dem Norden: Blaues Licht suggeriert arktische Kälte. Eis ist auf der Bühne dargestellt. Der eher dunkle Anfang einer beeindruckenden, aber auch munteren Reise. „Wenn die Kälte kommt“ eröffnet die gleichnamige Show von „Santiano“ am Freitagabend in der ÖVB-Arena.

Auf den riesigen Leinwänden Hintergrund sind die Bandmusiker während ihres Tuns immer wieder groß zu sehen. Durchmischt sind diese mit Videoaufnahmen der Band in arktischer Kulisse mit dafür passender Kleidung. Nur Musiker Hans-Tim Hinrichsen ist an diesem Abend aus gesundheitlichen Gründen nicht auf der Bühne dabei.

Eindrücke vom Motiv der großen Fahrt untermalen immer wieder die Musik der Band, so auch bei „Könnt Ihr mich hören“. Ein Maschinenraum in rotem Licht. Die Maschinen pulsieren. Der Sound ist satt und nimmt geradezu richtig Fahrt auf. Geiger Peter David Sage spielt in dem Song mehrfach das Thema aus „Das Boot“. Ein pulsierender, druckvoller Sound. „Ihr könnt unsterblich sein“, heißt es im Text.

Satter Sound nimmt Fahrt auf

Es ist schon ein markantes Konzert. Zeitweise verharrt das Publikum gewissermaßen in Genießer-Pose – konzentriert auf das detailreich ausgestaltete Bühnengeschehen. Auf dem Programm stehen auch viele Songs aus dem neuen Album, von dem die Show ihren Namen hat und das auch an die berühmte Polarexpedition des Norwegers Roald Amundsen erinnert. „Steh auf“ stellt etwa den beschwerlichen Gang durch die eisige Kälte. Zu „Nicht umsonst gelebt“ sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu sehen, historische Expeditionsaufnahmen, heißt es.

Besucherin Stefanie Mordhorst (36) aus Bremen-Nord jedenfalls sagt, sie habe bekannte Aufnahmen wiedererkannt. Nach Konzertende ergänzt sie: „Man hat für einen Moment gedacht, es ist eine Einheit der Leute, die hier sind.“

Ja, es ist eben doch eine muntere Show. Denn auf der anderen Seite holen Songs immer die die Leute von den Sitzen und bringen sie zum Mitklatschen und manchmal auch etwas zum Tanzen – eine herzliche und ausgelassene Stimmung. Das passiert etwa, wenn es in Richtung Irish Folk geht, wie etwa bei „Hooray for Whiskey“, einer der Songs, bei dem Geiger Sage den Text singt. Eine gemütlich-mitreißende Nummer, die es sicher nicht nur der Seemannsseele wohlig warm werden lässt.

„Hooray for Whiskey“ und „Lange her“

Die Art, wie das Publikum den Abend genießt, ist schon bemerkenswert. Natürlich mangelt es den neuen Songs nicht an Eindrücken der munteren Seefahrt, etwa bei „Lange her“.

Doch auch ernste Themen sind dabei, darunter der Klimawandel. Eine Ziffern-Uhr läuft von 1911, als Roald Amundsen mit seiner Expedition vor dem Engländer Robert Scott den Südpol erreichte, in dem in das Jahr 2052, eine Zeitreise von der Vergangenheit in die Zukunft. Frontmann Björn Both spricht die bedenkliche Entwicklung des Polareises an, sieht die Menschen als Opfer und Täter. Es folgt „Garten Eden“ mit der Melodie von „Scarborough Fair“, darin die Textzeile: „Diese Welt mit allem, was lebt, hat uns tief im Herzen bewegt.“ Björn Both sagt: „Wir möchten euch einladen, eine Frage mit nach Hause zu nehmen: Wer wollen wir gewesen sein?“

Viele der alten „Santiano“-Klassiker erklingen etwas später im Set oder auch in der üppigen Zugabe. Das mag anfangs für etwas Irritation gesorgt haben. Auch Mordhorst sagt, sie habe zunächst die alten Songs vermisst.

Kurzum: „Santiano“ bringen die knapp 6 000 Zuschauer so richtig zum Feiern. Und die letzte Nummer „Hoch im Norden“ erreicht auch die Bremer: ein Sternenhimmel mit Polarlichtern auf den Filmwänden, ein Lichtermehr aus Handy-Leuchten im Publikum.

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