„Auf einen Espresso“ mit Schauspieler Mateng Pollkläsener

Zurück zu den Wurzeln

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Eine Ikone erinnert Mateng Pollkläsener an seine Jugend in Wiedenbrück.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Mateng Pollkläsener gehört zu den Gründern des „Theatre du Pain“ und spielt als freier Künstler aktuell im Bremer Kriminal-Theater.

Jüngst war er im „Golden City“ in der Überseestadt zu sehen. Der Bühnenprofi mag es, Rollen zu studieren, Charaktere zu recherchieren und Tourneen zu organisieren.

Gerade beschäftigt sich Pollkläsener mit dem Autofabrikanten Carl F.W. Borgward. „Ich mag es total gerne, mich um Figuren zu kümmern und herauszufinden, wie sie getickt haben, sich bewegten und redeten.“ Diese Charakterzüge herauszuarbeiten und mit den eigenen Mitteln zum Leben zu erwecken, ist Pollkläseners Leidenschaft. Einzig müßig an der Schauspielerei sei, dass er unter dem ständigen Druck als Selbstständiger manchmal jedes Angebot annehmen müsse.

Pollkläsener hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Pollkläsener hat eine Holzikone dabei. Sie wurde ihm von einem orthodoxen Mönch aus dem griechischen Athos handgemalt. „Das Holz musste ich extra dafür aussuchen und passend zurechtsägen.“

Die Bekanntschaft des russischen Künstlers Peter-Igor machte er über die Gemeinde seines Geburtsorts Wiedenbrück in Nordrhein- Westfalen. Die Holzikone erinnert den Schauspieler an seine Eltern und seine Jugend, die er in der katholischen Gemeinde verbrachte. „Es ist ein Wurzelstrang, der durch den Tod meiner Mutter vor rund zwei Jahren praktisch trockengelegt wurde“, sagt Pollkläsener. Mit der Ikone, die durch die Haushaltsauflösung der elterlichen Wohnung wieder aufgetaucht war, lebten Bilder aus der Kindheit auf. Das katholische Jugendhaus sei seine zweite Heimat gewesen, erzählt der mittlerweile konfessionslose Vater und Großvater. Er war mit dem Sohn des Küsters befreundet gewesen, hatte in der Gemeinde geholfen und als Messdiener das Weihrauchfässchen getragen. „Ich habe die Zeremonien mit dem Weihrauch-Geruch und dem Brimborium drumherum geliebt“, sagt er. Als er 18 Jahre alt war, nahm er Abstand von der Kirche. Grund war ein Aufruhr, den es gab, als sich der Gemeinde-Vikar damals in eine Kollegin verliebte. Nun reizt es den Theatermenschen, alte Kontakte wieder aufzunehmen, auch zu dem Ikonen-Maler, der eine beeindruckende Person gewesen sein soll. Vielleicht sei es der Tod der Mutter oder auch die Ablösung der eigenen Kinder, die ihm seine Wurzeln wieder bewusst werden lassen, überlegt Pollkläsener. Auf jeden Fall zieht es ihn an den Ort seiner Jugend.

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Mateng Pollkläsener:Die Schauspielerei hat mich mit dem „Theatre du Pain“ nach Bremen geführt, wo wir im Lagerhaus Schildstraße gute Bedingungen fanden. Ich bin gern hier. Die Stadt ist nicht so wahnsinnig groß, die Kulturszene ist eine sehr lebhafte und mittlerweile genieße ich es sehr, hier so viele Menschen zu kennen.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Pollkläsener:Mein Zuhause finde ich klasse. Wenn ich unterwegs bin, genieße ich Wasser und Weser. Wenn man vom Meer aus mit dem Boot in die City fährt, bei Sonne, das ist klasse.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Pollkläsener:Ich würde auf jeden Fall eine Hafenrundfahrt machen, und dann durchs Viertel und zum Marktplatz gehen.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Pollkläsener:Wir hatten zu Hause immer Wellensittiche. Ich glaube, die knallbunten Rosenköpfchen finde ich toll, aber Tiere sollten nicht drinnen gehalten werden.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Pollkläsener:In die Sauna gehen, mit Massage. Auf Wellness hätte ich Lust.

Was macht Sie schwach?

Pollkläsener:Süßigkeiten. Mein Vater war Konditor und konnte die besten Torten machen.

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