„Auf einen Espresso“ mit dem Behindertenbeauftragten Joachim Steinbrück

Faltbare Freiheit

Mit dem Langstock traut sich Joachim Steinbrück überall hin.
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Mit dem Langstock traut sich Joachim Steinbrück überall hin.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Als Behindertenbeauftragter des Landes Bremen setzt sich Joachim Steinbrück für die Gleichberechtigung von behinderten Menschen ein. In den rund zehn Jahren seiner bisherigen Amtszeit hat er einige wichtige Neuerungen begleitet. Gestern ist der 58-Jährige von der Bremischen Bürgerschaft für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden.

Bei Gesetzesentwürfen und Maßnahmen wie etwa zur Gebäude- und Straßenplanung ist Steinbrück involviert. Er leistet Öffentlichkeitsarbeit, hält Vorträge und gibt Stellungnahmen ab. Seit seiner Jugend ist der Wahlbremer blind. Er und seine Mitarbeiter bringen die Themen behinderter Menschen an die Politik. Am meisten Freude in seinem Amt macht Steinbrück die inhaltliche Arbeit, also bei Entscheidungen mitzumischen und Ideen mit zu entwickeln.

Zu den markantesten Maßnahmen während seiner bisherigen Amtszeit zählen für ihn die Inklusion in den Schulen sowie die Orientierungshilfen aus weißen, geriffelten Steinen auf öffentlichen Wegen und Plätzen. Weniger erfreulich findet Steinbrück es, wenn er in schwierigen Einzelfällen aufgrund einer bestehenden Gesetzeslage nicht helfen kann.

Steinbrück hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Er hat seinen Blindenstock ausgewählt. Der ist Steinbrücks ständiger Begleiter, dabei jedoch elementarer als beispielsweise ein Handy. Die weiße, zusammenfaltbare Stange mit der Keramikkugel an der Spitze hat ihm ein Stück Freiheit zurückgegeben, als Steinbrück mit 15Jahren erblindete. Ein Erzieher an seiner Internatsschule fragte den Jungen, ob er nicht mal den Blindenlangstock testen wollte. Bis dahin gab es die leichten Langstöcke nur in den USA und Großbritannien. Mit einem Mobilitäts- und Orientierungstraining schöpfte Steinbrück wieder Mut. „Ich kann zwar nicht mehr sehen, aber das Leben geht weiter“, sagte er sich. Seinen ersten Langstöcken gab Steinbrück sogar Namen so wie andere ihren Autos. Die Langstock-Dynastie reichte von „Heinrich I.“ bis „Heinrich VII.“, erzählt Steinbrück und lacht. Alle drei bis fünf Jahre brauche er einen neuen Stock. Er selbst hänge an jedem und nutze sie meist, bis sie unansehnlich oder verbogen sind. Selbst in Begleitung verzichtet Steinbrück nicht auf den Stock. Als er in jungen Jahren einmal in der Pariser U-Bahn, ohne Stock und Sprachkenntnisse, den Anschluss an seine Gruppe verlor, war er praktisch aufgeschmissen. Der Blindenstock ist sein wichtigstes Hilfsmittel. „Mit ihm fühle ich mich sicher und unabhängig“, sagt Steinbrück.

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Joachim Steinbrück: Ich bin zum Studieren vom Weserbergland an die Weser gezogen. Bremen ist mein Zuhause und meine Heimat geworden.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Steinbrück: Die Weser, den Marktplatz und mit dem Tandem fahre ich gern den Wümmedeich entlang.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Steinbrück: Bremens „Gute Stube“, Weser, Schlachte, Überseestadt und das „Viertel“, wo ich auch wohne.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Steinbrück: Der Elefant, wegen seiner Kraft, Ausdauer und Klugheit.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Steinbrück: Ausschlafen und lange frühstücken. Bei schönem Wetter würde ich spazierengehen und ansonsten einen schönen Einkaufsbummel im „Viertel“

machen.

Was macht Sie schwach?

Steinbrück: Ein guter Espresso.

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