Kriminaltheater spielt „Doppeltüren“

Atemlose Reise durch Vergangenheit und Zukunft

Der Millionär Reece (Mateng Pollkläsener) möchte vor seinem Ableben noch sein Gewissen erleichtern. Und dafür engagiert er Phoebe (Sissi Zängerle). - Foto: Kriminaltheater

Bremen - Von Isabel Niesmann. Phoebe (Sissi Zängerle) schreit und kreischt und wedelt hysterisch mit den Armen. Die junge Prostituierte, ganz in knallgrünem Lack-Leder-Outfit und mit pinker Perücke, steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Erst wird sie beinahe ermordet. Dann, als sie in ihrer Not in einen Wandschrank flieht, entpuppt sich dieser als Zeitmaschine, die sie 20 Jahre in die Vergangenheit katapultiert, in das Zimmer einer Frau, die eigentlich längst tot sein sollte.

Die Premiere von „Doppeltüren“ war die letzte des Bremer Kriminaltheaters in der Spielstätte an der Friesenstraße und gleichzeitig eine sehr turbulente und unterhaltsame. Perdita Krämer und Ralf Knapp inszenierten den haarsträubenden Thriller des englischen Erfolgsautors Alan Ayckbourn und begeisterten das Publikum mit einer spannenden Reise durch die Zeit und zahlreichen komischen Momenten.

Im Zentrum stand der Traum, für Entscheidungen in der Vergangenheit eine zweite Chance zu erhalten. Durch Doppeltüren betreten die Frauen hier nämlich eine andere Zeit. Aber von vorne: Es ist das Jahr 2019. In der Suite 647 eines noblen Londoner Hotels wohnt der schwerkranke Millionär Reece (Mateng Pollkläsener), der vor seinem Tod sein Gewissen erleichtern möchte. Deshalb hat er die Prostituierte Phoebe gerufen. Sie soll sein Geständnis als Zeugin unterschreiben und zu seinen Anwälten bringen.

Sein Geständnis aber hat es in sich: Gleich seine beiden Ehefrauen hat er durch seinen skrupellosen Geschäftspartner Julian (Uwe Seidel) umbringen lassen. „Ich bin wie Faust, ich habe meine Seele an den Teufel verkauft“, keucht Reece, vor Schmerz und Anstrengung laut ächzend und schnaufend. Der „Teufel“, Geschäftspartner und Killer Julian, ist auch in diesem Moment nicht weit und will Mitwisserin Phoebe deshalb nun auch beseitigen.

Ihr bleibt die verzweifelte Flucht in den Wandschrank, eine Zeitmaschine. Und plötzlich landet das Spiel im Jahr 1999. Phoebe steht der zweiten Ehefrau des Millionärs Reece in Suite 647 gegenüber und warnt sie vor ihrer Ermordung. Aber die taffe Ruella (Martina Flügge) nimmt die hysterische Zeitreisende nicht ernst: „Sie scheinen voll mit Drogen und sind ganz in Gummi“, so ihr trockener Kommentar. Schließlich steigt sie selbst in den Wandschrank und landet ebenfalls in der Vergangenheit, im Jahr 1979, als Reece und seine erste Frau Jessica (Paulina Pawlik) gerade ihre Hochzeitsnacht in Suite 647 verbringen.

1979, 1999 und 2019 – die beiden ehemaligen und das potenzielle Opfer sind verbunden durch den Serienkiller, der ihnen hinterherjagt, und den verzweifelten Versuch, ihr Schicksal abzuwenden. Atemlos eilen die drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, durch Vergangenheit und Zukunft. Der etwas trottelige, übereifrige und verwirrte Hausdetektiv Harold (Claus Franke) hilft ihnen dabei nur zu gern. Und am Ende schaffen sie es gemeinsam, der Vergangenheit zu entfliehen. Dabei verändern sie den Lauf der Dinge völlig. Nichts bleibt, wie es war.

Mit „Doppeltüren“ schließt das Kriminaltheater seine Pforten an der Friesenstraße. Gespielt wird das Stück noch am 1. und 2., 8. und 9. sowie 15. und 16. Juli, jeweils um 20 Uhr. Dann zieht das Kriminaltheater in seine neue Spielstätte in der Union-Brauerei an der Theodorstraße um.

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