„Kunstwerk im Viertel“

50 Ateliers und Manufakturen im Viertel öffnen ihre Pforten

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Ein Damenhut für „My fair Lady“: Markus Pick (l.) und Kay Schmitz sind erfahren in der Herstellung von Hüten fürs Theater.

Bremen - Schweinchen haben es Ina Dautier (42) angetan. Auf Bildern und auch Karten tummeln sie sich. Beispielsweise machen sie Yoga. Ein Schwein auf einer Postkarte dehnt seine Seite. Ein anderes steht auf einem Bein. Schon kurz nach Beginn der Aktion „Kunstwerk im Viertel“, in dessen Rahmen 50  Ateliers und Manufakturen aus Ostertor und Steintor am Wochenende öffnen, ist bei ihr viel los. Die Veranstalter waren letztlich mit der 14. Auflage des Eevents sehr zufrieden und sprachen von mindestens um die 4000 Besuchern.

Eine junge Schweinedame hat ein Bein angelegt, wie zur Pirouette. Ein anderes Schwein reist auf dem Schaukelpferd ins All. „Die Bilder kommunizieren Stimmungen, Freude und Leichtigkeit“, sagt Kommunikationsdesignerin Dautier. Sie war lange im Viertel tätig und ist vor drei Jahren zurück in ihre Heimat Jüterbog bei Berlin gezogen.

Am Wochenende gastiert sie in der Schmuckwerkstatt von Dorothee Roseland (52). Die zeigt Kostbarkeiten aus 750er-Gold. Darunter: Eine Goldkette mit einem Schneckenfossil, das sie in Worpswede erstanden hat. Daneben: Eine Goldbrosche mit einer prächtigen Perle. Roseland hat Fossil und Perle an feinen Scharnieren befestigt.

Tischler Hergen Böttcher setzt den Drechselmeißel an und produziert eine Gewürzmühle.

Ebenfalls schmückend, aber fürs Haupt gemacht, sind die Hüte von „Hats on Stage“, geführt von Hutmacherin Kay Schmitz und Marcus Pick. Sie sind erfahren darin, Hüte für Theaterproduktionen in Deutschland und Österreich zu machen. Auffällig ist ein großer Damenhut für eine Szene in „My fair Lady“, davor stehen andere fetzige Musical-Hüte. Aber auch für modebewusste Kunden fernab der Bühne legen sich die beiden ins Zeug. Schmitz zeigt einen mintgrünen Hut in Glockenform mit Seidenstreifen und Kunstfrüchten. Ein weiterer Hut besteht aus schwarzen, roten und grauen Filzblumen. Elke Carstens (78) aus Bremen ist von den Hüten begeistert. Sie ist Stammgast bei „Kunstwerk im Viertel“, war schon beim Goldschmied und will sich auch noch Malerei angucken. „Handgemachte Sachen haben einen besonderen Wert. Es sind Einzelstücke“, sagt sie.

Tischler Hergen Böttcher (54) gibt an der Drechselbank einen Einblick in seinen Alltag. Er klemmt ein Stück Holz ein. Die Maschine dreht dieses sehr schnell, 250 bis 3 500 Umdrehungen pro Minute lassen sich einstellen. Böttcher setzt den Drechselmeißel an. Späne fliegen, das Holz kommt in Form. Überwiegend stellt er Gewürzmühlen für Salz, Pfeffer und Muskatnuss her. Die Hohlräume drechselt er ebenfalls, wobei er die Werkstücke einseitig an der Drechselbank befestigt. Die Mühlen gibt es verschiedenen Formen. Bei der konkaven, also nach innen gewölbten Form wird an der engsten Stelle gegriffen. Die konvexe, nach außen gewölbte Form eignet sich für große Hände. Es gibt die Mühlen auch geriffelt. Es liegen auch hölzerne Löffel und Salatbesteck aus. Die vielen Treppenstufen halten die Besucher nicht ab, die Ateliergemeinschaft „Quad-Art“ unter dem Dach des Kulturzentrums Lagerhaus zu Besuchen. Fünf Künstlerinnen haben hier den Ort ihres kreativen Schaffens.

Susann Hartmann (61) zelebriert in ihren Gemälden die Verfremdung. „Um die Häuser ziehen“ heißt ein Gemälde mit vier weißen Hunden vor einem düster-grauen Hintergrund. Die Tiere wirken schon etwas bedrohlich und scheinen irgendwas zu betrachten. Nur einer der Hunde schaut etwas freundlicher zur Seite. Auf „Liebeshandlung“ ist eine Person mit einem Tierkopf zu sehen.

Einen Eindruck besonderer Tiefe bergen auch die abstrakten Malereien von Andrea Hoesmann (38). Mit Pouring-Technik schafft sie vielseitige, kristallin wirkende Oberflächen. Sie mischt dafür Acrylfarbe mit einem flüssigen Pouring-Medium. Dieses macht die Farbe fließfähig. Die Farbe wird dann gegossen und ihr Verlauf durch verschiedene Neigungen der Oberfläche gesteuert.

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