Artist im Zirkus „Flic Flac“: Täglich trainieren / Zeltstadt auf der Bürgerweide

Leben mit dem Risiko

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Für Lukasz (25) kommen langweilige Einlagen beim Fototermin nicht infrage. Der gebürtige Pole mag es extravagant und nutzt kurzerhand den Radlader als Bühnenersatz.

Bremen - Volle Power bis zur Premiere: Der Zirkus „Flic Flac“ gastiert ab morgen (Himmelfahrt) auf der Bremer Bürgerweide. Damit zur ersten Vorführung auch alle Zuschauer auf ihre Kosten kommen, sind seit Tagen mehr als 100 Mitarbeiter auf den Beinen und werkeln fleißig hinter den Kulissen. Doch was genau heißt es eigentlich, ein Leben im Wohnwagen zu führen und während der Show sein Leben zu riskieren?

Mehr als 600 Tonnen Equipment werden nach und nach auf das Gelände der Bürgerweide gefahren. Kommandos schallen über den Platz, ein Mann rennt hektisch über das Kopfsteinpflaster und gibt letzte Anweisungen. Jeder Handgriff muss sitzen, denn schließlich soll am Premierenabend jeder Zuschauer eine unvergessliche Show geboten bekommen. Seit nunmehr 25 Jahren reisen die Künstler des Zirkus „Flic Flac“ durch Deutschland, pro Jahr sind es etwa 3 000 bis 4 000 Kilometer.

Einer von ihnen ist Nicolai Kuntz. Der 22-Jährige ist quasi ein waschechtes Zirkuskind. Seit er neun Jahre alt ist, arbeitet er für verschiedene Zirkusse und kennt das Leben im Wohnwagen – ohne wirklich festen Wohnsitz und immer unter Strom. Doch für den jungen Mann stellt das kein Problem dar. „Ich bin das gewohnt, ich kenne das gar nicht anders“, sagt Nicolai. Heimweh ist für Nicolai ein Fremdwort, Fernweh bekommt er hingegen oft. Wo andere ihre Wohnungstür aufschließen und eventuell den Kamin anmachen, heißt es für Nicolai: „Ab in den Wohnwagen.“ Doch auch das kennt er mittlerweile, es ist Routine. „Davon abgesehen, sind Wohnwagen mittlerweile sehr modern. Die sind warm, und ich hab‘ sogar einen für mich allein.“

Doch wie lebt es sich mit dem enormen Risiko, dem Nicolai während seiner Vorführung am Schwungtrapez immer wieder aufs Neue ausgesetzt ist? Nicolai sagt, dass sei „Berufsrisiko“. „Man muss sich dem bewusst sein und es einberechnen. Ich weiß schon, was ich tue“, so die trockene Antwort des 22-Jährigen. Damit das Risiko schwerer Verletzungen kalkulierbar bleibt, trainiert Nicolai fast täglich, denn ein Sturz aus über acht Metern könnte für ihn tödlich sein. „Das gehört dazu. Ohne Risiko wäre es ja auch langweilig.“

Alles andere als langweilig sind die „Trockenübungen“, die zum Beispiel Lukasz (25) mal eben aus dem Handgelenk vollbringt. Der gebürtige Pole macht Salti aus dem Stand und Handstand auf den Trägern eines Radladers. Ganz so, als wäre es das Normalste der Welt. Mit einem „Kein Problem“ verabschiedet er sich kurzerhand. Jetzt heißt es trainieren, morgen beginnt auch für ihn die große Show.

Der Zirkus „Flic Flac“ gastiert von Donnerstag (die Premiere beginnt um 20 Uhr) bis 31. Mai auf der Bremer Bürgerweide. 2007 war das Ensemble zum letzten Mal in der Hansestadt. Pressesprecher Rudi Bauer macht sich über die lange Pause in Bremen keine Gedanken: „So schnell vergisst man uns nicht.“

Karten kosten etwa 20 bis 40 Euro und sind in den Geschäftsstellen unserer Zeitung zu haben.

ko

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