Bremer Sozialwissenschaftlerin fordert Reglementierung der Meeresressourcen

Artenreichtum in Gefahr

Seegurken werden auf einem chinesischen Markt verkauft.
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Seegurken werden auf einem chinesischen Markt verkauft.

Bremen - Von Viviane ReinekingSie erforschen, wie die Menschen im indonesischen Spermonde-Archipel die Meeresressourcen in der Vergangenheit genutzt haben. Und welche Folgen dies für die Zukunft hat. Denn mittlerweile sind ganze Arten aus dem Archipel fast verschwunden oder ausgestorben. Im Hinblick auf die fortschreitende Übernutzung der Region fordern Bremer Forscher die präventive Beschränkung der Ressourcen.

Die Nutzung mariner Ressourcen wie der tierischen Meeresbewohner hat sich über die Jahrhunderte verändert – und damit auch das ökologische Gleichgewicht der Korallenriffe vor Ort. Damit beschäftigen sich Kathleen Schwerdtner Máñez, Sozialwissenschaftlerin am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT), und ihre Kollegen. Sie sind an einem internationalen Großprojekt zur marinen Umweltgeschichte beteiligt. Die Forschungen liefern wichtige Erkenntnisse für die Zukunft, sagen sie: „Die historische Perspektive öffnet den Blick für zugrundeliegende Handlungsmuster“, sagt Schwerdtner Máñez. „Daraus können Empfehlungen für das Küstenmanagement abgeleitet werden.“

Das Spermonde-Archipel vor Südwest-Sulawesi besteht dem ZMT zufolge aus über 60 kleinen und sehr flachen Korallenatollen, die zum Teil extrem dicht besiedelt sind. Historische Quellen geben den Forschern Informationen über eine fortschreitende Übernutzung des artenreichen Ökosystems seit dem 18. Jahrhundert. Dabei wechstelten lokale Fischer und Händler den Fangort, nutzten neue Techniken, die mehr Ertrag versprachen, und wendeten sich einer anderen Art zu, sobald eine ausgestorben war oder sich als nicht mehr lukrativ erwies. Problematisch ist nach Aussage von Schwertdtner Máñez vor allem, dass sich die Intervalle bis zur Dezimierung der jeweiligen Beuteart im Laufe der Zeit stets verkürzten. So wurde den Forschern zufolge über Jahrhunderte hinweg vor allem die Seegurke gefangen. Sie gilt in Südostasien als Aphrodisiakum. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts folgte nach Angaben der Bremer Experten der Napoleon-Lippfisch. Weil der mittlerweile aus weiten Teilen des Archipels verschwunden sei, verlagerten sich die Fischer auf den Fang von Riffbarschen. Sie gelten ebenso wie die Lippfische vor allem unter Feinschmeckern in Hong Kong als Delikatesse. Seit dem vergangenen Jahr machen die Fischer nun sogar Jagd auf ungenießbare Muränen. Die schlangenförmigen Fische reichern über die Nahrungskette ein Gift in ihrem Körper ein, so dass sie sich nicht zum Verzehr eignen. Genutzt werden sie jedoch in der traditionellen chinesischen Medizin.

Bestimmte Korallenarten werden seit dem Ende der 90er Jahre zudem für den Schmuck- und Aquarienhandel entnommen.

Schwerdtner Máñez zufolge sind es vor allem drei Faktoren, die für die fortschreitende Übernutzung verantwortlich sind: Neben technischen Entwicklungen wie Tauchkompressoren, mit denen die Fischer in tiefere Meeresbereiche vordringen, kommen seit dem Zweiten Weltkrieg vermehrt Sprengstoffe wie Dynamit zum Einsatz. Wesentlichen Anteil habe auch ein spezielles Lehnsystem: Die Fischer arbeiten für Mittelsmänner, sogenannte Patrone, die soziale Absicherung bieten, internationale Märkte erschließen sowie finanzielle Mittel und Geräte zur Verfügung stellen.

Schwerdtner Máñez fordert eine Reglementierung der Ressourcen, „und zwar vorab“. Bislang seien Regelungen, wenn überhaupt, erst erlassen worden, wenn es für eine Art schon fast zu spät war. Die Forschungen in dem Projekt, in dem Wissenschaftler aus aller Welt seit 13 Jahren arbeiten, sind jetzt von der europäischen Vereinigung von Forschungs- und Förderorganisationen, „Science Europe“, als besonders bedeutsam ausgezeichnet worden.

http://www.zmt-bremen.de

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