Mit Armband und Maske

Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ öffnen in Bremen

Unterwegs mit Maske und Armband: Allerorten steigen die Corona-Werte, doch Bremen eröffnet Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“. Es gelten Regeln. Und es gibt Kontrollen – am ersten Tag allerdings mit Lücken.

Bremen – „In ein, zwei Stunden sind sie da.“ Die farbigen Armbänder, die auf dem Weihnachtsmarkt in der Bremer Innenstadt den pandemiekonformen Zugang zu Glühwein, Puffer & Co. regulieren sollen, waren noch nicht zur Hand, als die Stände und Buden am Montagvormittag öffneten. Bis zum 23. Dezember sollen Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ nun bleiben.

Kunst aus dem Erzgebirge bietet Jutta Schön aus Syke auf dem Bremer Weihnachtsmarkt an. Ihr Stand ist schon traditionell auf dem Marktplatz zu finden – in direkter Nachbarschaft des Rolands.

Doch nicht alle Besucher, die am Premieren-Montag von Bude zu Bude schlendern, glauben, dass die Märkte tatsächlich so lange offen bleiben: „Kann ich mir nicht vorstellen – ist ja wieder Corona“, so formuliert es ein Mittfünfziger am Roland. Er trägt eine Maske, wie es sich gehört. Andere Besucher scheinen von der Maskenpflicht noch nichts gehört zu haben, oder sie ist ihnen gleichgültig. Wieder andere kurven per Rad über den Marktplatz – in einem recht hohen Tempo. Als wären sie auf der Flucht vor dem Virus.

Apropos. Die bunten Armbänder, die werden in Kassenhäuschen der Messe Bremen ausgegeben, die nun auf dem Weihnachtsmarkt und auf dem „Schlachte-Zauber“ stehen. Sieben Stück sind es insgesamt, sie sollen Fahrgeschäfte sowie Ausschank- und Imbissbetriebe entlasten, bei denen es die Bänder ebenfalls gibt. Jeden Tag gilt eine andere Farbe. Am Montagmittag waren die Bänder dann auch wirklich da, hier und da bildeten sich später kleine Schlangen vor den Messe-Häuschen.

Bremer Weihnachtsmarkt: Ab 16 mit Armband

Ohne Band gibt‘s keinen Glühwein, keinen Imbiss und keine Karussellfahrt – das gilt für alle ab einem Alter von 16 Jahren. Das Band wird nach einer 3G-Kontrolle ausgegeben. Zusätzlich sind mobile „3G-Check-in-Teams“ unterwegs, zu erkennen an Rucksäcken mit „3G-Check“-Fahnen.

Die Gänge zwischen den Ständen bieten Platz für Abstand – hier auf dem Liebfrauenkirchhof.

Das kostenlose Band wird am Handgelenk angebracht und lässt sich ohne Beschädigung nicht entfernen. Geimpfte und Genesene (sprich: 2G) können auch ein Dauer-Band bekommen, das bis zum 23. Dezember gilt. Steigt der Inzidenzwert über 200, wird auf beiden Märkten flächendeckend die 2G-Regelung eingeführt. Bereits jetzt gilt eine Maskenpflicht auf den Marktarealen. Deren Einhaltung wird durchaus kontrolliert. So hielten Sicherheitsleute am Montagnachmittag auf dem Domshof-Teil des Weihnachtsmarkts maskenlose Passanten an und wiesen sie auf die Tragepflicht hin. Auf dem „Schlachte-Zauber“ wirkten die Kontrollen weniger streng. Antwort eines Polizisten auf die Frage einer besorgten Passantin, ob die angekündigte Maskenpflicht nun doch nicht gelte: „Die Schilder wurden ja noch nicht aufgestellt.“ Keine Schilder – keine Kontrollen.

Die Bänder gibt‘s in Messe-Häuschen.

Während auf dem „Schlachte-Zauber“ die gewohnte Mischung aus Mittelalter-Mummenschanz und Kulinarischem zu finden ist, bietet der Weihnachtsmarkt neben Speis und (Glüh-)Trank Kunsthandwerk, Kerzen und Karussells. Und ist damit in normalen Jahren eine Touristenattraktion. Wie groß die überregionale Anziehungskraft dieses Mal sein wird, ist kaum seriös abzuschätzen.

Der Weihnachtsmarkt öffnet montags bis donnerstags in der Zeit von 10 bis 20.30 Uhr, freitags und sonnabends von 10 bis 21 Uhr sowie sonntags von 11 bis 20.30 Uhr. In diesem Jahr wurden 141 Geschäfte zugelassen, normalerweise sind es 170. Kunsthandwerk im weitesten Sinne gibt es an etwa 50 Ständen, gut 20 bieten Süßes, mehr als 40 sind Imbissbetriebe. Vier Karussells drehen ihre Runden.

Ebenfalls wieder geöffnet hat das 250 Meter lange „nordisch-weihnachtliche Hüttendorf“ in der Lloyd-Passage. Es bleibt bis zum 30. Dezember stehen.

Kommentar zum Thema:

Signal der Unvernunft

Von Thomas Kuzaj

Die Corona-Lage spitzt sich dermaßen dramatisch zu, dass inzwischen mit größerer Lautstärke nach einer Impfpflicht gerufen wird. In Teilen des Landes droht eine Überlastung des Gesundheitssystems. In Bremen stehen wir besser da, doch: auch hier steigen die Zahlen.

Vorsicht ist also geboten, das gebietet die Vernunft. Größeren Menschenansammlungen und Gedränge sollte man aus dem Weg gehen, sicher ist sicher – so denken viele, „Impfmeister“ Bremen aber denkt so nicht. Hier haben am Montag Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ begonnen. Beide Märkte wurden mit Plakaten, Prospekten und Anzeigen beworben – auf dass möglichst viele Menschen herbeiströmen. Darin liegt die Sehnsucht der Geimpften nach möglichst viel Normalität, darin liegt der Wunsch der arg gebeutelten Schaustellerbranche nach normalen Geschäften.

Wieder da: Ampel-Weihnachtsmann.

Aber die Zeiten sind noch nicht wieder „normal“, sprich: auch nur ansatzweise so wie vor Pandemiebeginn. Desinfektionsmittelspender, Maskenpflicht, 3G- und 2G-Armbänder – das Bemühen der Beteiligten, für Sicherheit zu sorgen, ist zu spüren. Doch schon am ersten Tag zeigte sich eine gewisse Nachlässigkeit. Auf dem „Schlachte-Zauber“ wirkten Menschen, die tatsächlich eine Maske trugen, zeitweilig beinahe wie schrullige Exoten. Dabei haben sie sich nur an die Regeln gehalten.

Und mag es im Großen und Ganzen sonst auch funktionieren mit Masken und Abstand, dann bleibt immer noch ein weiteres Risiko: Kaum jemand geht zum Weihnachtsmarkt, um dort Kamillentee zu trinken. Feuerzangenbowle und Glühwein, darum geht‘s. Alkohol aber hat die Eigenschaft, die Vernunft außer Kraft zu setzen. Wer nimmt‘s nach dem dritten Glühwein noch so genau mit Abstand und Maske?

Weihnachtsmärkte sind in der sich zuspitzenden Corona-Lage das falsche Signal, ein Signal der Unvernunft. Bremen muss seine Märkte schnellstens schließen.

Rubriklistenbild: © Kuzaj

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