Ariane 5 ist mit dem Bremer ATV „Georges Lemaître“ zur ISS gestartet / Nachschub für Gerst und seine Kollegen

Jubel und Wehmut auf dem Weg ins All

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Das ATV im All.

Bremen/Kourou - Für rund drei Minuten ist der Abschiedsschmerz vergessen. Ein riesiger Feuerschein erhellt den nächtlichen Tropenhimmel, ein dumpfes Grollen wird zu furchterregendem Dröhnen. Wenig später bebt selbst in sechs Kilometern Entfernung von der Abschussbasis der Dschungel-Boden. Begleitet von Jubelrufen, startet die Ariane-5-Rakete mit dem letzten europäischen Raumtransporter, dem vorwiegend in Bremen gebauten ATV 5 „Georges Lemaître“ in Richtung Internationale Raumstation (ISS).

Ein wichtiger Start vom Weltraumbahnhof Kourou in Südamerika ist geglückt: Der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst und seine fünf Kollegen werden in knapp zwei Wochen frische Lebensmittel, neue Experimente sowie Nachschub an Treibstoff, Wasser und Atemluft in Empfang nehmen können. Doch bei vielen Zuschauern kommt in der Nacht zu gestern etwas Wehmut auf. Künftig werden nur noch US-amerikanische, russische oder japanische Transporter zur ISS fliegen – obwohl das europäische Versorgungsschiff ATV (Automated Transfer Vehicle) als das modernste, leistungsstärkste und eleganteste von allen gilt.

„Für uns war das ATV ein wichtiges Bauteil europäischer Raumfahrtpolitik“, kommentiert der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner. Wie die große Mehrheit in der Branche, hätte es der 60-Jährige gerne gesehen, wenn das Programm fortgesetzt worden wäre. Unter anderem Frankreich wollte aber nicht länger Geld für die von Airbus Defense and Space in Bremen gebauten Transporter geben. Damit ist das fast drei Milliarden teure Projekt nach fünf Starts bereits wieder Geschichte.

Das eingestellte ATV-Programm ist allerdings bei weitem nicht das einzige Zeichen für die aktuelle Uneinigkeit unter den in der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) zusammengeschlossenen Staaten. Seit Monaten gibt es vor allem zwischen den Hauptgeldgebern Deutschland und Frankreich Streit darüber, mit was für einer Art von Trägerraketen künftig ein wettbewerbsfähiger Zugang zum All gesichert werden soll. Zweites großes Thema ist die Finanzierung des europäischen Teils der ISS. Ein noch heikleres Thema ist vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts die Zusammenarbeit mit Russland.

Große Hoffnungen ruhen in den schwierigen Zeiten auf der Zusammenarbeit mit der Nasa beim Raumschiff-Projekt „Orion“. Die Europäer werden auf Basis der ATV-Technik ein Servicemodul für das erste unbemannte MPCV bauen, das bereits Ende 2017 zu einem Flug ins All starten könnte. Später könnten weitere bemannte Missionen mit dem Mehrzweck-Mannschaftsfahrzeug folgen – beispielsweise zum Mond.

Bart Reijnen, Standortleiter in Bremen, sieht den Abschied vom ATV vor diesem Hintergrund pragmatisch. „Klar, dieses Programm alleine kann das ATV vom Umfang her nicht kompensieren. Wir sind aber sehr froh über die neue Entwicklungsaufgabe“, sagt der Niederländer. „Wenn wir über den Mond oder sogar den Mars reden, dann sind das Themen, die man international zusammen angeht. Das beste Beispiel ist die ISS.“

dpa

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