SERIE: MEIN KUNST-STÜCK Thomas Lippick und „Der zweite Blick“

Archetypische Formen

Thomas Lippick präsentiert sein Bild, das voller Andeutungen steckt. Foto: LANGKOWSKI

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Der zweite Blick“ heißt Thomas Lippicks Themenreihe, aus der er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ ein Bild vorstellt. Das 2018 entstandene Werk steckt voller Andeutungen. Dabei zeigt es ausschließlich Fläche und Farbe. Die Deutung liegt beim Betrachter.

Das Bild aus Thomas Lippicks Werkreihe „Der zweite Blick“ ist nur eines von vielen Lieblingsbildern des Bremer Künstlers. „Einige Bilder sind auf Ausstellungen, andere bereits verkauft“, sagt er. Einen eigenen Titel hat keines von ihnen. „Aber an diesem Bild lässt sich gut zeigen, was mir wichtig bei meiner Art von Malerei ist“, sagt der Bremer. Seit Mitte der 90er Jahre konzentrierte er sich auf informelle, also abstrakte Malerei.

„Es geht mir nur um Form, Farbe, Fläche und ihr Verhältnis zueinander. Früher waren meine Arbeiten gegenständlicher oder klassisch abstrakt, mit geometrischen Figuren.“ Die geometrischen Formen löste Lippick mehr und mehr auf. Geblieben ist nur die Waagerechte. Seit etwa vier Jahren setzt Lippick diese „Horizontlinie“, die beim Betrachter unwillkürlich eine Assoziation zu einer Landschaft weckt. Einige Zeichen und Formen seien archetypisch und fest in uns verankert, weiß der Künstler. „Und je reduzierter die Form ist, desto mehr Kraft liegt im Bild“, sagt Lippick.

Für die Grundierung nutzt Lippick Acrylfarbe. Dann malt er mit Eitempera. „Das ist eine alte, klassische Technik der Ölmalerei. Die Farbe besteht aus einer Wasser-Öl-Emulsion, Ei und Pigmenten.“ Mit der Tempera trägt der Künstler unzählige lasierende Schichten auf, um die gewünschte Tiefenwirkung zu erzeugen.

Auf die Kunst gekommen ist der 1960 in Hannover geborene Wahl-Bremer über ein Fachabi für Gestaltung und den Besuch der Kunsthochschule in Ottersberg. Lippick wurde im Verlauf des Studiums klar, dass er sich auf freie Kunst spezialisieren wollte. Durch Zufall landete er außerdem beim Fernsehen. Kamera und Schnitt waren ein sicherer Broterwerb. Die Filmproduktion wurde zum zweiten Standbein.

Lippicks Alltag im Atelier beginnt früh. „Meist beginne ich vormittags“, erzählt der Maler. Arbeiten, die eine hohe Konzentration erfordern, erledigt er gleich morgens. Gut die Hälfte der Zeit beanspruchen Büroarbeit, Buchhaltung, Messe- und Kundenbesuche. Hinzugekommen sind Bühnenbildprojektionen, die Lippick für verschiedene Theater entwickelt. Die Herausforderung des Künstlerlebens sieht der Bremer darin, seinen Weg zu gehen und zu schauen, wie man leben möchte. In der künstlerischen Entwicklung sei jedes Bild eine Momentaufnahme. Und mit jedem weiteren Bild begebe man sich in eine neue Position.

Ob wir Kunst brauchen? „Unbedingt. Auch das künstlerische Schaffen brauchen wir. Das gilt für jeden, der in irgendeiner Weise kreativ ist. Gestaltung ist lebenswichtig. Man verlässt gewohnte Wege. Das ist vielleicht aktuell wichtiger denn je.“

Zu den Künstlern, die für Lippick besonders bedeutend sind, zählen der russische Maler Wassily Kandinsky (1866 bis 1944) und der in Bremen geborene Maler Norbert Schwontkowski (1949 bis 2013). „Kandinsky hat sich intensiv mit Form und Fläche auseinandergesetzt und das als erster ausformuliert“, sagt Lippick. Schwontkowski habe sich auch sehr früh mit Flächen beschäftigt. „Das hat mich angezogen. Auch wenn ich nicht wusste, warum.“

Wenn Lippick jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann wäre ein Bild der Reihe „Der zweite Blick“ an alle Menschen adressiert, um sie aufzufordern, hinter die Dinge zu schauen. „Dann berührt einen etwas, was nicht rein rational ist. Es führt zu Ruhe in einer hektischen Zeit.“

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