Behutsame Suche nach sterblichen Überresten

Archäologen graben auf dem Bremer „Russenfriedhof“

An der Reitbrake in Oslebshausen sind archäologische Grabungen geplant.
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An der Reitbrake in Oslebshausen sind archäologische Grabungen geplant.

Bremen – An der Reitbrake in Oslebshausen beginnen voraussichtlich im August Grabungen unter Federführung der Bremer Landesarchäologie. Das gab Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) am Dienstag – dem 80. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion – bekannt. Neben den Bahngleisen werden die sterblichen Überreste von Zwangsarbeitern aus der Sowjetunion vermutet.

Es soll sich um bisher nicht exhumierte Gebeine von russischen, ukrainischen, belarussischen und aserbaidschanischen Zwangsarbeitern handeln. Die Staatsangehörigen der damaligen Sowjetunion wurden während des Zweiten Weltkrieges Opfer des Nationalsozialismus und in den Jahren 1941 bis 1945 hier verscharrt.

1947 waren an der Reitbrake die Leichen sowjetischer Zwangsarbeiter exhumiert worden – aber offenbar nicht alle. Das lassen neu aufgefundene Dokumente, die dem Staatsarchiv vorliegen, mehr als bloß vermuten.

Experten werten neu aufgefundene Dokumente aus

„Eines der neuen Dokumente ist eine in Archiven gefundene Beschreibung des ,Russenfriedhofes‘ durch einen Polizisten aus dem 19. Polizeirevier in Oslebshausen, gleich nach dem Krieg“, so Schillings Sprecher Rainer Kahrs. „Russenfriedhof“ wurde das Areal in der Öffentlichkeit genannt. Angenommen wird, dass hier die sterblichen Überreste von 280 Zwangsarbeitern liegen.

„Wir haben das Thema im Haus diskutiert, wir wollen Sicherheit“, so Senatorin Schilling. Das Grundstück gehört zum „Sondervermögen Häfen“ und damit zum Häfenressort, deshalb ist Schilling dafür zuständig. Diese Sicherheit sollen die Grabungen der Landesarchäologie bringen.

„Russenfriedhof“: Grabungen dauern ein halbes Jahr

Anfang Juli beginnen die Vorbereitungen. An den Grabungen, für die ein halbes Jahr eingeplant wurde, beteiligen sich Studenten (auch aus der Ukraine) – so Professorin Uta Halle, die Bremer Landesarchäologin, am Dienstag. „Es wird eine große Grabung, ungefähr 3 500 Quadratmeter werden wir vorsichtig öffnen.“

Darf man die Toten umbetten und hier bauen? Fragen, die sich spätestens nach den Grabungen stellen. Auf dem Areal ist der Bau einer Bahnwerkstatt zur Wartung von 33 neuen Doppelstock-Regionalverkehrszügen geplant – voraussichtlich ab Ende 2024. Werkstatt-Gegner befürchten Lärmbelastungen.

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