Studie über Alleinerziehende vor

Jedes dritte Bremer Kind lebt bei nur einem Elternteil

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Esther Schröder und Ingo Schierenbeck von der Arbeitnehmerkammer.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Ich bin 25 Jahre alleinerziehend, habe drei Kinder großgezogen“, schreibt eine 51-jährige Frau. „Ich war immer berufstätig und heute fragt man mich zum ersten Mal, wie es mir geht. Danke.“ Gefragt hat die Arbeitnehmerkammer. Am Freitag legte die Kammer das Ergebnis einer groß angelegten Befragung von Alleinerziehenden in Bremen vor.

Die Ergebnisse sind ernüchternd, vielleicht auch erwartbar – wenngleich nicht in dieser massiven Form. Alleinerziehende im Bundesland Bremen leben nach der Kammer-Befragung häufiger in einer sozial schwierigen Situation als im Bundesvergleich. So seien nur 61 Prozent erwerbstätig, sagt Kammer-Hauptgeschäftsführer Ingo Schierenbeck. „Damit ist Bremen Schlusslicht. Bundesweit sind es durchschnittlich 72 Prozent.“ Auch im Stadtstaat Hamburg sind es 71,4 Prozent. Der Grund dafür sei die in Hamburg deutlich bessere Kinderbetreuung, sagt Dr. Esther Schröder, die Kammer-Referentin für Gleichstellungspolitik.

„In Bremen ist fast jeder dritte Haushalt eine Ein-Eltern-Familie und diese Familienform wächst“, heißt es bei der Arbeitnehmerkammer. Laut Statistik leben in Bremen 62.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren. 18.000 dieser Familien sind Alleinerziehende mit Kindern, 16.000 der Alleinerziehenden sind Frauen. Bremen ist wie praktisch alle Großstädte eine Hochburg der Alleinerziehenden – im Bundesdurchschnitt nämlich lebt nur jedes fünfte Kind nur bei der Mutter oder dem Vater.

„Arm trotz Arbeit“

Kinder, die in einer Familie mit nur einem Elternteil aufwachsen, sind besonders stark von Armut gefährdet. Etwa die Hälfte der 18.000 Alleinerziehenden in Bremen und Bremerhaven ist auf Arbeitslosengeld II angewiesen oder muss aufstocken. Zudem rangiert der Anteil der arbeitslosen Alleinerziehenden ohne Berufsabschluss in Bremen mit 69,2 Prozent im Vergleich der Bundesländer an erster Stelle. „Das ist seit Jahren ein viel zu hoher Wert, denn selbst wer ohne abgeschlossene Ausbildung eine Arbeit findet, verdient in der Regel deutlich schlechter und oft nicht ausreichend“, sagt Schröder. „Arm trotz Arbeit gilt für Alleinerziehende in besonderer Weise.“

In Kooperation mit dem Arbeitsressort und den Jobcentern hatte die Kammer „1300 Alleinerziehende im Leistungsbezug“ zu ihrer Lebenssituation befragt. In dem ausführlichen Fragebogen gab es auch die Möglichkeit zu freien Stellungnahmen. Gut 8000 Fragebögen hatte die Kammer verschickt. Die Rücklaufquote sei höher als bei vergleichbaren Studien, wenn es auch zu bedauern sei, dass viele angeschriebene Personen nicht geantwortet hätten, heißt es in der 126 Seiten umfassenden Erhebung. Von den 1300 Personen, die geantwortet haben, waren 61 alleinerziehende Väter.

Ausbleibender Unterhalt problematisch

Bei den meisten Befragten erhöhen ausbleibende Unterhaltsleistungen des Partners den finanziellen Druck. Das treffe auf 71 Prozent der Befragten zu, so Schröder. Und nur 44 Prozent der Betroffenen bezögen den staatlichen Unterhaltsvorschuss. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer wünscht sich einen Ausbau der Ausbildungs- und Umschulungsangebote in Teilzeit, um sich zu qualifizieren. „Aber in Bremen beträgt die Quote nur 0,8 Prozent der Ausbildungsverträge. Im Bundesschnitt ist sie noch niedriger und liegt bei 0,4 Prozent.“

Mit Blick auf die Studie fordert die Kammer den Senat auf, ein Expertennetzwerk zu installieren, um die Probleme der Alleinerziehenden anzugehen. Das Thema soll noch in diesem Jahr auf Deputationsebene besprochen werden, hieß es weiter.

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