Arbeitnehmerkammer: Bremens Mittelschicht schrumpft deutlich

Die stabile Basis rutscht weg

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Immer mehr Menschen rutschen in einkommensschwache Schichten ab – die Mittelschicht schrumpft, sagt die Arbeitnehmerkammer.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Die Mittelschicht schrumpft – bundesweit. In Bremen aber besonders stark. Das ist das Ergebnis einer Studie der Arbeitnehmerkammer, in der Mikrozensus-Daten der Jahre 2000 und 2012 verglichen werden.

„Eine breite Mittelschicht sichert eine stabile Gesellschaft“, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. In Bremen aber nehme der Druck auf die Mittelschicht zu und führe „zu einem Abrutschen nach unten“. Und: „Armut und sozialer Abstieg sind inzwischen keine Randphänomene mehr, die nur wenige betreffen.“

Um 14 Prozentpunkte, so heißt es in der Studie, ist die Bremer Mittelschicht innerhalb von zwölf Jahren geschrumpft. Gehörten im Jahr 2000 noch 64 Prozent zu dieser Schicht, so waren es im Jahr 2012 nur noch 50 Prozent. Für zwölf Prozent, so hieß es gestern bei der Kammer, ging es „nach unten“. Nur zwei Prozent stiegen auf. Kammer-Chef Schierenbeck: „Wenn immer mehr Menschen in einkommensschwache und arme Schichten abrutschen und die stabilisierende Mitte schrumpft, ist der soziale Zusammenhalt in Gefahr.“

Zur Mittelschicht zählt die Studie Haushalte, deren verfügbares Einkommen zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Bremer Einkommens liegt. Bei einer vierköpfigen Familie sind das zwischen 2100 und 4515 Euro monatlich, bei einem Single zwischen 1003 und 2150 Euro. Dabei werden zum verfügbaren Haushaltseinkommen neben dem Nettolohn auch weitere Einkünfte wie Renten, Kapitalerträge, Unterhalts- und staatliche Transferzahlungen gezählt.

Besonders Familien rutschen zunehmend aus der Mittelschicht, sagt Elke Heyduck, Leiterin der Politikberatung der Arbeitnehmerkammer. Waren im Jahr 2000 noch 67 Prozent der Paare mit Kindern der Mittelschicht zuzurechnen, so sind es 2012 nur noch 54 Prozent gewesen. „Die politischen Erwartungen der vergangenen 15 Jahre, durch verbesserte monetäre Familienleistungen gerade Haushalte mit Kindern finanziell zu stabilisieren, haben sich nicht erfüllt“, so Heyduck.

Schierenbeck: „‚Wohlstand für alle‘ ist nicht mehr Maxime dieser Gesellschaft. Der Wohlstand nimmt nicht mehr in allen Schichten zu.“ Die Bremer Mittelschicht verkleinerte sich auch in Zeiten des Wirtschaftswachstums und sinkender Arbeitslosenquoten. „Sie geht nicht in der Krise zurück, sondern auch bei guter Konjunktur“, so der Kammer-Geschäftsführer weiter. Woran liegt‘s? Zum Beispiel daran, dass Bremen ein starker Industriestandort ist. Den hohen Durchschnittslöhnen, den Vollzeitstellen und den Tarifverträgen in der Industrie steht seit Jahren ein Arbeitsplatzabbau gegenüber. Der wachsende Dienstleistungssektor kann das nicht auffangen. Hier wird oft in Teilzeit gearbeitet.

In beruflicher Qualifikation und steigenden Löhnen sehen die Kammer-Vertreter Mittel zu Gegensteuern. „Der Mindestlohn allein wird aber nicht reichen, wenn wir die Mittelschicht stärken wollen“, sagt Schierenbeck. Um das Ungleichgewicht bei den Einkommen in den Griff zu bekommen und den Niedriglohnbereich weiter zurückzudrängen, müsse die Tarifbindung wieder gestärkt werden.

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