Bei einer Infoveranstaltung in der Vahr kochen die Emotionen hoch

Galopprennbahn: Anwohner lehnen Bebauung ab

Bremen will rund 1000 Wohnungen auf dem Areal der Galopprennbahn errichten. Doch die Anwohner und Stadtteilpolitiker lehnen die Bebauung der „grünen Lunge“ ab. - Foto: Gnuschke

Bremen - Von Martin Kowalewski. Es gibt Vorbilder für die Bebauung alter Rennbahnflächen. So wurde im Hamburger Stadtteil Farmsen eine von ehemals drei Hamburger Rennbahnen mit Gebäuden bebaut, die die runde Form nachzeichnen. Stadtplaner Ronald Risch präsentiert auf einer Infoveranstaltung des Bauressorts am Montagabend einen Ablaufplan für die Bürgerbeteiligung und die Entwicklung eines Konzepts für die Bebauung der Bremer Galopprennbahn mit 1 000 Wohnungen. Die gut 100 Besucher haben Diskussionsbedarf, aber an einer anderen Stelle. Sie wollen keine Bebauung des Areals.

Was soll Bürgerbeteiligung, wenn die eigentlichen Fakten schon geschaffen sind? Immer wieder wird der Vorwurf laut, bei der eigentlichen Entscheidung übergangen worden zu sein. Mehrfach bringen Anwohner während der zweieinhalb Stunden dauernden hitzigen Debatte den Vorwurf vor, dass freiliegende Flächen, wie etwa das Gelände des ehemaligen Fernsehherstellers „Nordmende“ seit Jahrzehnten ungenutzt blieben und nun eine wertvolle „grüne Lunge“ des Stadtteils mit Sport und Freizeitangeboten sowie hoher Aufenthaltsqualität plattgemacht werden soll.

In diese Kerbe haut auch Ulrich Maas (SPD) vom Beirat Vahr. „Es erweckt den Anschein, wir lieben eher die großen Flächen, nicht die kleinen. Außerdem wird es Millionen kosten, die Betreiber der Golfanlage zu entschädigen“, sagt er. Dieses Geld will sein Beiratskollege Bernd Siegel (SPD) lieber in Schulen und Kindergärten investiert sehen. Zudem weist er auf etwa 40 000 jährliche Nutzer der preiswerten Golfanlage hin. Stefan Kohlhase, Direktor des 2005 eröffneten Atlantic-Hotels Galopprennbahn, sieht den Standort seines Hotels gefährdet. „Unsere Gäste lieben die Lage und die freie Sicht“, sagt er. „In unserem Haus arbeiten zudem 100 Menschen, darunter 20  Azubis.“

Weitere Vorwürfe der Anwohner folgen. Mehr Verkehr in dem durch das Mercedes-Werk bereits stark belasteten Stadtteil wird befürchtet. Kinder hätten kaum freie Flächen und würden noch mehr eingeengt. Da hilft auch der Einwand von Risch nicht, dass man alternative Verkehrsmittel fördern will und Grünflächen eingeplant sind.

Der Bürgerschaftsabgeordnete Robert Bücking (Grüne) traut sich, die Bebauung zu verteidigen. „Die Regierungskoalition steht unter Druck. Es gibt Leute, die durch die Stadt laufen und keine Wohnung finden. Es gibt keine Alternative dazu, jährlich 2 000  Wohneinheiten zu bauen. Wenn wir nicht mitziehen, verlassen uns erst die Studenten, dann die EU-Bürger und irgendwann ist die Stadt am Ende“, sagt Bücking. Planer sehen bis 2030 einen Bedarf von 20 000 Wohnungen, Asylbewerber nicht eingerechnet.

Die Bewohner haben die Politik vor Ort auf ihrer Seite. Der Beirat Hemelingen stimmte bereits einstimmig gegen die Bebauung. Der Beirat Vahr diskutiert das Thema am nächsten Dienstag. Nach der emotionalen Diskussion wirkt Frank Lenk vom Vorstand des Bremer Rennvereins sehr entspannt. „Dieser Abend hat gezeigt, hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagt er. Und weiter: „Da wird es noch etliche Überraschungen geben. Die Politik tut sich keinen Gefallen damit, wie sie hier Fakten schafft. Die Anwohner haben mittlerweile ein feines Gespür für das, was hier passiert.“

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