Verteidigung sieht keine Beweise

Raub-Prozess in Bremen: Anwälte wollen Freispruch

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Die Angeklagten Saindi B. (2.v.l.) und Said E. (verdeckt durch eine Robe) werden in den Gerichtssaal geführt. Weiter im Bild: Anwalt Wilfried Behrendt (Mitte) und sein Kollege Axel Holtfort (rechts).

Bremen - Von Steffen Koller. Nach 20 Verhandlungstagen ist endlich ein Ende in Sicht: Im Prozess gegen zwei Männer im Alter von 28 und 34 Jahren, denen die Staatsanwaltschaft unter anderem Raub vorwirft, sind am Mittwoch im Landgericht Bremen alle Plädoyers gehalten, die Beweisaufnahme geschlossen worden. Die Anwälte der Angeklagten forderten – im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft Bremen – jeweils einen Freispruch für ihre Mandanten.

Somit neigt sich der seit Ende März andauernde Prozess dem Ende zu. Am Freitag, 27. Oktober, will die Strafkammer 9 ein Urteil sprechen. Die Anklagevertretung geht davon aus, dass Said E. (28) und sein mutmaßlicher Komplize Saindi B. (34) im August 2016 unter Androhung und Ausübung von Gewalt von ihrem Opfer 30.000 Euro erpresst haben. Zweimal sollen E. und weitere Personen dem Mann aufgelauert und ihn zur Herausgabe des Geldes aufgefordert haben. Zum einen an einer Garage, zum anderen am Arbeitsplatz des Mannes. Dort soll auch B. beteiligt gewesen sein.

Sechs Jahre Haft für Said E. und ein Jahr und zehn Monate für Saindi B. – so lautete Anfang September die Forderung der Staatsanwaltschaft für die Männer mit tschetschenischer Herkunft (wir berichteten). Geht es nach den Verteidigern der Angeklagten, Axel Holtfort und Wilfried Behrendt, verlassen ihre Mandanten nach der Urteilsverkündung als freie Männer den Gerichtssaal. Die Angaben des mutmaßlichen Opfers und Hauptbelastungszeugen seien weder stichhaltig noch glaubhaft, argumentierte E.s Anwalt Holtfort. Die damaligen Forderungen seines Mandanten seien „offensichtlich gerechtfertigt“ gewesen, zudem würden die Aussagen des Zeugen „auffällige Abweichungen“ aufweisen und es habe den Anschein, als habe der Zeuge bei seiner Aussage vor Gericht „nachgebessert“, so Axel Holtfort.

„Ins Reich der Märchen“

Hinzu komme, das meint jedenfalls der Anwalt, dass es für die beiden angeklagten Taten „überhaupt keine objektiven Beweise“ gebe. Die Aussagen des Zeugen könne man „ins Reich der Märchen“ verweisen, sagte Holtfort. Zwar bestritt der Verteidiger nicht, dass es zu Treffen zwischen Said E. und dem vermeintlichen Geschädigten gekommen sei, „eine Verletzungshandlung ist aber nicht nachvollziehbar“. Für Behrendt, Anwalt von B., ist die Lage ebenfalls eindeutig. Der Zeuge habe „durchgehend“ gelogen, das von der Anklage konstruierte „Kerngeschehen ist schlichtweg falsch“, sagte Behrendt und betitelte den Zeugen als „Münchhausen“.

Said E. muss sich zusätzlich wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verantworten. Ermittler hatten in einem Auto, das ihm nach Angaben seines Anwaltes nicht gehörte, ein Sturmgewehr Kalaschnikow sowie etwa 100 Schuss Munition gefunden. Anwalt Holtfort gab dazu an, sein Mandant habe das Gewehr „aus Neugier mal angefasst“, daraus könne man aber keine strafbare Handlung konstruieren.

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