Offener, heftiger, gewalttätiger

Antisemitismus in Bremen: Zahl der Straftaten dramatisch gestiegen

Ein Mann trägt bei einer Kundgebung die israelische Nationalfahne um die Schultern.
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Juden in Deutschland nähmen im Alltag konstant eine Bedrohung wahr, sagt Nora Goldenbogen, Mitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Die Anzahl antisemitischer Attacken ist in Bremen dramatisch gestiegen. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bremen zeigt sich besorgt.

Bremen – Der Vorfall sorgte deutschlandweit vor Aufsehen: Der Musiker Gil Ofarim saß vor dem Eingang des Leipziger Nobel-Hotels Westin, filmte sich mit seiner Kamera. Er sei sprachlos, sagt er. Hotel-Mitarbeiter hätten ihn nicht einchecken lassen, weil Ofarim eine Kette mit Davidstern trug. Das Video von dem Antisemitismus-Vorfall in Leipziger Hotel ging viral.

Bundesland:Bremen
Fläche:419,4 km²
Bevölkerung:682.986 (2019)
Hauptstadt:Bremen

Doch es ist nicht erst seit dem Vorfall in Leipzig oder seit dem Attentat auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019, dass Experten vor einem Erstarken der Judenfeindlichkeit in Deutschland warnen. Antisemitische Straftaten und Anfeindungen häufen sich zunehmend.

Antisemitismus in Bremen: Anzahl der Straftaten stiegen um das Zehnfache

Deutschlandweit ist die Anzahl der gemeldeten antisemitischen Straftaten ist von 2019 auf 2020 um 15,7 Prozent auf 2.351 Straftaten angestiegen. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höhrer liegen.

Von dieser besorgniserregenden Entwicklung ist auch Bremen nicht ausgenommen: Im Stadtstaat verzeichnete die Polizei im Jahr 2020 46 antisemitische Straftaten. 2019 waren es noch vier – ein Anstieg um mehr als das Zehnfache. Eine Serie von Pulverbriefen und Droh-Emails mit antisemitischen Inhalten ließen die Zahlen explodieren.

Jüdische Gemeinde in Bremen besorgt: „Gefährlich, eine Maske mit Davidstern zu tragen“

Elvira Noa, Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Bremen – mit über 800 Mitgliedern eine der größten Deutschlands – zeigt sich besorgt: Anfeindungen gegen Juden werden nach ihrer Beobachtung immer offener, heftiger und gewalttätiger, sagte sie im „Weser Kurier“.

„Es ist gefährlich, eine Maske mit Davidstern zu tragen“, sagte Noa. Ein Freund von ihr habe das erlebt beim Spaziergang in der Nähe einer anti-israelischen Demonstration in Bremen. „Dreckiger Jude“ habe ihm ein Passant zugerufen. In Hannover musste die Polizei eine Anti-Israel-Demo beenden. Dort versuchten zwei Personen, Israel-Flaggen zu verbrennen

Noa: Antisemitismus hängt oft mit dem Nahostkonflikt zusammen

Zwar sei das Bewusstsein in der Politik da, dass etwas getan werden muss, doch, so Noa: „Das hilft nicht, denn solange üble Hetze, Hass und Rassismus im Netz und an den Stammtischen ohne Konsequenzen weitergeführt werden und Antisemitismus latent auch in der Mitte der Gesellschaft vorhanden ist, ist sehr wenig zu machen“.

Wichtig seien Informationen über das Judentum und Begegnungen im positiven Sinne. Seit einigen Jahren hänge der Antisemitismus oft mit dem Nahostkonflikt zusammen. Auch in den sozialen Medien seien die Menschen seit etwa zehn Jahren offen antisemitisch, sagte Noa.

Online-Welt „guter Nährboden für Ausbreitung und Radikalisierung von Antisemitismus“

Wer sich radikalisiert, tut das oft im Internet, sagen Experten. „Die Online-Welt bietet einen guten Nährboden für die Ausbreitung und Radikalisierung von Antisemitismus“, sagt Mathias Berek gegenüber dem MDR.  Radikalisierung geschehe in den jeweiligen Blasen – dort, wo Menschen mit ähnlicher Gesinnung zusammenkommen.

Lesen Sie auch: Leiter der Stiftung Gedenkstätten fordert Antirassismus-Beauftragten für Niedersachsen.

Doch auch wenn sich über das Internet Antisemitismus schnell verbreiten kann, entstanden ist er dort nicht. Judenfeindlichkeit war immer da und nie wirklich weg.

Antisemitismus von neuer Qualität: Es braucht Aufkllräung und Zivilcourage

Durch den Anschlag auf die Synagoge in Halle und dem Erstarken der Proteste gegen Corona-Maßnahmen habe der Antisemitismus in Deutschland eine neue Qualität bekommen, sagt Nora Goldenbogen, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden und Mitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland, im MDR.

Antisemitismus habe in Deutschland eine neue Qualität bekommen, sagt Nora Goldenbogen.

Judenfeindlichkeit sei in der Mitte der Gesellschaft und auf der Straße angekommen. Fälle wie der des Musikers Gil Ofarim seien für Juden in Deutschland Alltag. „Man ist nicht mehr verblüfft“, sagte Goldenbogen. Jüdinnen und Juden nähmen im Alltag konstant eine Bedrohung wahr.

Um Antisemitismus zu bekämpfen bräuchte es Aufklärung und die Zivilcourage eines jedes Einzelnen – „in allen Ebenen der Gesellschaft“, so Goldenbogen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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