15-Meter-Banner aufgespannt

Anti-Castor-Protest: Aktivisten erklettern den Hauptbahnhof Bremen

Mit einer Kletteraktion am Bremer Hauptbahnhof haben Mitglieder der Umweltschutz-Organisation „Robin Wood“ am Sonntag gegen den Castor-Transport aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield ins südhessische Zwischenlager Biblis protestiert.

Bremen - Die Aktivisten hängten ein 15 Meter langes und anderthalb Meter hohes Transparent mit der Aufschrift „Kein Plan, nur Risiko! Castor stoppen“ an die Fassade des historischen Bahnhofsgebäudes. Bereits am frühen Morgen hatte das Aktionsbündnis „Castor stoppen“ nach eigenen Angaben seine Protestaktionen in Nordenham fortgesetzt.

Im Hafen der Stadt an der Unterweser, wo die sechs mit hochradioaktivem Atommüll befüllten Castor-Behälter vom Schiff „Pacific Grebe“ auf einen Zug umgeladen werden sollen, versammelten sich Aktivisten am frühen Morgen zu einer Mahnwache. Die „Pacific Grebe“ war am Sonntagmittag noch nicht in Nordenham eingetroffen. Der Frachter könnte aber am Nachmittag beim nächsten Hochwasser im Hafen anlegen, hieß es vonseiten des Protestbündnisses „Castor stoppen“.

Atommüll-Behälter sollen in Nordenham auf Zug geladen werden

Von der Polizei gab es dazu keine Informationen. In Nordenham werden die Behälter auf einen Zug umgeladen. Der Zug mit fünf Diesellokomotiven und ein Verladekran befindet sich bereits seit mehreren Tagen in der niedersächsischen Stadt. Welche Route der Castor-Zug nach Biblis nimmt, wird von der Polizei und den Behörden ebenfalls geheim gehalten.

Beim Anti-Castor-Protest am Bremer Hauptbahnhof entrollten die Robin-Wood-Aktivisten ein 15 Meter breites Banner.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) rechtfertigte die Entscheidung, Atommüll mitten in der Corona-Pandemie von England aus ins Zwischenlager Biblis zu transportieren. „Wir haben Verantwortung für den Müll, den wir nicht im Ausland liegen lassen können“, sagte Schulze den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe. Das sei vertraglich vereinbart. Aus logistischen und genehmigungsrechtlichen Gründen sei eine Verschiebung des Castor-Transports zudem nicht in Betracht gekommen. „Natürlich müssen Hygienekonzepte gelten für die Polizisten, die den Transport schützen“, betonte Schulze.

Die Ministerin warb gegenüber Atomkraftgegnern um eine sachliche Debatte. Castor-Proteste seien heute nicht mit denen von früher vergleichbar, sagte sie. „Früher ging es um die große Frage, ob man für oder gegen Atomkraft ist.“ Heute diene ein solcher Transport „der Abwicklung eines Atomzeitalters, das bei uns zum Glück schon kurz vor dem Ende steht“.

„Robin Wood“-Sprecherin Cécile Lecomte kritisierte in Bremen eine „planlose Atommüll-Verschieberei“, die das Atommüll-Problem nicht löse, aber Umwelt und Bevölkerung einem beträchtlichen Risiko aussetze. „Den Atommüll mit einem gefährlichen Transport in ein unsicheres Zwischenlager zu bringen, um ihn in einigen Jahren mit einem erneuten Transport woanders hin zu verfrachten, ist verantwortungslos“, sagte sie.

Auch Polizei und Politik gegen Castor-Transport zu diesem Zeitpunkt

Auch die Polizeigewerkschaft GdP und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatten sich gegen den Castor-Transport zum jetzigen Zeitpunkt gewandt. Ursprünglich war der Transport bereits für das Frühjahr geplant gewesen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte ihn jedoch mit Verweis auf die Corona-Pandemie abgesagt.

Die Castoren enthalten hoch radioaktive, in Glas eingeschmolzene Rückstände aus der Wiederaufarbeitung. Nach Sellafield sowie in die französische Wiederaufarbeitungsfabrik La Hague wurden bis 2005 abgebrannte Spaltelemente aus deutschen Atomkraftwerken gebracht. Die Bundesrepublik ist zur Rücknahme des Atommülls verpflichtet. Atomkraftgegner halten den Transport für unsinnig, so lange es in Deutschland noch kein Endlager gibt.

In den kommenden vier Jahren sollen den Angaben nach insgesamt noch 25 Castoren nach Deutschland gebracht werden - 20 aus Sellafield und fünf aus dem französischen La Hague. Außer Biblis werden die Zwischenlager an den Atomkraftwerken in Philippsburg in Baden-Württemberg, Ohu in Bayern und Brokdorf in Schleswig-Holstein angefahren. (epd)

Rubriklistenbild: © Kai Moorschlatt

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