Mix aus Tradition und Moderne

Premierenpublikum feiert GOP-Show „Sông Trang“

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Eine Bambuskonstruktion dient den Artisten der staatlichen „Vietnam Circus Federation“ als Gerät für ihre Darbietungen.

Bremen - Von Viviane Reineking. „Sông Trang“ ist anders. Unterscheidet sich in nahezu allen Aspekten von bisherigen Shows im Bremer GOP-Theater. Für das aktuelle Programm, das am Donnerstagabend Premiere in der Überseestadt feierte, stehen 13 Künstler aus Vietnams Hauptstadt Hanoi auf der Bühne. Sie bringen Bilder und Geschichten vietnamesischer Kultur ins Bremer Varieté – mit Anmut, artistischer Klasse und großer Spielfreude.

„Sông“ heißt Mond, „Trang“ bedeutet Fluss, und beides findet sich im Show-Untertitel „Wenn der Mond sich im Fluss spiegelt“. Glitzernde Kostüme, moderne Requisiten, ein aufwendiges Bühnenbild – in „Sông Trang“ finden Besucher dies nicht. Alles ist reduziert, wie in der Probenhalle der staatlichen „Vietnam Circus Federation“ in Hanoi. Alles konzentriert sich auf die fließenden Bewegungen und artistischen Leistungen der Akteure auf der Bühne. Das ländliche Vietnam mit quakenden Fröschen, prächtigen Lotusblumen, traditionellen Fischern, Kegelhüten, die in Vietnam „Non La“ heißen und die unaufgeregte Gemeinschaft, dazu knatternde Mopeds und die Hektik der Großstadt Hanoi – die Show zeigt einen Mix aus Tradition und Moderne.

Als Bühnenbild dient eine große Bambuskonstruktion. Aus Bambusrohren wird vor den Augen der Zuschauer eine verbindende Brücke, sie dienen als Vertikalpole für Phan Thi Trang und Nguyen Duc Thinh ebenso wie als Trapez für die Darbietungen von Tran Thanh Hoa und Nghyen Doan Vinh. Bei den sinnlichen Luftakrobatik-Nummern von Nguyen Van Thai und Le Hong Yen am Luftring und an den Strapaten kommt nicht etwa moderne Technik zum Einsatz. In die Höhe geht es stattdessen nur mit der Kraft der anderen Artisten. Wie bei anderen Darbietungen spiegelt sich auch hier der Gedanke wider, der den GOP-Machern zufolge in der vietnamesischen Kultur verankert ist: Zentral ist ein Leben für die Gemeinschaft, in der das Glück des Einzelnen nicht zählt, wenn es nicht auch anderen dient.

Die grobe Idee entstand vor rund fünf Jahren, im vergangenen Jahr reisten Regisseur Knut Gminder und Werner Buss, Künstlerischer Direktor der GOP-Theater, mit Kollegen nach Hanoi. Gemeinsam mit den Künstlern der „Vietnam Circus Federation“ erarbeiteten sie die Show. Dabei stand das Kreativteam vor „ganz besonderen Herausforderungen“, wie GOP-Direktor Philipp Peiniger vor der Premiere verrät. Denn die Akteure sprechen kein Deutsch, nur eine Artistin Englisch.

Wollte Gminder ursprünglich ein Programm mit ausschließlich traditioneller Musik, kam er während des Entstehungsprozesses zu dem Schluss: „Viel zu anstrengend für westliche Hörgewohnheiten.“ Und so mischt sich unter die zumeist klassisch-vietnamesischen Klänge auch mal ein zeitgenössischer Pop- und Rap-Song. Einzig auf die wenig witzigen Comedy-Parts mit Smartphone und Selfie-Stick als verbindendes Element zwischen Tradition und Moderne hätte das Kreativteam durchaus verzichten dürfen.

Ansonsten gilt: Künstler und Bühnenkonzept machen die Show besonders authentisch, lassen ganz neue Varieté-Bilder entstehen. Wer sich auf die völlig andere GOP-Show mit teils meditativer Wirkung einlässt, erfährt faszinierende Einblicke in eine fremdartig anmutende Welt. Völlig zu Recht gibt es stehende Ovationen vom Premierenpublikum. Zu sehen ist „Sông Trang“ bis zum 30. Juni mittwochs bis sonntags.

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