Plädoyers im Prozess um Messerangriff auf Nebenbuhler

Landgericht Bremen: Anklage sieht „Tötungsabsicht“

Der Angeklagter und ein Justizbeamter betreten den Gerichtssaal.
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Urteil am 3. Juni: Dem 41-jährigen Angeklagten droht eine langjährige Haftstrafe. Entscheidend wird sein, wie die Kammer die Tat einordnet – als gefährliche Körperverletzung oder gar als Mordversuch?

Gefährliche Körperverletzung, versuchter Totschlag oder Mordversuch? Das ist die Frage im Prozess um den Messerangriff auf einen 33-Jährigen. Das Urteil fällt am 3. Juni.

Bremen – Ist der Messerangriff eines 41-Jährigen auf den neuen Freund seiner Ex-Frau „nur“ als gefährliche Körperverletzung zu bewerten? Oder doch als versuchter Totschlag? Oder gar als Mordversuch? Das Landgericht Bremen steht, nachdem am Freitag sowohl Staatsanwaltschaft als auch Nebenklage und Verteidigung plädiert haben, vor der hier besonders schwierigen Aufgabe, den Fall einzuordnen. Mit einer Haftstrafe muss der Angeklagte wohl in jedem Fall rechnen.

Versuchter Mord – so lautete der Vorwurf im April zu Prozessauftakt. Und geht es nach der Staatsanwaltschaft, bleibt es auch dabei. Weil der 41 Jahre alte Angeklagte im Oktober 2020 den 33-jährigen Pascal H. auf einem Schleichweg von hinten umklammert und zwei Mal mit einem Messer in Hals und Oberkörper des Mannes gestochen haben soll, sei der Mann zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis zu verurteilen, sagte die Anklagevertreterin. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt, ebenso der niedere Beweggrund der Eifersucht. Der Angeklagte habe nicht nur den Vorsatz gehabt zu töten, er verfolgte laut Anklage die klare Absicht, Pascal H. zu ermorden.

Heimtücke und Eifersucht

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist es lediglich Glück und Zufall gewesen, dass Pascal H. am Tattag nicht gestorben sei. Ein Stich des Angreifers verfehlte nur knapp die Halsschlagader des Opfers, ein weiterer traf die Lunge. Zudem kam dem Mann sein Hund „Two Face“ zur Hilfe, mit dem er während des Angriffs Gassi gegangen war und der den Angreifer von ihm runterzog, als dieser laut Anklage weiter versucht hatte, auf H. einzustechen (wir berichteten). Doch die Staatsanwaltschaft sah auch Milderungsgründe: So leidet der Angeklagte nach dem Ergebnis eines psychiatrischen Gutachtens unter einer Persönlichkeitsstörung (Borderline), die seine Schuldfähigkeit erheblich vermindert habe. Außerdem hatte der Angeklagte laut Untersuchungen „akute, mindestens erhebliche“ Mengen Kokain im Blut, als er den Angriff ausführte. Auch für Axel Heinken, Anwalt des Opfers, ist der Angriff als versuchter Mord zu werten. Er plädierte auf neun Jahre Haft. Für ihn ist klar, dass der Angeklagte töten wollte. „Warum sollte man sonst von hinten jemanden umklammern und die Stiche so setzen?“, fragte Heinken und ergänzte: „Der Angeklagte kann heilfroh sein, dass der Hund da war, weil er ihn daran gehindert hat, seine Tat zu vollenden.“

Hund als Lebensretter

Einen Tötungsvorsatz ihres Mandanten sahen die Verteidiger des Angeklagten indes nicht. Anwalt Mario Kroschewski verwies darauf, dass das vom 41-Jährigen eingesetzte Taschenmesser keine tödliche Verletzungen verursachen könne. Es sei auch kein Stich, sondern ein Schnitt in den Hals gewesen. „Der Angeklagte konnte darauf vertrauen, dass der Angriff nicht tödlich endet“, so der Anwalt. Je nachdem, was das Gericht letztlich feststellen sollte, plädierten die Verteidiger Kroschewski und Detlef Vetter auf einen Rahmen von zweieinhalb Jahren (gefährliche Körperverletzung) und dreieinhalb bis fünf Jahren (versuchter Totschlag, versuchter Mord).

Ein Urteil soll am Mittwoch, 3. Juni, gesprochen werden.

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