Porschefahrer soll drei Jahre und vier Monate in Haft

Bremer Prozess: Anklage sieht keinen Tötungsvorsatz

Der Angeklagte betritt den Gerichtssaal.
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Staatsanwältin fordert drei Jahre und vier Monate Haft für Porschefahrer: Der Angeklagte zu Prozessauftakt im Februar beim Gang in den Gerichtssaal.

Der Prozess gegen einen Autofahrer, der einen Radfahrer attackiert hat, biegt auf die Zielgerade ein. Die Staatsanwaltschaft fordert mehr als drei Jahre Haft für den Angeklagten.

Bremen – Täglich kommen sich Rad- und Autofahrer in die Quere, häufig bleibt es beim verbalen Austausch. Ganz anders gestaltete sich die Situation im August 2020 im Steintorviertel, als ein 33-jähriger Porschefahrer nach einem Streit mit einem Radfahrer diesen mit einem Teppichmesser angriff und verletzte. Am Donnerstag forderte die Anklage vor dem Bremer Landgericht nun drei Jahre und vier Monate Haft für den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung.

Nach Auffassung von Staatsanwältin Claudia Kück hat sich das Tatgeschehen „grundsätzlich bestätigt“, die rechtliche Würdigung des Vorfalls indes entscheidend zur ursprünglichen Anklage verändert. So plädierte Kück, den 33 Jahre alten Kosovaren nicht wie anfangs zur Anklage gebracht wegen versuchten Totschlags zu verurteilten, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung. Ja, der Angeklagte habe mit einem Cuttermesser auf den 39-jährigen Radfahrer eingestochen. Und ja, dieser erlitt dabei Verletzungen. Der Angriff passierte unter laufender Bewährung (Fahren ohne Führerschein in fünf Fällen) am „helllichten Tag, im belebten Viertel, im öffentlichen Raum“, der Anlass: „absolute Alltagssituation“. Alles Faktoren, die gegen den Mann sprächen. Entscheidend jedoch: Ihm könne kein Tötungsvorsatz nachgewiesen werden. Weder beim Angriff auf den Radfahrer noch bei der Attacke gegen einen Polizeischüler, der dem Opfer half und den Angreifer von dem Mann herunterzog.

Die Verletzungen – der Fahrradfahrer erlitt leichte Schnitt- und Schürfwunden, der Zeuge unter anderem einen Schnitt am Arm – seien „eher als Zufallsprodukte im Rahmen der Abwehrhandlungen“ zu sehen. Dass der 33-Jährige die Männer tatsächlich schwer verletzen oder gar töten wollte, sei nach der Beweisaufnahme nicht belegbar. „So merkwürdig sich das anhören mag“, sagte Staatsanwältin Kück: „Das Cuttermesser war von minderer Qualität und die Klinge ist wohl deshalb bereits beim ersten Schlag auf den Helm des Opfers abgebrochen. Das war riesiges Glück.“ Hätte der Angeklagte im Handschuhfach des von einem Bekannten geliehenen Porsche Cayenne ein Messer mit fester Klinge gefunden, „würden wir hier über ganz andere Konsequenzen reden – für alle Beteiligten“.

„Cuttermesser von minderer Qualität“

Beim Angeklagten könne zudem die Steuerungsfähigkeit aufgrund eines durch den Kosovokonflikt ausgelösten posttraumatischen Belastungssyndroms erheblich eingeschränkt gewesen sein. Diesen Befund bekräftigte der zuständige Sachverständige am Donnerstag erneut. So wie der Angeklagte bis heute unter den Folgen des Krieges zu leiden habe, verfolge auch das Opfer des Mannes der Angriff im August bis heute, verdeutlichte sein Anwalt Felix Deutscher. „Das war ein überfallartiger, sehr beeindruckender Angriff auf meinen Mandanten.“ Seiner Auffassung nach sei es „durchaus vorstellbar“, dass der 33-Jährige mit bedingtem Tötungsvorsatz handelte, beweissichere Gewissheit habe diese These jedoch nicht.

Das Plädoyer der Verteidigung ist für Dienstag, 18. Mai, geplant.

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