Anika Kukielka lernt an der Bremer Berufsschule für Brauer und Mälzer

Robuste Quereinsteigerin

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Ihr erstes Bier war ein Märzen. Die angehende Brauerin und Mälzerin Anika Kukielka erlernt in der Bremer Brauerei Beck & Co. das traditionelle Handwerk mit Zukunft.

Bremen - Von Melanie Öhlenbach. Anika Kukielka ist eine der wenigen Frauen, die das Handwerk des Brauens und Mälzens erlernen. Die Praxis bekommt sie in der Brauerei Beck & Co. beigebracht, die Theorie am Schulzentrum Rübekamp. Es ist die einzige Berufsschule für Brauer und Mälzer in Norddeutschland.

Wenn Anika Kukielka vom ersten Bier erzählt, das sie gebraut hat, leuchten ihre Augen. Es war ein Märzen, ein untergäriges Vollbier. Zwei Jahre ist es her, dass sie und ihre Mitschüler aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe den Gerstensaft mit der karamelligen Note hergestellt haben. „Das war ganz anders als alle anderen Biere, die ich bis dahin probiert hatte“, sagt die Bremerin. Am Bremer Standort des Brauereikonzerns Anheuser-Busch Inbev lernt Kukielka seit 2013 den Beruf Brauerin und Mälzerin. Die theoretischen Grundlagen büffelt sie nicht in der Firmenzentrale, sondern am Schulzentrum Rübekamp in Walle: Es ist eine von acht Berufsschulen für Brauer und Mälzer in Deutschland und die einzige in Norddeutschland.

Kukielka ist Quereinsteigerin. Sie brach ihr Biologiestudium ab, weil sie etwas Praktisches machen wollte. Dass sie bei der Brauerei Beck und Co. ihr Interesse an Biologie und Biochemie mit Handwerk und Technik verbinden kann, half ihr bei der Entscheidung für den Beruf. „Die Arbeit ist unglaublich abwechslungsreich: Mal kontrolliere ich die Kochsysteme und die Herstellung, mal steuere ich die Produktion, mal repariere ich eine Anlage“, sagt sie. Dass sie in einem männerdominierten Beruf arbeitet, stört sie nicht. Im Gegenteil: Das mache die Arbeit oft viel entspannter, sagt sie. „Aber man muss schon ein robuster Typ und körperlich fit sein.“

Mitte der 80er Jahre wurde der Bildungsgang am Schulzentrum Rübekamp eingerichtet. „Unsere Auszubildenden sind bis dahin immer nach Dortmund gefahren“, sagt Kukielkas Ausbilder Michael Prigge. Auf dem Stundenplan stehen neben Englisch, Politik und EDV vor allem fachliche Inhalte rund um die Bierproduktion wie Malz herstellen sowie Bier filtrieren. Unterrichtet wird immer zwei bis vier Wochen am Stück. „Unsere Schüler kommen aus ganz Norddeutschland“, sagt Fachlehrer Boris von Schaewen, „von Usedom bis Norderney, von Schleswig-Holstein bis Kassel.“

Auch wenn die Ausbildung nur einen Hauptschulabschluss voraussetzt: Die Mehrzahl sind Abiturienten. Und die wenigsten sind Frauen. Am Schulzentrum Rübekamp sind laut von Schaewen etwa zehn Prozent der Jahrgänge weiblich. Nach Branchenangaben waren 2013 nur 63 der bundesweit 837 Auszubildenden weiblich. Allerdings ist ihr Anteil gestiegen: Im Jahr 1995 waren 36 Frauen unter 1035 angehenden Brauern und Mälzern.

Dass insgesamt die Zahl der Azubis gesunken ist, erklärt Schaewen mit der Automatisierung und Zusammenlegung der Betriebe seit den 90er Jahren. „Früher waren die Klassen noch zweizügig“, sagt der Lehrer, „heute haben wir noch etwa 20 Schüler pro Jahrgang.“ Seit 2010 steigt die Zahl der Auszubildenden wieder leicht. Der Trend um Craft-Beer und der Boom von Mikrobrauereien haben den Beruf in ein neues Licht gerückt. Aber auch in anderen Bereichen der Lebensmittelbranche seien die Chancen für Brauer und Mälzer derzeit sehr gut, heißt es.

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