Eskalation am Osterdeich

Angriffe auf Bremer Polizisten: GdP sieht gefährliche Gruppendynamik

Lüder Fasche, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Bremen.
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Lüder Fasche, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Bremen.

Die Eskalation der Gewalt wirkt noch nach. Weit mehr als 100 zumeist junge Menschen hatten am frühen Sonntagmorgen am Osterdeich, Höhe Sielwall, Polizisten umringt, massiv bedrängt und mit Flaschen beworfen. Lüder Fasche, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sieht den Vorfall „vor dem Hintergrund des insgesamt in Politik und Gesellschaft nachlassenden Respekts für die Polizei“.

Bremen – Eine politische Motivation steht für ihn nicht im Vordergrund, sondern eher ein Problem der „Party-und-Event-Gesellschaft“. An Wochenenden mit passablem oder gutem Wetter sind die Osterdeichwiesen abends und nachts oft überfüllt – junge Menschen feiern durch die Nacht. Das hat wiederholt zu Polizeieinsätzen geführt, dabei ging es nicht nur um Verstöße gegen Corona-Regeln. Sondern unter anderem auch um Schlägereien, Drogen, Sachbeschädigungen.

Dieses Mal wollte die Polizei eine „Auseinandersetzung zwischen drei Frauen schlichten“, so eine Sprecherin. Ein „scheinbar ganz normaler Einsatz“, sagt Fasche. Doch sofort flogen Flaschen, aus der Menge wurden polizeifeindliche Parolen gerufen. Und es war „ein massives Ungleichgewicht“ (Fasche) entstanden – wenig Polizisten sahen sich einer feindlich gesinnten Menge gegenüber. Ein junger Polizist wurde von einer Flasche am Kopf getroffen, einen Helm hatte er nicht getragen – warum auch bei einem „normalen Einsatz“? Ein weiterer Beamter wurde am Fuß verletzt, ein Polizeifahrzeug beschädigt.

Die Einsatzkräfte forderten Verstärkung an. Die Menge zog sich „zwischenzeitlich zurück, begann jedoch wenig später einen erneuten Angriff in Richtung der Beamten“, so die Polizeisprecherin. Mit Pfefferspray, Schlagstöcken und Unterstützungskräften aus dem gesamten Stadtgebiet hielt die Polizei die Menge auf Abstand und löste sie schließlich auf.

„Spontane Gruppendynamik“ richtet sich gegen Polizei

Auch die Corona-Einschränkungen tragen nach Fasches Auffassung dazu bei, dass „die Energie“ der „Event- und Partyszene“ sehr junger Menschen – „meist testosterongeladene junge Männer“ und „nicht ausschließlich Migranten“ – sich „in einer Gruppendynamik“ spontan gegen die Polizei richte. Eine durchaus gefährliche Entwicklung, so Fasche weiter – gefährlich nicht allein für die Polizei: „Aus Vergnügungs- und Profilierungssucht können rechtsfreie Räume entstehen“, befürchtet der GdP-Vorsitzende.

Das Ganze erinnere ihn an die Ausschreitungen in Stuttgart und Frankfurt im vergangenen Jahr. Hunderte junger Männer hatten sich in Stuttgart Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. In Vorfällen wie in Bremen am Osterdeich sieht Fasche eine „Gedankenlosigkeit“. Wenige fangen damit an, die Polizei zu attackieren, sehr viele solidarisieren sich in kürzester Zeit damit – Hauptsache, es geht gegen die Polizei.

GdP: „Solidarisierungs-Effekte aufbrechen“

Die GdP fordere Umstehende auf, sich „bei ähnlichen Vorfällen nicht mit Krawallmachern zu solidarisieren, sondern eine ablehnende Haltung zu demonstrieren und sich schützend vor ihre Polizei zu stellen“. Fasche zu unserer Zeitung: „Wir müssen versuchen, die Gedankenlosigkeit der Menschen aus den Köpfen zu kriegen.“ Es gelte, „Solidarisierungs-Effekte aufzubrechen“. Denn: „Diesen Menschen sollte klar sein, was sie damit anrichten.“

Fasche illustriert diesen Gedanken mit einem Beispiel: Mal angenommen, jemand kommt am Wochenende am Osterdeich in eine Situation, in der polizeiliche Hilfe gebraucht wird – muss die Polizei dann erst Kräfte zusammenziehen, um sich möglichen Auseinandersetzungen und Anfeindungen zu stellen? Einsätze könnten sich verzögern und erschweren, befürchtet Fasche.

Mit Flaschen auf Menschen in Uniform zu werfen, sei kein Bagatelldelikt. „Es können Verletzungen entstehen, die das Leben aller Beteiligten verändern. Auch das des Werfers!“ Mit Blick darauf sei „Nachsicht bei der Strafverfolgung“ ein „völlig falsches Signal“. Am Osterdeich aber waren zunächst einmal etliche Beteiligte geflüchtet.

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