Opfer leidet noch heute

Nach Angriff im Frisiersalon: Gericht ordnet Unterbringung an

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Er muss in der Psychiatrie behandelt werden: Der 33-jährige Angeklagte mit seinem Verteidiger.

Bremen - Von Steffen Koller. Erst schnitt er ihm die Haare, wenige Wochen später wäre der Angestellte eines Friseurgeschäfts fast durch die Messerstiche des Kunden gestorben.

Das Landgericht Bremen hat am Dienstag die unbefristete Unterbringung eines 33-jährigen Mannes in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Der Mann war angeklagt, im November 2016 einen 35-Jährigen mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt zu haben. Der Angeklagte räumte die Tat zwar ein, laut Gericht fehlt ihm aber das Schuldbewusstsein für sein Handeln.

Der 33-Jährige war laut Anklage am 9. November vergangenen Jahres kurz nach 10 Uhr in den Friseurladen im Bremer Steintorviertel gegangen und hatte unvermittelt auf den Friseur eingestochen. 

Fünf Mal bohrte sich das Messer mit einer Klingenlänge von zehn Zentimetern in den Körper des Opfers, zwei Stiche trafen Leber und Lunge des Mannes und waren laut Staatsanwältin „potenziell lebensgefährlich“, sagte sie während des Plädoyers. Der Angeklagte, so zeigten es auch Videoaufnahmen des Geschäfts, ging danach „seelenruhig“ aus dem Geschäft, hieß es weiter. Kurz darauf wurde der Mann festgenommen.

Opfer habe sehr gelitten

Der 35-Jährige, der nach Angaben seines Anwalts Ismail Cengiz „halbwegs wieder auf dem Dampfer“ ist, konnte sich auf die Straße schleppen und wurde in einem Krankenhaus notoperiert. Ob er je wieder einem Beruf nachgehen kann, sei momentan vollkommen offen, sagte der Nebenklägervertreter. Kurzatmigkeit und Gehprobleme würden sein aktuelles Leben bestimmen, so der Anwalt weiter. „Mein Mandant hat sehr gelitten.“

Bereits 2009, kurz nach einem schweren Arbeitsunfall, waren beim 33-Jährigen erste Anzeichen einer seelischen Erkrankung deutlich geworden, hieß es vor Gericht. „Dieses Erlebnis warf den Angeklagten psychisch und physisch aus der Bahn“, sagte die Staatsanwältin.

Mann ignorierte Einweisung in Tagesklinik

Im August 2016 habe dem Mann eine Einweisung in eine psychiatrische Tagesklinik vorgelegen, doch der Angeklagte habe sich geweigert, sich in die Einrichtung zu begeben. Rund drei Monate später folgte dann die Tat, die der Angeklagte laut psychiatrischer Sachverständigen in einem Zustand „maximaler Anspannung und Angst“ begangen hat.

Aktuell sei der 33-Jährige durch entsprechende Medikamente „auf einem guten Weg“, sagte sein Verteidiger Carsten Scheuchzer. Die Vorsitzende Richterin unterstrich die Wichtigkeit der medikamentösen Behandlung des Angeklagten. „Die Tat wäre ohne ihre Erkrankung wohl undenkbar gewesen“, sagte sie. Nach aktuellen Erkenntnissen sei der 33-Jährige dennoch eine Gefahr für die Allgemeinheit, sodass die Unterbringung auf unbestimmte Zeit erfolge.

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