Wegen versuchten Mordes vor Gericht

Angriff im Friseursalon

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Der Angeklagte (links) räumte am Donnerstag den Angriff auf einen Angestellten eines Friseurgeschäfts ein. Rechts neben ihm: sein Verteidiger Carsten Scheuchzer. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Erst verpasste er seinem Angreifer einen neuen Haarschnitt, wenige Wochen später schwebte der Angestellte eines Friseurgeschäftes in Lebensgefahr: Weil ein 33-Jähriger im November vergangenen Jahres auf den Mann eingestochen haben soll, muss er sich seit Donnerstag wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Bremen verantworten.

Der Angeklagte, der laut Staatsanwaltschaft an einer paranoiden Schizophrenie leidet, räumte zu Prozessauftakt die Tat ein. Nichtsahnend stand der 35-jährige Friseurangestellte am 9. November 2016 am Tresen des Geschäfts im Steintorviertel und trank einen Tee, als wenige Augenblicke später der Angeklagte den Laden betrat und „unvermittelt und heimtückisch“ mehrfach auf den Mann einstach, wie es die Staatsanwältin in der Anklageschrift formuliert. 

Das Opfer versuchte, so berichteten Zeugen später, in einen Nebenraum zu flüchten, doch der Angreifer ließ nicht von ihm ab. Mindestens fünf Hiebe trafen den Mann, der sich kurz darauf lebensgefährlich verletzt zu einem Imbiss schleppen konnte und später notoperiert werden musste.

Seit Donnerstag nun sitzt der Mann auf der Anklagebank, der dem Friseur das angetan haben soll. Bereits kurz nach der Verlesung der Anklage räumt der Angeklagte die Tat ein. Er sagt in ruhigem Ton: „Ich wollte ihm Angst machen und nur so tun, als steche ich zu.“ Doch aus dem vermeintlichen Scheinangriff wird blutiger Ernst.

Angeklagter kann Attacke nicht erklären

Warum der Mann letztlich so ausflippte, könne er heute nicht mehr sagen: „Ich hatte das Gefühl, der Angestellte ist sauer auf mich. Er hat immer so böse geguckt.“ Wenige Wochen vor der Attacke soll der 35-Jährige dem Angeklagten die Haare geschnitten und zum Abschied einen „schönen Tag“ gewünscht haben. Genau diese Worte will der 33-Jährige falsch verstanden haben, sagt er. Er sei am Tattag ins Geschäft gegangen, um die Sache „zu klären“.

Staatsanwaltschaft unterstellt Heimtücke

Für die Staatsanwältin scheint die Angelegenheit klar: „Der Angeklagte handelte heimtückisch.“ Er habe „bewusst die nicht vorhandenen Verteidigungsmöglichkeiten des Geschädigten ausgenutzt“ und sei „von Beginn an mit dem Willen, den Mann zu töten“, in das Geschäft gegangen, führt die Staatsanwältin weiter aus. 

Da der Angeklagte aber unter einer paranoiden Schizophrenie leide und „das Bewusstsein für das Unrecht der Tat erheblich eingeschränkt“ gewesen sei, muss der Mann bei einer Verurteilung mit der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik rechnen.

Unmittelbar nach der Tat wurde der 33-Jährige festgenommen und sitzt seitdem in der Psychiatrie des Klinikums-Ost. Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel bekräftigt, kurz bevor der Verhandlungstag unterbrochen wird, nochmals die Worte der Anklagevertretung: „Wir sitzen hier nicht, weil Sie hochkriminell sind, sondern weil Sie krank sind.“

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