Personal wird knapp

Intensivbetten in Bremen: Angespannte Lage, aber beherrschbar

Arbeit am Limit: Die Intensivstation im RKK in der Bremer Neustadt ist seit Ostern an manchen Tagen zur Hälfte mit schwerstkranken Corona-Patienten belegt – vorhalten müssen die Bremer Kliniken laut Behördenanordnung eigentlich nur 25 Prozent.
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Arbeit am Limit: Die Intensivstation im RKK in der Bremer Neustadt ist seit Ostern an manchen Tagen zur Hälfte mit schwerstkranken Corona-Patienten belegt – vorhalten müssen die Bremer Kliniken laut Behördenanordnung eigentlich nur 25 Prozent.

Intensivbetten und die Auslastung in der Corona-Pandemie - wie stellt sich die Lage an den Bremer Kliniken dar? 

Bremen – Thüringen schafft es nicht mehr, alle Intensivbetten sind belegt. Patienten wurden nach Hamburg gebracht. Wie sieht die Lage in der Corona-Pandemie in den Bremer Kliniken aus? Angespannt, aber alles im Griff, lautet das Fazit.

Knapp 200 Intensivbetten stehen derzeit im Land Bremen zur Verfügung, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts. Frei sind davon in diesen Tagen mal zehn, mal ein paar mehr. Belegt sind die Intensivbetten mit rund 50 Covid-19-Patienten, die etwa 130 weiteren mit anderen Schwerkranken. Laut Fuhrmann müssen die Kliniken 25 Prozent ihrer Intensivbetten und acht Prozent der sonstigen Betten für Covid-Patienten freihalten.

Intensivbetten in Bremer Kliniken: „Wir bekommen das hin“

Bei Bedarf, das macht Fuhrmann klar, könnten deutlich mehr Intensivbetten zur Verfügung gestellt werden. Es gebe einen stetigen und engen Austausch mit den Kliniken. Im Zweifelsfall könnten Patienten aus dem Umland dorthin zurück überwiesen, planbare Eingriffe verschoben werden. Das System funktioniere, „wir bekommen das hin“, sagt er.

Das Personal wird knapp

Klar sei aber auch, so warnt Fuhrmann: „Das Nadelöhr sind nicht die Beatmungsgeräte oder die Betten, sondern das Personal, vor allem das Pflegepersonal.“ Aber habe man die Lage im Griff, es gebe einen Puffer. „Aktuell muss niemand abgewiesen werden, der eine intensivmedizinische Behandlung benötigt, egal, ob mit Covid-19 oder einer anderen Erkrankung“, sagt Fuhrmann.

Das bestätigt auf Nachfrage auch Karen Matiszick, Sprecherin der Klinik-Gesellschaft Gesundheit Nord (Geno), zu der die vier kommunalen Krankenhäuser gehören. Die Lage auf den Intensivstationen der Geno sei angespannt, aber noch beherrschbar. „Das bedeutet: Wir haben eine hohe Zahl an schwerkranken Covid-Patienten, aber immer noch einige Betten frei. Die Situation ist vergleichbar mit der Zeit um den Jahreswechsel, also dem Höhepunkt der zweiten Welle“, so Matiszick.

Die Kapazitäten könnten jedoch erhöht werden. Die Sprecherin: „Notfalls müsste Personal aus anderen Bereichen, das entsprechend geschult worden ist, zur Unterstützung auf den Intensivstationen eingesetzt werden.“ Das fehle dann allerdings in den anderen Bereichen. „Aber bisher sind wir noch nicht an diesem Punkt“, unterstreicht sie.

Intensivbetten in Bremen: Menschen ohne Corona meiden Krankenhäuser

Den bundesweiten Trend, dass Menschen ohne Corona Kliniken meiden, beobachtet Matiszick auch in Bremen. „Auf die Intensivkapazitäten hat das allerdings nicht so viel Einfluss, denn wer bewusst entscheiden kann, dass er nicht ins Krankenhaus geht, ist selten so schwer krank, dass er intensivmedizinisch betreut werden muss.“

Am Diako-Krankenhaus in Gröpelingen sind von den 14 Intensivbetten vier für Covid-Patienten reserviert – und fast durchgehend belegt, sagt Sprecher Ingo Hartel. Die Klinik passe die Behandlungen den intensivmedizinischen Belangen an. Derzeit sei die notwendige medizinische Versorgung von Patienten sichergestellt, sowohl bei Notfällen als auch bei dringend operativen Maßnahmen, so Hartel.

Zunahme von Corona-Patienten „besorgniserregend“

Als „besorgniserregend“ bezeichnet Dorothee Weihe, Sprecherin des Rot-Kreuz-Krankenhauses (RKK), die Zunahme von Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Die Zahlen seien höher als in den ersten beiden Wellen. Weihe: „Seit Ostern ist die Intensivstation im RKK an manchen Tagen bereits zur Hälfte mit schwerstkranken Corona-Patienten besetzt.“ Das sind deutlich mehr als die 25 Prozent, die die Klinik vorhalten muss.

Das RKK geht davon aus, dass es in Kürze wieder eine Rechtsverordnung gibt, nach der planbare Eingriffe verschoben, Operationssäle und Stationen geschlossen werden müssen, um mehr Personal für die Versorgung von Corona-Patienten bereitstellen zu können. Aber auch in dem Fall werde das Akutkrankenhaus weiterhin Notfälle und dringende Eingriffe durchführen. Weihe: „Es ist erneut ein Balanceakt, beiden schwerkranken Patientengruppen unter diesen Umständen gerecht zu werden.“ Sie ging ausdrücklich auf das Personal ein. Das „reißt sich in Stücke für die komplizierte, nervenaufreibende Versorgung der Corona-Patienten – seit Wochen und Monaten“. Das Engagement sei nicht hoch genug zu wertschätzen, betonte sie.

Corona-Patienten werden jünger

Die 14 Intensivbetten am St.-Joseph-Stift in Schwachhausen sind laut Sprecher Maurice Scharmer stark ausgelastet, darunter seien im Schnitt fünf bis sechs Covid-Patienten. Die dritte Welle, bei den Erkrankungen geprägt von der britischen Virusmutation, bringe vermehrt jüngere Covid-Patienten ins Krankenhaus. Diese hätten im Vergleich zur ersten und zweiten Welle häufig einen schwereren Krankheitsverlauf und müssten direkt intensivmedizinisch versorgt werden. Altersdurchschnitt: 57 Jahre. Zudem lägen die Patienten länger auf der Intensivstation.

Corona-Zahlen: 227 Neuinfektionen

Die Zahl der Corona-Infizierten ist laut Gesundheitsressort am Mittwoch im Land Bremen um 227 auf 23 982 gestiegen. Davon gab es 185 Fälle in der Stadt Bremen, wo der Inzidenzwert deutlich von 175 auf knapp 165 sank (Bremerhaven: knapp 142). Zwei weitere Menschen mit dem Virus starben, bisher 443. Aktuell sind dem Ressort 2 131 Infizierte bekannt. 160 Covid-19-Patienten, also drei weniger als am Vortag, liegen in Kliniken des Landes, 46 auf Intensivstationen, 33 werden beatmet.

Im Land Bremen sind bislang insgesamt 144 247 Menschen in Impfzentren oder durch mobile Teams geimpft worden, davon 50 231 zweimal. 118 840 der Geimpften kommen aus der Stadt Bremen. Im Schnitt wurden in der vergangenen Woche täglich etwa 1 850 Tests durchgeführt.

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