Aus den Angeln gehoben

„Mein Kunst-Stück“ mit Laila Seidel: „Non Stop Reception“

Der Bildaufbau der Hinterglasmalerei von Laila Seidel ist spiegelverkehrt und rückwärts. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Non Stop Reception“ heißt Laila Seidels Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das dreiteilige Fenster aus dem ehemaligen „Hotel Transilvania“ trägt gemalte Außenansichten vergangener Zeiten auf seinen Scheiben.

Borsec, ein rumänischer Kurort aus der K.u.K.-Monarchie, verfällt. Und mit ihm das „Hotel Transilvania“. „Die Non-Stop-Reception ist nur noch insoweit aktuell, als dass die Türen rund um die Türen offenstehen, weil sie nicht mehr in den Angeln hängen“, sagt Laila Seidel. Auch das Fenster musste sie nicht erst ausbauen. Während eines Künstlersymposiums bemerkte sie es an einer Wand lehnend. Ein Jahr später war Seidel wieder in Borsec. Sie nahm sich das Fenster und bemalte die drei Glasscheiben von der Rückseite mit Acryl. Dank ihres Reiseföhns konnte sie die Trocknung der Farben beschleunigen und „Non Stop Reception“ vor Ort ausstellen. Der Heimweg mit dem gut verpackten Kunstwerk sei aufregend gewesen, erzählt die Bremerin. Während des Transports mit Taxi und Zug zeigte sich, dass „Non Stop Reception“ einfach zu sperrig war. Am Ende ging das Kunstwerk doch als Gepäck ins Flugzeug. Unbeschadet konnte Seidel ihre Hinterglasmalerei in Bremen auspacken.

Der Clou bei der Hinterglasmalerei ist, dass das Motiv umgedreht werden muss, damit es von vorn nicht spiegelverkehrt mit ebensolcher Schrift erscheint. „Man muss genau überlegen, was in den Vordergrund soll. Das muss zuerst gemalt werden, beispielsweise Reflexions- und Glanzpunkte“, sagt Seidel. Korrigieren könne man nicht mehr. In alten rumänischen Bauernhäusern finde man öfter solche Hinterglasmalereien mit Heiligenbildern, sagt die Künstlerin. Seidel arbeitet in thematischen Serien und schafft dadurch sehr unterschiedliche Werke. Neben verschiedenen Hinterglas-Motiven finden sich in ihrer Werksammlung farbenfroh verfremdete Porträts, gemalte Verkehrsspiegel und Scherenschnitte von übergroßen Briefmarken, Landschaften und urbane Motive. Gemalt habe sie schon als Kind recht gut, erzählt Seidel. Als die Entscheidung zur weiteren Ausbildung anstand, bewarb sie sich an der Kunsthochschule in Ottersberg.

„Kunst als Sinn und Zweck der Existenz“

Ihr Künstleralltag beginnt zeitig. Morgens arbeitet sie am liebsten, weil sie dann am meisten schafft. Zweieinhalb Tage der Woche sind ausschließlich der Malerei vorbehalten. Die restliche Woche kommen unter anderem Ausschreibungsbewerbungen, Ausstellungsvorbereitungen, die Pflege der Homepage, Organisatorisches, Galeriedienste und die Leitung eines Kinder- und Jugendateliers hinzu.

Wozu wir Kunst brauchen? – „Für mich ist es Sinn und Zweck der Existenz“, sagt Seidel und lacht. „Andere sollten sich vielleicht auch mehr mit Kunst auseinandersetzen – und vor allem mehr Kunst kaufen.“ Denn Künstler wollten und müssten verkaufen. Dafür erhalte man nicht nur ein schönes Bild. Meist sei mehr dahinter und je nach Thematik biete es eine Möglichkeit der Auseinandersetzung. Bei „Non Stop Reception“ beispielsweise könne man übers Altern, den Verfall oder das, was bleibt, nachdenken.

Zu den Künstlern, die für Seidel besonders bedeutend sind, zählen die Zeitgenossen Elisabeth Peyton und Gerhard Richter. Die 1965 geborene, US-amerikanische Porträtmalerin Peyton gefällt Seidel, weil sie ihre Idole malt. Richter sei wichtig, weil Seidels fotorealistisch arbeitet. „Da kommt man an Richter nicht vorbei“, sagt sie.

Seidel hat schon mal jemandem ein Bild als Botschaft geschenkt. Sie übergab ein Porträt von Maite Kelly an Maite Kelly, als Gratulation zu deren Solo-Album. Die Bremerin lacht: „Die Kellys haben mich zum Malen gebracht. Früher habe ich Porträts von ihnen gemalt und dann gegen Cassetten und Fotos von Konzerten getauscht.“

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