28-Jähriger legt umfassendes Geständnis ab

Angeklagter bricht im Prozess um angefahrenen Schüler sein Schweigen

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Der 28-jährige Angeklagte (r.) legte am Freitag ein umfassendes Geständnis ab. Bisher hatte er im Prozess wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht geschwiegen. Jetzt gestand er, einen Jungen angefahren zu haben. Links sein Anwalt Temba Hoch.

Bremen - Von Steffen Koller. Geständnis nach mehr als drei Monaten Verhandlung: Im Verfahren gegen einen heute 28-Jährigen wegen versuchten Totschlags hat der Angeklagte erstmals sein Schweigen gebrochen.

Der Mann gab am Freitag vor dem Landgericht Bremen zu, das Auto gefahren zu sein, mit dem ein damals 13-jähriger Schüler erfasst und lebensgefährlich verletzt wurde. Ihm habe „schlicht der Mut gefehlt“, sich zur Tat zu äußern, hieß es in einer Erklärung.

Rote Ampel überfahren - weil die Geduld fehlte

Bislang gab es nur Indizien, jetzt sieht es anders aus: Im seit November 2016 andauernden Prozess hat der Angeklagte die Tat umfassend gestanden. In einer Erklärung, die er durch seinen Anwalt Temba Hoch verlesen ließ, gab der Mann zu, einen Schüler im Juni 2016 an einer Ampelkreuzung in der Vahr angefahren und trotz lebensgefährlicher Verletzungen auf der Straße liegengelassen zu haben. Laut Einlassung sei er damals mit einem Freund zum Essen verabredet gewesen, beide Autos – darunter das Tatfahrzeug, ein Mietwagen, – seien hintereinander hergefahren. Sein Freund habe es noch bei Grün über die Ampel geschafft, für ihn sei kurze Zeit später „klar erkennbar Rot gewesen“.

Weil er das Auto des Freundes noch einholen und „nicht abwarten wollte, bis alle Autos weg waren“, befuhr er die Linksabbiegerspur, gab „Vollgas“ und erfasste den Jungen, der gerade mit seinem Fahrrad die Kreuzung passierte, erklärte der Angekalgte den Grund für das riskante Manöver. Es hätte fast das Leben des Opfers gekostet.

Noch ist offen, ob das Opfer sich vollständig erholt

Wie mehrere behandelnde Ärzte am Freitag vor Gericht aussagten, waren die Verletzungen des Schülers „akut lebensbedrohlich“. Durch den Aufprall kam es zu Hirnblutungen, Ärzte entfernten einen Teil der Schädeldecke, um Druck vom Gehirn zu nehmen. Zwei Wochen lag der Junge, der inzwischen 14 Jahre alt ist, im Koma, fast drei Monate verbrachte er in einem neurologischen Reha-Zentrum. „Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob alles wieder gut wird“, so die Einschätzung einer Medizinerin.

Sein Mandant habe nicht vorsätzlich gehandelt, ließ Verteidiger Hoch erklären. Nachdem der damals 27-Jährige, der allein im Fahrzeug gewesen sei, ausgestiegen und trotz der offenkundig schweren Verletzungen des Kindes weggefahren sei, habe er den Wagen in einem Industriegebiet in Kattenturm versteckt und seinen damaligen Anwalt kontaktiert. Der habe ihn darüber informiert, dass der Junge in Lebensgefahr schwebe.

Angeklagter will gegen den Rat seines Anwalts für den Fehler einstehen

Da habe ihm „schlicht der Mut gefehlt“, trotz Festnahme die Tat zu gestehen. Mehrfach habe er während des Prozesses gestehen wollen, nur habe ihm sein Anwalt, inzwischen der zweite, davon abgeraten – womöglich gegen den Willen des Angeklagten. Der junge Mann betonte: „Ich habe mich geärgert, wie er sich verhalten hat.“ Wiederholt soll der Anwalt auf ihn eingeredet haben, dass man keine Beweise gegen ihn hätte und er nicht gestehen solle.

Nun aber wolle er sich „seiner Verantwortung stellen“ und „ausdrücklich für sein Verhalten entschuldigen“. Er selbst habe eine Schwester im Alter des Opfers und ihm sei durch den Prozess bewusst geworden, welche Folgen der Unfall für den Jungen und seine Familie habe.

Temba Hoch, Anwalt Nummer drei, kündigte an, nicht auf versuchten Totschlag, sondern auf fahrlässige Körperverletzung plädieren zu wollen. Für Montag, 20. März, sind die Schlussvorträge geplant, ein Urteil wird Ende März erwartet.

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