76-Jähriger wegen unerlaubter Drogen-Einfuhr vor Gericht

Angeklagter: „Bin in eine Falle getappt“

Mehr als fünf Kilo Kokainpaste soll der 76-jährige Angeklagte nach Deutschland geschmuggelt haben. Rechts neben ihm: sein Anwalt Carsten Scheuchzer, links eine Dolmetscherin. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. In vier Flughäfen bemerkte scheinbar niemand etwas, am Airport Bremen schnappten die Zollbeamten zu: Weil er in präparierten Wakeboards rund 5,2 Kilo Kokainpaste nach Deutschland geschmuggelt haben soll, muss sich seit Mittwoch ein 76-Jähriger wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Landgericht Bremen verantworten. Die Staatsanwaltschaft sprach in der Anklage von „bewusstem Handeln“. Der Mann glaubt hingegen, in eine Falle getappt zu sein.

Sechs Tage und vier Flughäfen – bei seiner Reise von Cali nach San Andrés (beides Kolumbien) über Panama-City und Amsterdam störte sich niemand am Gepäck des Angeklagten. In Bremen wurden die Beamten vom Zoll am 21.  November 2016 dann doch stutzig. Ein 76-Jähriger, allem Anschein nach mit keinerlei persönlichen Beziehungen nach Deutschland und dazu zwei Wakeboards. Die Zöllner hatten, geht es nach der Anklage, den richtigen Riecher und fanden beim Mann insgesamt mehr als 5,2  Kilogramm Kokainpaste mit einem Wirkstoffgehalt von 69 Prozent, was rund 3,6  Kilo reines Kokain ergebe, so die Anklagevertreterin. Gut versteckt im Inneren der Sportgeräte, hatten die Betäubungsmittel einen Straßenverkaufswert von knapp 400 000 Euro.

Die Staatsanwältin sprach von „bewussten Handeln“ des Mannes. Er soll gewusst haben, was er dort transportierte. Der 76-Jährige gab an, er habe über einen Freund in seiner Heimat Kolumbien einen Bekannten kennengelernt und dieser habe ihn gebeten, die Wakeboards nach Bremen zu bringen.

Da der Mann regelmäßig über Amsterdam nach Madrid fliege, weil er dort einen Zweitwohnsitz besitze, sei er auf das Angebot des Unbekannten eingegangen. Flug und Hotel wären ihm gestellt worden, sagte der Angeklagte. Er sei „nie auf die Idee gekommen, dass er Drogen bei sich führe“, erzählte der Mann weiter. „Zumal gerade in Cali sehr strikte Kontrollen herrschen“, übersetzte eine Dolmetscherin. Vielmehr gehe er davon aus, „in eine Falle getappt“ zu sein. „Ich hatte nie Bedenken. Es ist ja eine banale Sache, kein Verbrechen“, habe er noch gedacht. Doch dann klickten die Handschellen.

Wer der Abnehmer der Drogen in Bremen gewesen sein soll und wer die mutmaßlichen Hintermänner sind, konnte bislang noch nicht geklärt werden.

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