Angeklagter belastet sich im Prozess

„Ich wollte sie nicht töten“

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Mamadou D., hier zu Prozessbeginn, soll seine Freundin in ihrer Wohnung mit 51 Messerstichen getötet haben.

Bremen - Von Steffen Koller. Mamadou D. (34) muss sich seit November wegen Totschlags vor dem Landgericht Bremen verantworten. Im Mai dieses Jahres soll er seine 48-jährige Freundin mit 51 Messerstichen getötet haben (wir berichteten). Gestern wurden Auszüge aus der Vernehmung vor dem Haftrichter verlesen, in denen D. zumindest ansatzweise Hinweise auf seine Schuld gibt. Doch wie verwertbar sind seine Aussagen?

D. habe unbedingt aussagen wollen, heißt es. Entgegen der ausdrücklichen Empfehlung seines Verteidigers schilderte er nur einen Tag nach der Tat dem Haftrichter seine Sicht der Dinge. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der 34-jährige gebürtige Ivorer im Klinikum Ost. Hier wurde er aufgrund einer Platzwunde, die er sich durch einen Sturz in seiner Arrestzelle zugefügt hatte, medizinisch versorgt. Der Haftrichter, der gestern seine Aussage machte, ging zu diesem Zeitpunkt von einem gewöhnlichen Sturz aus.

Die Vernehmung in der Klinik sei „normal“ verlaufen, schildert der Haftrichter vor Gericht, es habe keine Ausfallerscheinungen gegeben. Vielmehr habe der Angeklagte einen „Redefluss“ gehabt und dabei im Ansatz Hinweise auf die Tat gegeben. So habe D. in seiner Vernehmung angedeutet, dass es um Geld ging, das seine Freundin ihm geschuldet habe. An anderer Stelle soll D. gesagt haben: „Mein Kopf war unter Druck, das Messer war in der Küche.“ Abschließend heißt es im Protokoll: „Ich wollte ihr mit dem Messer Angst machen, ich wollte sie nicht töten.“ An die eigentlichen Messerstiche, die die Frau in Oberkörper, Hals und Gesicht trafen, könne er sich nur „leicht erinnern“.

Was der Haftrichter zum Zeitpunkt der Vernehmung nicht wusste: Der Sturz in der Arrestzelle war kein gewöhnlicher Sturz, sondern wurde durch einen Krampfanfall wegen Alkoholentzugs ausgelöst. Dies bestätigte gestern eine Neurologin, die D. nach seinem Sturz medizinisch behandelt hatte. War D. also gar nicht in der Lage, eine für das Gericht verwertbare Aussage zu machen? Für Andreas Thiel, der den Angeklagten vor Gericht vertritt, sind die Hinweise aus der Vernehmung „wenig aussagekräftig“.

Wie das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Hellmut Kellermann dies wertet, blieb gestern offen. Fest steht bislang nur, dass D. am Tatort von Polizisten angetroffen und verhaftet wurde. Zur Tatzeit ergab eine Atemalkoholmessung 3,2 Promille, wenige Stunden später wurden 2,52 Promille im Blut festgestellt. Aufgrund des hohen Alkoholpegels geht die Staatsanwaltschaft von einer Schuldunfähigkeit des Angeklagten aus. Die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik könnte die Folge sein. Ein Urteil wird im Januar erwartet.

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