K.o.-Tropfen-Prozess: Fünf Jahre Haft wegen schwerer sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung

Angeklagte müssen hinter Gitter

Bremen - Von Nina SeegersWegen schwerer sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung hat die Große Strafkam-mer 3 am Landgericht gestern zwei Angeklagte im Alter von 34 und 40 Jahren zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die homosexuellen Männer im Oktober 2012 einen damals 20-Jährigen mit K.o.-Tropfen in der Wohnung des 40-Jährigen betäubt haben, um sich an dem Bewusstlosen sexuell zu vergehen.

Die Angeklagten, einer von ihnen ist ein Bremer Jugendreiseveranstalter und SPD-Lokalpolitiker, müssen sich seit Anfang April vor dem Landgericht verantworten. Beide bestritten bis zum Schluss die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Ihre Verteidiger hatten Freisprüche beantragt (wir berichteten). Die Kammer hält die Aussagen der Täter jedoch für unglaubwürdig.

Die Vorsitzende Richterin Monika Schäfer sagte in ihrer Urteilsbegründung: „Die Versionen der Angeklagten sind nicht plausibel, sie wirken konstruiert und an die Beweisergebnisse angepasst.“ Da das Opfer, das vor Gericht als Nebenkläger auftrat, durch die verabreichten K.o.-Tropfen mehrere Stunden bewusstlos gewesen sei, gebe es für den Tatvorwurf zwar keine direkten Zeugen, die objektive Beweislage spreche aber für die Schuld der Angeklagten, erklärte Schäfer weiter. Schließlich sei im Blut des Opfers unmittelbar nach der Tat eine hohe Konzentration von Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB), besser bekannt als K.o.-Tropfen, festgestellt worden. Zudem wurden DNA-Spuren der Angeklagten unter anderem im Intimbereich und an der Unterhose des jungen Mannes gefunden. Laut eines Gutachters soll die verabreichte GHB-Dosis sogar so hoch gewesen sein, dass sie lebensbedrohlich gewesen sei. Trotzdem geht die Kammer nicht davon aus, dass die Täter die Droge mit einem Tötungsvorsatz verabreicht haben. Die Angeklagten alarmierten selbst den Notarzt und leiteten reanimierende Maßnahmen ein, als das Opfer infolge der K.o.-Tropfen keine Luft mehr bekam und bewusstlos auf dem Sofa des Jugendreiseveranstalters lag. Für den heute 21-jährigen Nebenkläger habe die Tat weitreichende Folgen gehabt, sagte die Vorsitzende. Der junge Mann habe in Lebensgefahr geschwebt und klinisch behandelt werden müssen. Vor allem aber seien die psychischen Auswirkungen gravierend. „Er hat sich nach Zeugenaussagen seitdem stark zurückgezogen und sein Studium abgebrochen“, erklärte Schäfer weiter. Besonders dieser Aspekt haben sich negativ auf die Strafe ausgewirkt. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht, dass die beiden Angeklagten nicht vorbestraft sind und die Tat nicht geplant, sondern spontan begangen worden sei. Darüberhinaus hätten die Täter lebensrettende Maßnahmen eingeleitet und säßen bereits seit über sieben Monaten in Untersuchungshaft.

Da K.o.-Tropfen nur 24 Stunden lang im Blut nachgewiesen werden können, werden Verbrechen wie dieses nur selten angezeigt oder gar vor Gericht verhandelt. In diesem Fall konnte es nur deshalb zu einer Feststellung kommen, weil der Vater des Opfers, ein langjähriger Bremer Polizeibeamter, unmittelbar nach der Tat schnell reagiert und eine Blutuntersuchung veranlasst hatte.

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