Erfahrungen mit dem Ordnungsamt

Coronavirus-Epidemie in Bremen: Blumenhändlerinnen im Anfragestress im Shutdown

Jetzt haben sie wieder prächtige Blumen auf dem Tresen: Gerda Rickers (links) und ihre Tochter Irina Petro-Schröder. Foto: KOWALEWSKI
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Jetzt haben sie wieder prächtige Blumen auf dem Tresen: Gerda Rickers (links) und ihre Tochter Irina Petro-Schröder.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Geschäfte haben wieder geöffnet. Die Corona-Pause war lang. Rückblickend zeigt sich, dass die Wochen der Schließung wohl auch zu Missverständnissen und Überforderung geführt haben.

Nach Angaben des Innenressorts erreichten das Ordnungsamt vom 11. März bis 4. Mai 6 238 Mails und 1 780 Anrufe, die mit der Allgemeinverfügung zu Schließungen wegen der Corona-Pandemie zu tun hatten. Auch sonnabends seien diese angenommen worden. Schlechte Erfahrungen mit dem Ordnungsamt machte Blumen Rickers aus Grolland.

Gerda Rickers (66) und ihre Tochter Irina Petro-Schröder (44) verkaufen Blumen, aber auch Obst und Gemüse an ihre eher älteren Kunden in der Umgebung. Da sie somit auch Lebensmittel im Angebot haben, öffneten sie ihr Geschäft trotz des Shutdowns weiter. Dann kam das Ordnungsamt mit zwei Kräften. „Sie sagten, wir hätten 80 Prozent Obst und Gemüse verkaufen müssen, um öffnen zu dürfen. Und ansonsten nur wiedereinpflanzbare Blumen, aber auch die eigentlich nicht“, sagt Petro-Schröder. Die Beamten hätten eine E-Mail-Adresse vom Ordnungsamt und mehrere Nummern hinterlassen. Die Blumenhändlerinnen sollten sich erkundigen, ob und wie sie weitermachen könnten. „Wir haben mit Hilfe eines Anwalts eine Anfrage aufgesetzt, aber bis heute keine Antwort bekommen“, sagt Rickers. Auch Anrufe unter den Telefonnummern hätten keine brauchbaren Informationen gebracht. „Die waren richtig unfreundlich“, sagt Rickers.

Die beiden Frauen ließen niemanden mehr ins Geschäft und verkauften ihre Ware nur noch durch die Tür. Eine Woche später kam das Ordnungsamt erneut, erzähen sie. „Wir haben denen gesagt, dass wir keine Antwort bekommen haben“, sagt Petro-Schröder. Die Beamten hätten die Schließung verlangt. „Die wollten, dass wir das Geschäft nach Möglichkeit überhaupt nicht betreten und kein Licht anschalten. Wir durften nicht lüften. Und das in einem Blumengeschäft!“, sagt Rickers. „Wir sollten den Laden dichtmachen und die Blumen wegschmeißen.“

Nach Anfragen aus der Nachbarschaft begann dann die Lieferung zu den Kunden nach Hause. „Das machen andere Blumenhändler auch. Da sehen wir nicht ein, dass wir das nicht machen“, sagt Rickers. „Es war allerdings schwer, die Blumen zu lagern. Es durfte nicht eine Schnittblume auf dem Tresen liegen.“ Der Standpunkt des Innenressorts, dem das Ordnungsamt untersteht, lautet nach interner Recherche: Die Schließung war rechtens. „Schon bei der ersten Kontrolle wurden die Anwesenden aufgefordert, das Geschäft auf Grundlage der damaligen Allgemeinverfügung zu schließen, da Blumen das Hauptgeschäft darstellten“, sagt Pressereferentin Karen Stroink. 80 Prozent Obst und Gemüse wären nötig gewesen, und so groß war der Anteil nicht. Auch ein Verkauf durch die Haustür sei nicht akzeptabel gewesen. „Viele haben versucht, kreativ zu sein. Ein Geschäft im Viertel legte die Ware in Schließfächer. Mit einem Code konnten die Kunden sie abholen. Auch das war nicht erlaubt“, so Stroink.

Aber selbstverständlich sei es den Blumenverkäuferinnen erlaubt gewesen, Ware zu ihren Kunden zu liefern, ihren Laden zu betreten, zu lüften und Blumen auf dem Tresen haben, sofern die Eingangstür abgeschlossen sei, so Stroink weiter. „Die Schließung betraf ja nur den Kundenverkehr. Wir wollten verhindern, dass zu viele Menschen auf der Straße sind. Wir haben damals erlaubt auszuliefern. Es macht einen Unterschied, ob 15 Leute kommen oder einer fährt mit dem Fahrrad los, um diese zu beliefern“, sagt Stroink.

Es bleiben verschiedene Sichtweisen der Geschehnisse. Nach Angaben des Innenressorts sollen die Frauen beim zweiten Kontakt mit Beamten gesagt haben, es fände kein Verkauf von Blumen und Lebensmitteln statt, während aber Kunden anstanden, die angaben, Kartoffeln kaufen zu wollen. Rickers spricht dagegen lediglich von einem Mann, der gefragt habe, ob er sich Ware liefern lassen dürfe.

Stroink betont, normalerweise seien Mails beantwortet worden. Vielleicht habe man eine übersehen. Sie frage sich aber, ob die Händlerinnen wirklich keine Auskunft erhalten hätten, da sie doch Ansprechpartner telefonisch erreicht hätten. Aber das alles ist nun Vergangenheit. Nun läuft der Blumenhandel wieder.

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