70-Kilo-Mann will 160 Kilo stemmen

Kraftsport am Limit: Bremer Student möchte Weltmeister werden

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Der Bremer Student Andrew Liocco trainiert für Bankdrücker-WM

Bremen - Von Irena Güttel. Andrew Fiocco schiebt zwei große Scheiben auf die Hantelstange. Dann legt er sich auf die Bank und drückt die Stange ein paar Mal schnell nach oben. Sein Atem geht stoßweise, die Muskeln in den Armen und der Brust arbeiten. „Ein bisschen Warm-up“, sagt der 21-Jährige.

Nach und nach erhöht er die Gewichte. Schließlich stemmt er 150 Kilogramm in die Höhe - mehr als doppelt so viel wie er wiegt. Fioccos ganzer Körper zittert, ein Stöhnen entfährt ihm. Fünfmal hoch, fünfmal runter, dann ist Schluss. Ja, Fiocco ist stark, sehr stark, aber noch nicht stark genug.

Im November tritt der Bremer Student bei der Weltmeisterschaft im Bankdrücken in Floria an. 160 Kilogramm will er da schaffen. 10 Kilo mehr klingt nach nicht viel, ist aber eine enorme Steigerung. „Ich muss täglich trainieren“, sagt Fiocco. 14 Stunden in der Woche. Seit fünf Jahren stemmt er Gewichte. Begonnen hat er damit in den USA, seinem Heimatland. Seit zwei Jahren studiert Fiocco an der privaten Jacobs University in Bremen internationale Politik und Geschichte. So kommt es, dass er für Deutschland an der WM des World Powerlifting Congress in seiner Heimat teilnehmen wird.

Etwa 20 Kraftsportler aus Deutschland werden dorthin reisen und sich in verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen mit der internationalen Konkurrenz messen. Drei Versuche wird Fiocco haben, um 160 Kilogramm zu heben. „Er hat gute Chancen auf einen Medaillenplatz“, meint Reno Karkuschke vom United Powerlifting Congress Germany. Seit Monaten verbringt Fiocco viel Zeit im Fitnessstudio, um seine Muskeln zu stählen. Doch Kraft alleine reiche nicht aus, sagt er. „Es ist auch viel Disziplin dabei - und Wille.“

Andrew Liocco ist kein Bodybuilder, er ist Kraftsportler.

Eisern hält sich der Student an seine Spezial-Diät: viel Gemüse, Obst und Eiweiß, wenig Kohlenhydrate, nichts Süßes. Dazu müssten die meisten Kraftsportler Nahrungsergänzungsmittel und Eiweißpräparate nehmen, sagt Karkuschke, der selbst mehrfacher Weltmeister ist. „Den Bedarf kann man nur schwer über die Ernährung decken.“ Wie in anderen Sportarten sei auch Doping ein Problem, gibt er zu. „Leider wird das zu wenig getestet.“ Bei den Wettkämpfen gebe es nur stichprobenartige Kontrollen, für flächendeckende fehle das Geld.

Spricht man Fiocco auf Doping an, schüttelt er nur verständnislos den Kopf. „Das ist nicht gesund. Außerdem ist es offensichtlich, wenn jemand dopt“, sagt er. „Ich bin muskulös. Aber man sieht mir nicht an, dass ich 150 Kilogramm stemme.“ In der Tat ist Fiocco extrem durchtrainiert. Das rote T-Shirt sitzt eng an Brust und Armen. Doch blickt man sich in dem Fitnessstudio um, entdeckt man andere Sportler, die noch muskelbepackter sind. „Mit Bodybuilding hat der Kraftsport nichts zu tun“, betont Frank Nitschke vom Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer in Dresden.

Derzeit stemmt Andrew Liocco 150 Kilogramm, es müssen aber 160 sein.

Bankdrücken ist neben Kniebeugen und Kreuzheben eine der drei Disziplinen des Kraftdreikampfes. Lange war dieser eine reine Männerdomäne. „In den letzten Jahren ist er auch bei Frauen populär geworden“, sagt Nitschke. 320 Vereine mit mehr als 20.000 Mitgliedern gehören zum Bundesverband. Ein Drittel davon sind nach Schätzungen von Nitschke inzwischen Frauen. Nitschkes Erklärung: „Das Schönheitsideal hat sich gewandelt. Nicht mehr dünn, sondern durchtrainiert gilt als schön.“

Nach dem Bankdrücken macht Fiocco noch ein paar Übungen für die Schultern. Das Schwerste beim Gewichtheben, sagt er, sei immer der Weg nach oben. Dabei helfe die richtige Technik: schnell hoch, langsam absenken. „Das ist Wissenschaft“, sagt Fiocco. „Man lernt viel dabei über den Körper.“

Endlich mal wieder eine Pizza essen - darauf freut sich Fiocco schon nach der Weltmeisterschaft. Eine längere Pause will er sich danach aber nicht gönnen. Schließlich muss er gleich weiter trainieren: Im nächsten Jahr will er dann auch im Kraftdreikampf antreten.

dpa

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