Platz 2 für Oliver Sebrantke

Andreas Kuhlen triumphiert beim Bremer Marathon

Euphorischer Jubel sieht irgendwie anders aus: Andreas Kuhlen scheint selbst überrascht zu sein, dass er auf dem Marktplatz als Erster die Ziellinie überquert – und freut sich eher verhalten.

Bremen - Von Petra Philippsen. Es ging auf den Endspurt zu. Die Zuschauer, die sich zur Mittagszeit bei strahlendem Sonnenschein um den Zielbereich vor dem Rathaus drängelten, konnten den ersten Läufer in der Ferne auf den letzten Metern der Obernstraße bereits erkennen. „Olli, Olli“ skandierten einige schon – aber der Mann im blauen Shirt mit der Startnummer 74 war gar nicht Oliver Sebrantke. Sondern Andreas Kuhlen. Der schmächtige Mann von der LG Braunschweig gewann völlig überraschend den Bremer Marathon.

Mit niemand anderem als Sebrantke, dem 42 Jahre alten Seriensieger aus Stuhr, hatten viele Zuschauer ganz vorne gerechnet. Kaum verwunderlich, schließlich schien nach vier Siegen in Folge Sebrantkes insgesamt siebter Titel in der Hansestadt programmiert. Aber dann kam Kuhlen, der als Erster über die Ziellinie lief – und das in einer guten Zeit von 2:30,06 Stunden.

Entscheidung mitzulaufen erst drei Tage zuvor gefallen

Sebrantke wurde Zweiter, 45 Sekunden langsamer nur, aber eben geschlagen. „Ich gebe zu, Andreas hatte ich nicht auf dem Zettel“, sagte Sebrantke – und dem Sieger des 13. Marathons in Bremen ging es kurioserweise selbst nicht anders. „Ich habe mich erst vor drei Tagen entschieden, überhaupt mitzulaufen“, meinte Kuhlen.

Eigentlich war geplant, dass der 34-Jährige nicht die volle Distanz von 42,195 Kilometern läuft. Kuhlen sollte bloß als sogenannter „Hase“, als Tempomacher für Sebastian Kohlwes fungieren. Und auf dieses Duell zwischen Kohlwes und Sebrantke, den beiden Vereinskollegen vom LC Hansa Stuhr, hatten die Bremer Lauf-Fans gestern hingefiebert. Endlich schien Sebrantke in Bremen echte Konkurrenz zu bekommen – und es mit der Einsamkeit des Langstreckenläufers vorbei zu sein. Kohlwes hatte wenige Tage zuvor beim Berlin-Marathon mit seiner starken Zeit von 2:26,44 Stunden aufhorchen lassen.

Katharina Nüser wird schnellste Frau

Es hätte ein packender Zweikampf um den Sieg werden können. Wurde es aber nicht, weil Kohlwes sich offensichtlich übernommen hatte und sich eingestehen musste: „Ich kann nur davon abraten, zwei Marathons in einer Woche zu laufen . . .“ Bei Kilometer 24 stieg der 28-Jährige erschöpft aus dem Wettbewerb aus und lieferte hinterher auch die Erklärung dafür: „Wir sind das erste Renndrittel zu schnell angegangen“. Sebrantke hatte das kommen sehen und seinen Konkurrenten nach drei Kilometern bereits wegziehen lassen. „Ich wusste, dass das nicht gutgehen wird – und ich ihn bald auf der Strecke wiedersehen würde“, sagte Sebrantke und ergänzte: „Das Duell Erfahrung gegen Jungspund habe ich gewonnen.“

Und er hätte auch das Rennen gewonnen, wäre da nicht Andreas Kuhlen gewesen. Der „Hase“ entschied sich nach Kohlwes’ Aus, einfach weiterzurennen. „Ich war alleine vorne – was sollte ich da machen?“, fragte der Braunschweiger mit einem Schmunzeln. Und mit dieser spontanen Eingebung erwischte er Sebrantke eiskalt. So sehr sich der Favorit auch mühte, er holte Kuhlen nicht mehr ein. Dritter wurde Reinke Eiben von der Emder LG in 2:36,50 Stunden.

Als schnellste Frau kam Katharina Nüser von der LG Wedel Pinneberg (2:54,30) ins Ziel, mit knapp sieben Minuten Vorsprung.

Sebrantke startet beim Ironman auf Hawaii

„Das ist schon ein etwas komisches Gefühl“, gestand Gewinner Kuhlen, „mein Hauptziel ist eigentlich erst der Frankfurt-Marathon in vier Wochen.“ Ein Trainingssieg quasi, aber kein unverdienter. Und für Sebrantke war die Niederlage etwas leichter zu verschmerzen, da auch sein großes Highlight noch auf ihn wartet: Der Ironman auf Hawaii am 14. Oktober. „In einer Woche sitze ich im Flieger“, freute sich Sebrantke, „das ist seit Jahren mein großer Traum. Diese Streckenlänge mit vier Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und am Ende noch einen Marathon hinterher – das reizt jeden Ausdauersportler.“ Dieses Mammutprogramm bei 35 Grad und viel Wind zu stemmen, das sei eine ganz eigene Herausforderung, aber eines hat sich Sebrantke ganz fest vorgenommen: „Auf jeden Fall ankommen.“ Und worauf freut er sich am meisten? „Auf den Urlaub, den ich hinterher auf Hawaii mache!“

Dass er auch beim 14. Bremen-Marathon im nächsten Jahr wieder dabei sein wird, mit diesem Versprechen verabschiedete sich Sebrantke von den Zuschauern. Und man darf sicher sein, dass ihm dann kein „Hase“ mehr einfach so davonläuft.

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