CORONA Digitales Studieren zwingt zu neuen Erfahrungen

Anders lernen

Zwei große Bildschirme und ein Laptop: Mathematiker Martin Scharpenberg leitet technisch gut ausgestattet die Übung zur Vorlesung „Statistik für Naturwissenschaftler“. Foto: KOWALEWSKI

Bremen - Von Martin Kowalewski. Statistik hat es in sich. Die komplizierten mathematischen Zusammenhänge sind auch für Naturwissenschaftler wie Biologen ein harter Brocken. In Corona-Zeiten muss dieser zudem übers Internet gelernt werden. Das klappt bei der Übung zur Vorlesung „Statistik für Naturwissenschaftler“ der Uni Bremen gut. Digitales Studieren zwingt alle zu neuen Erfahrungen. Wir haben in diese Online-Übung hineingeschnuppert.

Insgesamt 117 Biologen aus dem zweiten Bachelor-Semester nehmen an der Online-Veranstaltung in Statistik teil. Die Vorlesung von Biologie-Professor Thomas Hoffmeister an der Uni Bremen wird hochgeladen. Ein technischer Vorteil: Man kann die Vorlesung pausieren lassen und überlegen.

Es gibt zwei freiwillige Übungen übers Netz mit der Software „Zoom“, geleitet von Martin Scharpenberg (32), Mathematiker am Kompetenzzentrum für klinische Studien Bremen. Die Studenten lernen auch gleich, die statistischen Operationen mit der Spezialsoftware „R“ durchzuführen, wofür komplexe Eingaben nötig sind. Das findet ohnehin am Computer statt.

Es ist schon eine andere Situation. „Wenn ich sonst etwas erzähle, sehe ich den Studierenden an, ob sie folgen können“, sagt Scharpenberg. „Man kann sie dann ansprechen und sagen, Du guckst so skeptisch.“ Die Studenten arbeiten nicht alle vor Kameras. „Nicht jeder will, dass man ihm ins Wohnzimmer schaut“, so der Übungsleiter.

Scharpenberg hat gleich zwei große Bildschirme und seinen Laptop vor sich. Los geht es. „Hallo, zusammen!“, sagt er. Auf den Bildschirmen: Studis als Symbole oder auch mit Live-Bild sowie Inhalte, die Scharpenberg zeigt. Schnell kommen Fragen auf. Kann die Software Gleichungen auf eine bestimmte Weise umstellen? Wie kann ein Histogramm, eine Grafik zur Häufigkeitsverteilung, erstellt werden? Und auch übers Netz kann Scharpenberg wichtige statistische Begriffe klären, etwa den Median, denjenigen Messwert, der genau in der Mitte steht, wenn man alle Messwerte sortiert.

Dann leert sich das virtuelle Feld mit den Studenten, sie wechseln in ihre elf Gruppen und gehen in virtuelle Räume, um ihre Übungsaufgaben zu rechnen. Übungsleiter Scharpenberg, Tutorin Murielle Muesfeldt (26) und Tutor Malte Rinn (21) schauen virtuell in die Gruppen und sind auch zur Stelle, wenn sie aus einer der Gruppen gerufen werden.

Hilfestellung vom Mathematiker

Student Devin Thies (26) mag es, von zu Hause mit seinem Rechner zu arbeiten. Dagegen sagt Studentin Greta Voss (19), sie stelle es sich schöner vor, wenn alle zusammen mit dem Dozenten in einem Raum seien. Andere Fächer seien für das virtuelle Lernen zudem weniger geeignet, etwa Botanik. Die Herstellung von Präparaten werde so nicht gelernt. Tutorin Muesfeldt sagt: „Ich kann nicht zwischen den Reihen laufen und über die Schultern gucken.“

Scharpenberg und seine Helfer machen sich wieder auf in die virtuellen Räume, Scharpenberg in Nummer sieben. Hier läuft eine angeregte Unterhaltung zu einem Problem, der Besucher wird gar nicht bemerkt. „Wir können Martin fragen“, sagt jemand und Scharpenberg sagt: „Alles klar. Ich bin bei Euch.“

Nach einer Hilfestellung geht er weiter. Doch irgendwann hängt alles. „Zoom“ ist abgestürzt. „Das ist bisher noch nie passiert, ganz ehrlich“, sagt Scharpenberg. Er teilt es seinen beiden Kollegen mit und fährt seinen Rechner runter. „Ich hoffe, dass die Rechte, es zu verwalten, auf die anderen übergehen. Sonst rufen alle in den Gruppen um Hilfe, und es kommt keiner.“ Es sind einige wenige Studenten ebenfalls betroffen, die Tutoren aber nicht. Trotzdem geht die Übung gut zu Ende.

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