Andere Form, andere Struktur

Bremen beteiligt sich am „Länderzentrum für Niederdeutsch“

+
Seit den 70er Jahren gibt es das von einem Verein getragene Institut für niederdeutsche Sprache im Schnoor, in diesem Jahr wurde es mit dem Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis ausgezeichnet. Jetzt soll ein „Länderzentrum für Niederdeutsch“ das INS ablösen.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ein „Länderzentrum für Niederdeutsch“ soll an die Stelle des Instituts für niederdeutsche Sprache (INS) im Schnoor treten, dessen Mitarbeiter nun befürchten, demnächst arbeitslos zu sein. Der Senat hat der Gründung des Zentrums am Dienstag zugestimmt.

Bremen trägt die neue Einrichtung gemeinsam mit Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Bis Mitte September sollen alle Beteiligten zugestimmt haben, damit das Zentrum mit Sitz in Bremen zum Jahresbeginn 2018 loslegen kann – als gemeinnützige GmbH.

Ein ehrgeiziger Zeitplan, zumal bis jetzt noch keine Stellen ausgeschrieben werden konnten. Wo in Bremen das neue Zentrum sitzen soll, ist ebenfalls noch unklar. Wie berichtet, hatten die Finanzierungsländer Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg ein seit 1979 bestehendes Förderabkommen für das INS – formal ein Verein – zum 31. Dezember gekündigt. Damit fallen dem Institut ab 2018 jährlich Zuschüsse von insgesamt 271.000 Euro weg. Die Zukunft der Einrichtung mit vier festen Stellen ist unklar.

Das Kündigungsschreiben hatte das INS Mitte Mai bekommen. „Nach Abwägung und Diskussion unterschiedlicher Ansätze“ hätten sich die Länder verständigt, neue Wege zu gehen. Zur Begründung wurden ein rasanter demografischer Wandel, eine sich immer schneller verändernde Mediengesellschaft und unterschiedliche regionale Besonderheiten angeführt.

Die Fördermittel von 271.000 Euro bildeten den Großteil des INS-Jahresetats, sagt Christiane Ehlers, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut. Mit dem restlichen Geld sei nicht mal eine Stelle zu finanzieren. Das INS könne für seine Arbeit projektbezogene Zuschüsse beantragen, heißt es im Kulturressort. Und es gebe Gespräche darüber, die Bibliothek des INS in die Arbeit des neuen „Länderzentrums“ einzubeziehen.

Mit Projektmitteln lasse sich die bisher geleistete Arbeit nicht aufrechterhalten, sagt Ehlers – und verweist auf INS-Angebote wie Uni-Kurse und Lehrerfortbildungen. Zudem stellt das INS-Team zwei der fünf Sprecher bei den plattdeutschen Nachrichten auf Radio Bremen. „Wir sind ein wesentlicher Teil des plattdeutschen Netzwerks.“

Erhalt, Förderung und Weiterentwicklung des Niederdeutschen – Kernaufgaben des INS, die das Kulturressort nun auch als Kernaufgaben des neuen „Länderzentrums für Niederdeutsch“ benennt. Das wesentliche Interesse der Länder Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen dürfte in der neuen organisatorischen Form der Plattdeutsch-Förderung liegen. „Die Wahrnehmung in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH gründet sich auf dem Wunsch der Länder, jeweils gleichberechtigt und mit direktem Einfluss auf das Geschäft an einer gemeinsam getragenen Struktur beteiligt zu sein“, heißt es in der Senatsvorlage zum Thema. Auch „die Aufnahme weiterer Partner, die nicht notwendigerweise andere Bundesländer sein müssen“, sei in der neuen Struktur einfacher.

Die Kosten für das „Länderzentrum“ bewegen sich im gleichen Rahmen wie die bisherige INS-Förderung – und werden ebenso aufgeteilt: Bremen zahlt 80.000 Euro jährlich, Niedersachsen 117.000 Euro, Schleswig-Holstein 42.000 Euro und Hamburg 32.000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Meistgelesene Artikel

„Handwerksshow“ mit Ex-„Bachelor“ Jan Kralitschka im Weserpark

„Handwerksshow“ mit Ex-„Bachelor“ Jan Kralitschka im Weserpark

27-Jähriger mit Glasflasche schwer verletzt

27-Jähriger mit Glasflasche schwer verletzt

Musicaltheater: Vertrag bis 2023 mit neuem Betreiber

Musicaltheater: Vertrag bis 2023 mit neuem Betreiber

Ladies Night: 2500 Bändchen für mehr Spaß auf dem Freimarkt

Ladies Night: 2500 Bändchen für mehr Spaß auf dem Freimarkt

Kommentare