Auf zum Amazonas

Bremer Forscherin will den Stoffkreislauf im Meer besser verstehen lernen

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Andrea Koschinsky, Professorin für Geochemie an der Jacobs-Universität, leitet die interdisziplinäre Forschungsfahrt zum Mündungsbecken des Amazonas.

Bremen - „Wir wollen den Stoffkreislauf im Meer besser verstehen lernen“, beschreibt Andrea Koschinsky das Ziel der Forschungsfahrt M 147. Die Professorin für Geochemie an der Jacobs-Universität in Grohn hat Großes vor: Sie wird im April zum Mündungsbecken des Amazonas aufbrechen – als Leiterin des interdisziplinären Forschungsprojekts an Bord des Forschungsschiffes „Meteor“.

Der Amazonas ist der mit Abstand wasserreichste Fluss der Welt. Ein Fünftel des gesamten Süßwassers der Erde strömt aus seiner Mündung in den Atlantik, das Wasser des Flusses drängt das Salzwasser des Meeres mehrere hundert Kilometer weit ins Meer hinaus, heißt es bei der Jacobs-Uni. Im April startet die Forschungsfahrt M 147. Die Mittel für das Forschungsprojekts an Bord der „Meteor“ sind kürzlich bewilligt worden.

Der fast 7.000 Kilometer lange Amazonas ist nicht nur ungeheuer wasserreich, er transportiert auch große Mengen an Spurenmetallen wie Eisen oder Kupfer und gelöste organische Materialien, sagt Koschinsky. Um diese Stoffe geht es im Team um Koschinsky, Prof. Thorsten Dittmar von der Universität Oldenburg und Professor Martin Frank vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Kiel) sowie den vier brasilianischen Partnerorganisationen.

Nur, wenn man den Stoffkreislauf im Meer besser verstehen könne, „können wir verlässlich vorhersagen, welchen Einfluss menschliches Handeln auf diesen Kreislauf hat“, sagt Koschinsky zum Forschungsziel.“ Spurenstoffe wie Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor spielten im Ozean eine wichtige Rolle, sie seien entscheidende Elemente für die Bildung von Biomasse. Koschinsky: „Ohne Eisen aber geht nichts, jeder noch so kleine maritime Organismus benötigt Eisen.“ Der Amazonas trage eine Vielzahl von Stoffen ins Meer, darunter – genau – auch Eisen. Ein Teil der Stoffe flocke aus, wenn das Süßwasser auf Salzwasser treffe und sich mische. Dies sinkt nach Angaben der Bremer Professorin in die Tiefe und lagert sich als Sediment am Boden der Flussmündung ab. Ein anderer Teil aber bleibe im Wasser erhalten und nehme am Stoffkreislauf im Ozean teil.

Wie genau diese Prozesse ablaufen, die Wechselwirkungen, Interaktionen und auch Quantitäten wollen die Wissenschaftler auf ihrer Forschungsfahrt untersuchen. Dabei stehen die Stoffflüsse des Eisens sowie anderer wichtiger Spurenmetalle und organischer Moleküle im Fokus. Erste Wasserproben werden die Wissenschaftler bereits im Fluss nehmen, noch bei reinstem Süßwasser, heißt es bei der Jacobs-Uni. Das Schiff folgt dann dem Lauf des Flusswassers über die Mischzone zwischen Salz- und Süßwasser, bis es nur noch reinstes Meerwasser unter dem Kiel hat. Auch Sedimentproben werden vom Meeresboden genommen, im Fluss bei bis zu 100 Meter Tiefe, im Meer auf bis zu 2.000 Meter.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch dazu dienen, vom Menschen hervorgerufene Störungen natürlicher geochemischer und biologischer Prozesse in der marinen Umwelt zu erfassen und zu verstehen, erklärt Koschinsky. Insbesondere durch den Bau von Staudämmen, aber auch durch Abholzung und intensive Landwirtschaft greife der Mensch in das fragile Ökosystem des Amazonas ein und verändere es massiv.

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Gemeinschaftsprojekt ist Teil des internationalen „Geotraces“-Programms. Dieses zielt darauf ab, die Verteilung von Spurenelementen und Isotopen im Ozean zu erfassen und die Prozesse nachzuvollziehen, die diese Verteilung steuern. Die gesammelten Daten sollen unter anderem zum besseren Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane beitragen. 

gn

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