Stationäre Jugendhilfe

Altes Zollamt wird Erstaufnahme für Uma

Bremen – Die stationäre Jugendhilfe in Bremen stellt sich neu auf. Zunehmend werden Einrichtungen, die für die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (Uma) angemietet wurden, für alle Jugendliche geöffnet. Und umgekehrt nehmen stationäre Jugendhilfeeinrichtungen, also Heime, vermehrt Uma auf. So soll, wie es aus dem Sozialressort heißt, die Integration gefördert werden. Die Sozialdeputation hat dem Umbauprozess der stationären Jugendhilfe einmütig zugestimmt.

Zuvor hatte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) die Pläne vorgestellt. Zwölf Bremer Jugendhilfeeinrichtungen mit rund 200 Plätzen nehmen derzeit ausschließlich Uma auf, 18 Heime mit rund 180 Plätzen, die ursprünglich für Uma gedacht waren, betreuen inzwischen ganz oder überwiegend Jugendliche aus anderen Bevölkerungsgruppen. „Diese Einrichtungen erweitern das bisherige Spektrum der stationären Jugendhilfe. Und wir können jetzt mehr Jugendliche aus Bremen in Bremen unterbringen“, sagte Stahmann.

In den Hoch-Zeiten der Zuwanderung waren überproportional Uma an die Weser gekommen, zeitweise hatte Bremen fast 3000 unbegleitete junge Ausländer zu betreuen. Das änderte sich erst ab November 2015, als die bundesweite Asylquote auch für Jugendliche angewandt wurde. Kamen 2015 rund 2500 Uma nach Bremen, waren es laut Sozialressort 2018 noch 72. Betreut werden jetzt noch etwa 1 300. Der größte Teil (830) lebt in Wohngemeinschaften oder eigenen Wohnungen, ist volljährig und braucht laut Stahmann nur geringe Betreuung.

Ständig leben rund 1000 Bremer Kinder und Jugendliche (ohne Uma) in einem Heim. Nur etwa jede dritte Unterbringung erfolgte mangels Platz bislang in Bremen, alle übrigen in einem anderen Bundesland. Nicht immer aber sei das Herauslösen aus dem sozialen Umfeld pädagogisch erforderlich, sagte Stahmann. Oft fehle in Bremen einfach eine fachlich geeignete Einrichtung. Hier wolle man nun spezielle Uma-Einrichtungen für alle Jugendlichen umbauen. Neu ist laut Senatorin zum Beispiel eine Einrichtung, die speziell minderjährige und heranwachsende Eltern mit ihren Kindern aufnimmt. „So ein Angebot hat bisher gefehlt.“

Der Rückgang bei den Uma habe auch zur Folge, dass die Erstaufnahmeeinrichtung in Obervieland mit bis zu 300 Plätzen nun überdimensioniert sei. Eine Rückkehr zu den hohen Zahlen von 2015 schließt Stahmann aufgrund des Verteilschlüssels aus. Sie will künftig 70 Plätze für Uma vorhalten. Neuer Standort der Erstaufnahme wird das Alte Zollamt in Walle sein. Erweitert wurde laut Stahmann das Spektrum an Einrichtungen für Jugendliche, die immer wieder straffällig werden und keine Regeln anerkennen. Für sie gibt es ein Heim (40 Plätze) in Sebaldsbrück. Zudem soll ein Haus in Blumenthal mit intensiv-pädagogischer Begleitung in Betrieb gehen.

Rubriklistenbild: © dpa

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